Von Sonja Zekri

Nach dreißig Jahren Emanzipation stellen moderne Paare fest: Der kleine Unterschied ist größer, als sie dachten. Und überhaupt wäre in Sachen Beziehung alles viel einfacher, wenn man eine Wühlmaus wäre.

Feminismus war gestern, Patriarchat vorgestern. Heute begegnen sich Männer und Frauen auf Augenhöhe. Oder etwa nicht? In der Politik, im Job und in den Medien kehrt der Geschlechterkampf unter neuen Vorzeichen zurück.

Kuss, dpa

Sie könnten so schön sein, wenn sie nicht so schwierig wären: Beziehungen. (© Foto: dpa)

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Eine Artikelreihe erkundet das aktuelle Krisengebiet: Wie segensreich ist die Quote in der Politik? Wie viele Männerbilder kennt die Wissenschaft? Warum werden junge Paare plötzlich konservativer als ihre Eltern? Der erste Beitrag untersucht moderne Beziehungen zwischen therapeutischer Dauerberieselung, Selbsterfindung und Evolution.

Wühlmaus-Monogamie

Man müsste eine Präriewühlmaus sein, dann wäre alles leichter. Folgendes geschieht, wenn in den waldmeistergrünen Hügeln Nordamerikas der Präriewühlmaus-Boy das Präriewühlmaus-Girl trifft: Nachdem beide ein Eis essen oder im Kino waren und er ihr seine Gefühle gestanden hat, kommen sie zügig zur Sache.

Einen Tag und eine Nacht lang paart sich das Mäusepaar, schätzungsweise zwei Dutzend Mal. Danach ist beiden klar: Sie bleiben ein Leben lang zusammen. Im Liebesrausch haben die Maus-Gehirne zwei jeweils unterschiedliche Stoffe ausgeschüttet, die das Paar auf ewig gegen alle Versuchungen immunisieren.

Die Natur hat dem Kleinsäuger geschenkt, was der Mensch seit der Erfindung des Faustkeils bis zum Streit um die Vaterschaftstests fordert: die Monogamie. Keine Untreue, keine Eifersucht, kein Zweifel, ob der Richtige wirklich der Richtige ist - nur Glück.

Keine Chance gegen die Gene

In jüngster Zeit werden Partnerschaften wieder verstärkt unter präriewühlmaushaften Maßstäben betrachtet. Wie Mann und Frau zueinander finden, nach welchen Regeln sie zusammen leben und woran sie scheitern - diese Fragen werden nach Jahrzehnten fein ziselierter soziologischer Debatten, nach Frauenliteratur und Männerstudien, nach Carrie Bradshaw und Gleichstellungsauflagen zusehends als evolutionäre Unausweichlichkeiten diskutiert: Alles Natur, alles schon festgelegt in irgendeinem Gen-Krümel, wer jagt, wer sammelt, wer Geld ranschafft, wer wen abschleppt.

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