Fundamentalistisches Portal "gloria.tv" Kreuzzeichen aus Tuvalu

Das Hetzportal kreuz.net ist zwar inzwischen offline, dafür hat die Kirche jetzt Ärger mit der fundamental-katholischen Internetseite gloria.tv. Das Bistums-Fernsehen der Diözese Würzburg kündigte dem Portal bereits jegliche Zusammenarbeit auf, die Fernseh-Stelle der Deutschen Bischofskonferenz prüft derzeit ähnliche Schritte.

Von Rudolf Neumaier

Neben der frohen Botschaft, dem Evangelium, verbreitet das fundamentalistische Internet-Portal gloria.tv Nachrichten. Vergangene Woche berichtete die Sprecherin zum Beispiel über eine Nachfolgerseite von kreuz.net. Zur Erinnerung: Die antisemitische und homophobe Seite kreuz.net geriet wegen ihrer menschenverachtenden Inhalte ins Visier der Justiz und schaltete sich Anfang Dezember ab, weil sich die Schlinge um ihre anonymen Urheber immer enger zusammenzog. Und was sagt die vorgeblich katholische Seite gloria.tv zum kreuz.net-Epigonen? Sie feiert ihn als "mutigen Katholiken".

Zu Beginn dieser Woche griff die Nachrichtensprecherin, dem Akzent nach eine Österreicherin, eine E-Mail der deutschen Initiative "Stoppt kreuz.net" auf. In dem Schreiben an Inserenten von gloria.tv stand, gloria.tv sei "durch seine implizite Unterstützung für kreuz.net (. . .) in Verruf geraten". Als hätte es eines Beweises für die Infamie von gloria.tv bedurft, die stark der Vorgehensweise von kreuz.net ähnelt, verzerrte die Sprecherin diesen Satz der Mail komplett, indem sie den Absender mit den Worten zitierte: "Er will gloria.tv Zitat 'in Verruf bringen'." Ziel sei, einen Keil zwischen die Katholiken zu treiben.

Wenn dem so wäre, könnte die Initiative "Stoppt kreuz.net" immerhin schon einen Erfolg verbuchen: Offizielle Stellen der katholischen Kirche in Deutschland wenden sich von gloria.tv ab oder distanzieren sich zumindest deutlich davon. Das Portal ist ihnen zu radikal.

Gloria.tv wird offenbar in Österreich produziert, ist aber in der Republik Moldau registriert und bezeichnet sich als "private Initiative, die nicht direkt mit der kirchlichen Hierarchie verbunden ist". Die Buchstaben tv haben mit Television nichts zu tun, sie beziehen sich auf die Internet-Domain im Ministaat Tuvalu.

katholisch.de distanziert sich

"Ich möchte mit gloria.tv nicht in Zusammenhang gebracht werden", sagt etwa David Hober, Programmgeschäftsführer bei katholisch.de, dem offiziellen Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland. "Allein die Tonalität passt nicht zu uns."

Seine Mitarbeiter prüften gerade, wie sich gloria.tv ein in seinem Haus produziertes Video einverleiben konnte und wie sich das verhindern lasse. Möglicherweise liegen Urheberrechtsverletzungen vor. Der Bayerische Rundfunk hält "Veröffentlichungen, soweit sie originäre Produktionen des BR betreffen, für rechtswidrig". Auch von ihm wurde ein Beitrag geklaut.

Bei kirche.tv, der Fernseh-Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz, soll demnächst in einer Sitzung besprochen werden, ob gloria.tv weiterhin Beiträge wie den Tagessegen eines hessischen Pfarrers verwenden darf. Er stelle "sehr radikale Tendenzen" fest, sagt Redaktionsleiter Ulrich Fischer. Eine Möglichkeit sei, dem Portal die Übernahme von Inhalten zu untersagen. Diese Maßnahme ergriff zu Beginn dieser Woche die Diözese Würzburg: Das Bistums-Fernsehen kündigte gloria.tv jegliche Zusammenarbeit auf und untersagte der Traditionalisten-Homepage, Beiträge zu übernehmen.

Diese Entscheidung geht nicht zuletzt auf das Betreiben des Würzburger Hochschulpfarrers Burkhard Hose zurück. Der engagierte sich bei "Stoppt kreuz.net", was für einen Geistlichen ungewöhnlich ist, denn die Initiative war vom Berliner Schwulen-Verlag Bruno Gmünder ausgegangen. Pfarrer Hose informierte mehrere kirchliche Institutionen über radikale Auswüchse bei gloria.tv.

Statt "YMCA" singt der Pfarrer "I am not gay"

Auch bei Pfarrer Guido Rodheudt in Herzogenrath bei Aachen ging eine Mail von Hose ein. Einen Tag später war der Link auf gloria.tv auf der Internet-Seite von Rodheudts Pfarrei gelöscht.

Rodheudt ist Sprecher des Netzwerks katholischer Priester (NKP), das auf kreuz.net immer wieder wegen seiner traditionalistischen Ausrichtung gelobt wurde. Und es hatte auf seiner NKP-Homepage einen Liveticker auf kreuz.net. Das deutet auf eine enge Verbindung hin, die Rodheudt beharrlich zurückweist - ohne das Zustandekommen des Livetickers zu erläutern. Auch Fragen nach seinem NKP-Sprecherkollegen Christian Sieberer ignoriert er.

Sieberer ist Pfarrer in Wien und dreht gern Videos, in denen er die Hauptrolle spielt, am liebsten mit Sonnenbrille, Collarkragen und Birett. Mal lästert er über Verhütung, mal propagiert er den Exorzismus - und auch für oder vielmehr gegen Schwule hat er sich einen gespenstischen Gag einfallen lassen: Zum Refrain des Village-People-Liedes "YMCA" singt er "I am not gay" in die Kamera. Und weiter: "Obwohl das politisch nicht korrekt sein mag: Es ist eine Freude so zu leben." Einige der bizarren Videos von Pfarrer Sieberer sind unter seinem Künstlernamen Pfaffenheini selbstverständlich auch auf gloria.tv abrufbar.