Der Historiker Saul Friedländer erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für seine Werke über die Verfolgung und Vernichtung der Juden in der NS-Zeit.
Der Historiker Saul Friedländer nimmt zur Stunde in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegen.
Der Historiker Saul Friedländer erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. (© Foto: dpa)
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Friedländer erhält die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für seine Bücher über der Verfolgung und der Vernichtung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Der 75-Jährige ist einer der letzten Zeitzeugen des Völkermordes. Seine Bücher seien "dokumentarisch genau, stilsicher und mitleidend", heißt es in der Begründung der Jury.
Der Holocaust ist Saul Friedländers Lebensthema - privat und beruflich. Seine Eltern wurden ermordet, er selbst überlebte, versteckt unter falschem Namen. Als Historiker veröffentlichte er die umfassendste Darstellung der Vernichtung der europäischen Juden.
"Ich habe mir das Thema nicht ausgesucht, das Thema hat mich gefunden", hatte Friedländer am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse vor der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels gesagt.
16 Jahre arbeite er an seinem opus magnum "Das Dritte Reich und die Juden" mit den beiden Teilen "Die Jahre der Verfolgung 1933-1939" und "Die Jahre der Vernichtung 1939-1945", die auf Deutsch 1998 und 2006 erschienen. Bewusst verzichtete dabei streckenweise auf die wissenschaftliche Distanz.
Den chronologischen Fluss der Ereignisse unterbricht er, um Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Erinnerungen der Opfer einzuflechten. "Ich wollte eine integrierte Gesellschaftsgeschichte schreiben, in der die Opfer nicht nur passive Massen waren", erklärt Friedländer diese Form.
Mit einem doppelten Gefühl aufs Podium
Schon vor dem Festakt in der Paulskirche wusste Friedländer, dass er am Sonntag "mit einem doppelten Gefühl" auf dem Podium stehen wird: Zwar empfinde er die Auszeichnung für seine wissenschaftliche Arbeit als "große Ehre", andererseits sei diese eng verflochten mit der Vernichtung seiner Familie.
"Ich werde dort stehen nicht mit gemischten Gefühlen, sondern mit komplexen Gefühlen." Friedländer wuchs als Sohn deutschsprachiger Eltern in Prag auf, die jüdischen Wurzeln seiner Vorfahren waren nichts als Geschichte.
Als die Deutschen Prag besetzten, floh die Familie nach Frankreich. Als die Wehrmacht dort einmarschierte, brachten ihn seine Eltern in ein katholisches Internat. Sie selbst wurden beim Versuch, in die Schweiz zu fliehen, verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo sie in den Gaskammern umkamen. Pavel, wie Friedländer damals hieß, überlebte unter dem Namen Paul-Henri Ferland als getaufter Katholik in einem christlichen Internat.
Nach Kriegsende konvertierte Friedländer zum Judentum, aus Pavel wurde Saul, 1948 wanderte er nach Israel aus. "Als ich mit 15 nach Israel kam, war ich ein überzeugter Zionist", sagt Friedländer heute.
"Ein Land wie jedes andere"
Später habe er an der israelischen Politik viel auszusetzen gehabt: "Israel hat viele Fehler gemacht." Dennoch fühle er sich "emotional stark gebunden an dieses Land und die Menschen, die dort leben".
Seine beiden Söhne leben in Israel, seine Tochter in Berlin. Sein Verhältnis zu Deutschland beschreibt der 75-Jährige als entspannt: Das Land, in dem seine Eltern ermordet wurden, sei für ihn heute "ein Land wie jedes andere Land".
Nach dem Studium in Tel Aviv und Paris lehrte er in Genf, Tel Aviv und Los Angeles, wo er bis heute überwiegend lebt. Seine Arbeiten schließen Studien ein über die fragwürdige Rolle der Kirchen im Holocaust, über Todeskult und Nazi-Kitsch oder über die Unmöglichkeit, das nationalsozialistische Deutschland als Teil einer "normalen" Geschichtsperiode zu erklären.
