Fotografie Nomads Land

(Foto: Dieter Seitz/Hatje Cantz Verlag)

Kasachstan wird seit seiner Gründung von Diktator Nursultan Nasarbajew regiert. Was das bedeutet, zeigt Dieter Seitz in einem liebevoll abgründigen Bildband.

Von Sonja Zekri

Gut, eigenwillige Herrscher finden sich nicht nur in Asien. Aber hier, zumal in Mittelasien, ist die Dichte der Endlos-Diktatoren mit fatalem Familiensinn doch auffällig. Kasachstan etwa wird seit dem Ende der Sowjetunion von Nursultan Nasarbajew regiert, und was das für ein Land bedeutet, kann man in Dieter Seitz' liebevoll abgründigem Bildband "Nomads Land - The Kazakhstan Projekt" (Hatje Cantz Verlag, Berlin 2017, 40 Euro) ablesen. Von 2009 bis 2016 ist Seitz von der Küste bis zum Altai-Gebirge gereist und hat den Zauber eines Landes eingefangen, das hierzulande selbst zwölf Jahre nach dem Film "Borat" nur wenige kennen. Auffällig sind, erstens, die vielen Tiere: Falken, Kamele, Pferde, auch eine Wildkatze (unser Bild aus Temirtau, 2015), was kein Wunder ist für eine ehemalige Nomadengesellschaft, die trotz erbarmungsloser sowjetischer Urbanisierung Jurte und Jagd treu geblieben ist. Auffällig sind, zweitens, die regelmäßig anzutreffenden Lenin-Köpfe. Drittens überwältigt, was man anderenorts "eine Menge Gegend" nennen würde: eine grenzenlose, geradezu soghafte Weite. Ansonsten zeigt sich Kasachstan als Land mit unbeirrbarem Willen zur Schönheit, und dass diese mal in Plastikrehen, mal in goldgesäumten Garagentoren ihren Ausdruck findet, zeugt von Offenheit, ja, Größe. Es findet sich, zugegeben, auch die eine oder andere Industrie-Ruine, allertristeste Plattenbauten und Baustellen. Aber davor leuchten fast immer Zäune mit Panoramen prächtiger Natur oder zumindest ein paar Kamelen.