Nach dem mit großem Interesse aufgenommenen TV- Zweiteiler "Contergan" will die Leitung der Pharma-Firma Grünenthal offensichtlich auf die Arzneimittel-Geschädigten zugehen.

Der TV-Erfolg "Contergan" leitet das Umdenken bei Grünenthal ein. Der Geschäftsführende Gesellschafter Sebastian Wirtz erklärte sich grundsätzlich zu einem Treffen mit Contergan-Opfern bereit. Der Rahmen müsse aber "angemessen" sein, also ohne Medien, sagte der 37-jährige Firmenchef - Enkel des Grünenthal-Gründers - der Aachener Zeitung und den Aachener Nachrichten.

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In der durch die ARD-Produktion ausgelösten Debatte über eine Entschädigung für Contergan-Opfer hatte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zuvor Gespräche zwischen Grünenthal und Betroffenen angeregt. Der Firmenchef betonte, Überlegungen zu einer weiteren finanziellen Unterstützung der Geschädigten gebe es "derzeit" nicht.

Wirtz sagte den beiden Regionalzeitungen, er habe "Riesenrespekt" vor den Menschen, die durch das von Grünenthal 1957 auf den Markt gebrachte Schlafmittel geschädigt wurden. "Es tut mir furchtbar leid, was ihnen passiert ist." Die Zeit sei reif, bei diesem sensiblen Thema "das auszudrücken, was man empfindet".

Bei der Gründung der Stiftung für die Opfer vor 35 Jahren habe man nicht erkennen können, dass das Geld nicht ausreichen werde. Dies sei aber heute überdeutlich. Deshalb könne er an dieser Stelle die Klagen der Contergan-Geschädigten ""ehr gut verstehen". Seine Familie und die Firma trügen keine moralische Schuld an der Tragödie, aber eine moralische Verantwortung.

Das heute rund 4800 Beschäftigte zählende Unternehmen sehe sich zwar in der Verantwortung, sei aber für die von Betroffenen-Verbänden geforderten höheren Rentenzahlungen nicht zuständig, hatte Wirtz zuvor der Bild-Zeitung gesagt.

"Viele Spätschäden weit über die Behinderung hinaus waren bei Abschluss des Vergleichs noch nicht absehbar", sagte Ministerin Schmidt den Ruhr Nachrichten (Freitag). Zur Frage, ob die monatlich maximal 545 Euro betragende Entschädigung nicht erhöht werden müsse, räumte sie ein: "Es besteht das Problem, dass mit dem Vergleich und der Stiftung damals die Frage der Entschädigung rechtlich abschließend geregelt worden ist."

Das Schlafmittel Contergan mit dem Wirkstoff Thalidomid war am 1. Oktober 1957 von Grünenthal auf den Markt gebracht worden und versprach werdenden Müttern eine ruhige Nacht. Das lange rezeptfrei erhältliche Mittel löste einen der größten Medizinskandale aus.

Weltweit kamen 10 000 Kinder zum Teil schwer fehlgebildet zur Welt, oft fehlten Arme oder Beine. Von bundesweit geschätzten 5000 Betroffenen leben noch etwa 2700. Grünenthal hatte sich verpflichtet, 100 Millionen Mark (heute 51,13 Millionen Euro) plus Zinsen von mehr als 10 Millionen Mark für die Opfer in eine 1971 gegründete Stiftung einzuzahlen. In diese brachte der Bund 100 Millionen Mark ein.

Das große Interesse für den ARD-Zweiteiler "Contergan" hielt auch am Donnerstagabend an. Den zweiten Teil mit dem Untertitel "Der Prozess" sahen nach Senderangaben 6,85 Millionen Menschen (21,2 Prozent Marktanteil) und damit fast so viele wie den ersten Teil am Vorabend (7,27 Millionen). Anschließend verfolgten 5,76 Millionen (19,5 Prozent) die 30-minütige Dokumentation "Contergan", in der Betroffene zu Wort kamen.

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(dpa/grc)