Fundamentalistisches Portal "gloria.tv" Es hat sich ausgesegnet

Homophobe Netzaktivisten werden gefeiert, antisemitische Tendenzen goutiert: Das Online-Portal "gloria.tv" hat sich schon so manche Entgleisung erlaubt. Doch erst jetzt, nach einem mehr als geschmacklosen Protest gegen die Pille danach, zieht die Kirche Konsequenzen.

Von Rudolf Neumaier

Das Internet-Portal gloria.tv gibt es in zwei Sprachen. In der deutschen Version wurden mehreren Bischöfen am Montag von der österreichischen Sprecherin der täglichen Nachrichten "Gloria Global" die Leviten gelesen. Diese Bischöfe müssen, wie sie sagte, "die Tötung unschuldiger Menschen durch die Pille danach in katholischen Krankenhäusern persönlich vor Gottes Gericht verantworten".

In der englischen Version raunte die Sprecherin: "In front of god these bishops will be personally responsable." Während aber der österreichische Beitrag mit der Abbildung einer Eizelle illustriert ist, blendet die Redaktion in der englischen Ausgabe die Gesichter der Bischöfe von Mainz, Paderborn, Köln, Essen, Münster und Aachen ein - und stempelt jedes dieser geweihten Häupter mit einem Hakenkreuz.

Dies ist keineswegs die erste Entgleisung des Portals, das sich nach eigenem Bekunden "streng an der katholischen Lehre" orientiert. In seiner Vorgehensweise erinnert es immer häufiger an die Plattform kreuz.net, die von den anonymen Urhebern Anfang Dezember abgeschaltet wurde. Es veröffentlicht sinnentstellte Zitate und feiert homophobe Netzaktivisten mit antisemitischen Tendenzen. Im Diskussionsforum dürfen sich Kommentatoren tummeln, die - wie am Mittwoch ein Autor mit dem Pseudonym Gladium (Schwert) - das "Verbrechen der Empfängsnisverhütung" anprangern. Sie fordern eine vorübergehende Schließung der gynäkologischen Stationen in katholischen Krankenhäusern, bis Rom sich zur Pille danach äußere.

Doch erst jetzt, nach der Hakenkreuz-Attacke auf die Oberhirten, die bei der Bischofskonferenz am Dienstagnachmittag in Trier ankam, zieht die Kirche Konsequenzen. Bislang hatte die Bischofskonferenz stets darauf verwiesen, dass das Portal in Bistümern außerhalb ihres Einflussbereichs produziert werde.

Die Konferenz duldete sogar, dass gloria.tv Tag für Tag einen Beitrag auf seine Seite stellte, der unter der Obhut der deutschen Bischöfe, nämlich von ihrer Arbeitsstelle Katholische Fernseharbeit (AKF), produziert wurde: den Tagessegen des Pfarrers Heinz-Jürgen Förg. Am Mittwochvormittag schickte AKF-Geschäftsführer Ulrich Fischer eine Mail mit einer Untersagungsverfügung an gloria.tv. Wenige Stunden später lag kein Tagessegen mehr auf der Seite. Buße? Reue? Ein Schweizer Pfarrer, der bei gloria.tv mitmischt, lehnte eine Stellungnahme ab.