Friedländer etablierte den Begriff des "Erlösungsantisemitismus". Er meint damit, dass der Judenhass der Nazis einen pseudoreligiösen Aspekt hatte. Die Nazis erwarteten von der Ermordung der Juden eine Art persönliche Erlösung, das habe sie so skrupellos gemacht.
(dpa)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Lesen Sie eigentlich die Beitrge wirklich unvoreingenommen?
Erstens dürfte klar sein, dass ich mich erstens mit den Naziregime auseinandergesetzt habe und zweitens für dieses Regime nur Verachtung und Abscheu übrig habe.
Wenn ich dann aber lesen muss, dass ich "... zwangsläufig Partei für eben jene, denen wir diese Verbrechen zu verdanken haben ..." Partei ergreife, dann erlauben Sie mir bitte (die Bitte geht auch an diie Redaktion) die Anmerkung, dass das ausgemachter Schwachsinn ist ..."zwangsläufig". Kopfschütteln.
Genau so kann man nicht diskutieren, was mich ja stört. Denkverbote auch im eigenen Kopf sind dumm und reaktionär.
Schade, kräftig daneben, Gunbarrel.
In einigen älteren Kommentaren wird ständig bemängelt, dass Historiker, insbes. solche jüdischen Glaubens, mit zuviel Verbitterung bzw. mit zu wenig Verständnis an die Geschichtsbetrachtung zu Werke gehen.
Was erwartet man eigentlich von den Opfern solcher Barbarei, bzw. ihren Nachfahren. Dass sie sich klammheimlich verdrücken und nicht mehr Aufhebens über die Sache machen?
Ich bin ein lange nach dem Zweiten Weltkrieg geboren worden und sehe für mich folglich keine persönliche Schuld und es ist selbstverständlich sehr schmerzhaft als Deutscher sich mit der Zeit des Dritten Reiches auseinander zu setzten. Wenn man dies jedoch vermeidet, bzw. sich an einer solchen Diskussion stört, so ergreift man ja zwangsläufig Partei für eben jene, denen wir diese Verbrechen zu verdanken haben.
Das kann in niemandes Interesse sein, erst recht nicht im Interesse Deutschlands.
dass Sie sich am öffentlichen Auftritt Saul Friedländers doch nicht stören. Und was das "Betroffenheitsgehabe" anbelangt, so teile ich Ihre Meinung. Zumal ich mich von Friedländers Erinnerungen nicht betroffen fühle. Schließlich waren es ja nicht meine Eltern, die damals umgekommen sind. Freilich finde ich Friedländers Rede eindrucksvoll und schlicht, und ich habe Hochachtung vor dem Mann, der übrigens nicht nur in Frankfurt eine gute Rede gehalten hat, sondern für seine wissenschaftliche Arbeit zurecht ausgezeichnet wurde. Das Schicksal seiner Eltern wiederum ist Wert erinnert zu werden. Die Erinnerung an die Opfer ist meines Erachtens eine menschliche Tugend, die auch bei gewöhnlichen Kriminalverbrechen viel zu oft zu kurz kommt.
Warum unterstellen Sie mir, dass ich Saul Friedländer irgend etwas verbieten wollte. Das habe ich nicht getan und das tue ich nicht.
Schlicht und einfach ein Frage habe ich in den Raum gestellt. 'Wie lange noch?' müssen sich mein Sohn und mein Enkel für das - von mir völlig unbestrittene - Unrecht der Nazis schämen?
Das Gutmenschentum und Betroffenheitsgehabe (das ich Ihnen nicht unterstelle) nervt mich, wenn man bspw. gleichzeitig unwidersprochen eine Vorverurteilung eines jungen Fußballspielers hinnimmt. Auch die letzte Bemerkung ist nicht auf Sie persönlich gemünzt.
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