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Fotografie: Sowjetische Architektur – Der schmutzige Traum
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Der französische Fotojournalist Frédéric Chaubin hat sich als architektonisches Trüffelschwein mehrere Jahre auf die Suche nach solchen Bauten im ehemaligen Sowjetreich begeben. Und was er dabei gefunden hat, ergibt eine köstliche Sammlung wild wuchernder Architekturphantasien, die er jetzt in einer großen Ausstellung "CCCP - Cosmic Communist Constructions Photographed" im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe präsentiert. Vor allem runde Formen beherrschen die Entwürfe der Architekten zwischen Tallinn und Tiflis. Als wäre im Diktat von Ordnung und rechtem Winkel die geschwungene Linie ein schmutziger Traum, in dem alle unterdrückten Sehnsüchte hervorbrechen, nimmt sich das expressive Vokabular plötzlich alle Freiheiten - sogar die, beim Klassenfeind zu lernen.
Die dynamische Leichtigkeit von Eero Saarinen findet sich ebenso adaptiert wie die Form- und Material-Collagen Alvar Aaltos, Frank Lloyd Wrights Guggenheim-Schwünge hinterließen ebenso Spuren wie Philip Johnsons Formexperimente. Und doch verwandelten die Baumeister des Ostblocks dieses konspirative Wissen in einen eigenen sowjetischen Stil. Wuchtiger sind ihre Linien, kraftstrotzender ihre Gesten, und vor allem verbinden sie die Vorbilder aus dem Westen und die gelegentlichen Anleihen beim hauseigenen Suprematismus der Vor-Stalin-Ära mit Elementen der übrig gebliebenen Regionalkultur. So entstehen in dieser subversiven Sowjet-Avantgarde bizarre Mischformen aus Skulptur und Ornament, teilweise sogar in den monströsen Größen, die der staatliche Repräsentationswille verlangte.
Bild: Taschen Verlag/Frédéric Chaubin4. Februar 2011, 13:56 2011-02-04 13:56:41
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