Frauen haben ja schon einiges erreicht. "Es ist schön, dass wir inzwischen arbeiten gehen dürfen, ohne den Ehemann zu fragen", schreibt Iris Radisch, Literaturkritikerin und langjähriges Mitglied im Literarischen Quartett, süffisant. "Es ist auch schön, dass wir als Mütter arbeiten dürfen, weil wirklich ab und zu ein Kindergartenplatz bis 12.30 Uhr zur Verfügung steht. Danke, vielen Dank. Nicht zu vergessen sei auch das passive und aktive Wahlrecht, wahrlich viele tausend Jahre keine Selbstverständlichkeit, wir wissen das fraglos zu schätzen. Und ein besonders großes Dankeschön vor allem dafür, dass wir zur Schule gehen und sogar seit ein paar kurzen Jahren in der jahrtausendealten Geschichte der männlichen Kultur studieren, malen, schreiben, komponieren und publizieren dürfen. Das alles ist ein großes Geschenk der Männer an uns Frauen, an dem nicht herumgenörgelt werden soll. Danke für alles."

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Und nun? Die alten Herren, die Väter des Patriarchats, sterben zwar langsam aus, und ja, es kommt auf die Leistung an, zumindest vordergründig. Die Gesetze seien von offensichtlicher Diskriminierung befreit, konstatiert Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt, nur um dann festzustellen: Wie die Frauen "es drehen und wenden, sie werden vom Kind her definiert".

Haben sie keins, dann sind sie karrieregeil. Machen sie es wie die Männer, sind sie machtbesessen. Sind sie "feminin", wird ihnen mangelnde Führungsqualität bescheinigt. Selbst da, wo sie die Macht erstritten haben, mit Gewalt, auch mit Terror, wird sie ihnen noch abgesprochen. Jutta Ditfurth fordert diese Macht denn auch ein für Ulrike Meinhof, aus der "patriarchalische Mythen" eine kleine, brave Hausfrau machen wollen, die irgendwie aus Versehen hineingeraten sei ins Terroristenmilieu.

Von der Sorge um die Welt

Nun: Viele der Frauen sind dennoch zufrieden mit dem, was bisher erreicht wurde. Aber kaum eine ist ganz glücklich. Irgendwann sind sie alle zwar durch die berüchtigte "glass ceiling" gestoßen, die unsichtbare gläserne Decke, an der so viele andere Frauen hängenbleiben - was diese aber meist erst merken, wenn sie jenseits der Dreißig sind. Sie, die es geschafft haben, finden dahinter die undurchdringlichen Networks der Männer vor, hören manchmal das leise Geraune auf dem Flur, ertragen kleine Sticheleien und größere Beleidigungen.

Sie schlagen sich mit alten Rollenklischees herum und mit dem kleinen, feinen Unterschied zwischen de jure und de facto. Sie berichten vom Exoten-Bonus und vom Pascha-Gehabe an den Universitäten und in den Professionen. Und sie machen es den Männern leicht, indem sie zu viel an sich selbst zweifeln.

"Auf der obersten Führungsebene", schreibt Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für die Unterlagen der Stasi, über ihre Behörde, "sind Männer überrepräsentiert - wie so oft in deutschen Ämtern." Und: "Den Satz: ,Ich weiß nicht, ob ich mir das zutraue, habe ich noch nie von einem Mann gehört." Viele Frauen klagen außerdem über das eifernde Gezicke vieler Geschlechtsgenossinnen, die sich keineswegs besonders solidarisch zeigten in männlichen Herrschaftsräumen.

Beobachtungen dieser Art werden vielleicht durch mehrere Studien ergänzt, die festgestellt haben, dass Frauen umso unglücklicher werden, je erfolgreicher sie sind. Weltweit. Oft, weil sie sich zu viel vornehmen. Einst ging es um die Sorge um das Heim. Jetzt ist die Welt noch dazugekommen.

Warum wollt ihr die Macht überhaupt, fragen manche Männer. Und was wollt ihr mit ihr? Sie ist nichts, die Macht, sie macht höchstens krank, dick und Magengeschwüre. Das mag sein. Aber man muss sie erst einmal ausprobieren können, um sich denn vielleicht gegen sie zu entscheiden.

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  1. Danke für die Blumen
  2. Sie lesen jetzt Ich weiß nicht, ob ich mir das zutraue
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(SZ vom 23.09.2009/rus)