Mit einer Ménage-à-trois durch die Krise: Helmut Markwort will "bis zum Ende" bleiben und der Focus soll sich wandeln.
Sie hatten Namen, die jedem Philologen gefallen würden: "Alpha", "Omega"und "Ypsilon". So hießen die drei redaktionellen Arbeitsgruppen, die sich um die Zukunft eines offenbar gar nicht mehr so modernen Nachrichtenmagazins Gedanken machen sollten, um Focus. Es ging bei dieser "Initiative Z" um leichte Korrekturen, um mehr journalistische Lang-Formate à la Spiegel oder gleich um ein gänzlich neues Heft.
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Helmut Markwort, Gründer und Übervater des Focus, will sich die Zeitschrift nicht madig machen lassen. (© Foto: dpa)
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Jetzt ist die Antwort heraus: Das gesuchte Zukunftskonzept wird eine Mischung aus allem, eine publizistische Ménage-à-trois . Gründer und Übervater Helmut Markwort, 72, setzt mit Chefredakteur Uli Baur, 53, auf eine "Best-of-Gruppe": Sie werde die "sehr schönen Ergebnisse der bisherigen drei Gruppen kombinieren", erklärt Focus-Sprecherin Cornelia Tiller. Mit "Best of" verbindet der normale Landsmann die Zusammenstellung von Hits auf CDs, doch nun sucht ein gutes Dutzend Journalisten des Hauses Hubert Burda mit dieser Formel nach einer marktgängigen Themen-Kombination.
Passé ist der Status der fetten Cashcow
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll die Crew, die offenbar in ein Burda-Verlagsobjekt in der feinen Münchner Prinzregentenstraße ausgelagert wird, am ersten September-Wochenende den großen Plan vorlegen. Bei Gefallen wäre dann Anfang 2010 Vollzug. Die "Best-of-Gruppe" werde im September Markwort und Baur ihre Arbeit präsentieren, so Sprecherin Tiller. Vermutlich wird auch Geschäftsführer Frank-Michael Müller am Ende mitreden.
Im Kampf der Zeitschriften gegen Auflagen- und Anzeigenschwund hatte Focus in letzter Zeit Kraft gelassen. Die Auflage, ehedem eher an der Marke von 800.000 Exemplaren orientiert, ist im zweiten Quartal bei nur gut 656.000 gelandet. Angebote wie das aktuelle Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel finden in der öffentlichen Wahrnehmung ebenso wenig Widerhall wie die am vorvergangenen Wochenende mit Bezug auf "Parteikreise" platzierte Meldung, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt werde "keinesfalls" ins Wahlkampfteam des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier einrücken. Am Tag, als Focus erschien, war sie schon zwei Tage dabei.
Schon seit längerer Zeit ist Markworts Mischung, die er Ende Januar 1993 gegen alle Skepsis und Häme in die Republik brachte, den Status der fetten Cashcow bei Burda los. Die Rolle übernahm Bunte, die mit ihren Exklusiv-Meldungen über das Paarverhalten deutscher Voll- und Halbprominenter auch die Themenagenda besser beeinflusst. Im Markt der Nachrichtenmagazine wiederum hat inzwischen der Spiegel mit harten Geschichten wieder Erfolg. Ex-Chefredakteur Stefan Aust entwickelt jetzt wohl für den Konzern der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, allen Dementis zum Trotz, ein Newsmagazin, das zwischen Spiegel und Stern auf Leserjagd gehen und in Berlin verlegt werden könnte.
Ein Herz für die Zeitschrift
In dieser Gemengelage muss sich Markwort etwas einfallen lassen - und sei es nur, die Kleinarbeit mit Kästchen und Grafiken zu drosseln. "Wir kommentieren die Ergebnisse erst, wenn sie vorliegen", erklärt Focus-Frau Tiller.
Helmut Markwort, so der Stand der Dinge, kämpft um sein Lebenswerk. Viele Journale, wie Ein Herz für Tiere, hat er entworfen; beim privaten Hörfunk hatte er mit Beteiligungen den richtigen Riecher. Da will er sich Focus nicht madig machen lassen. Den harten Sparkurs des Verlags hat er ertragen, der vielbeschworene Generationenwechsel ist bisher an ihm vorbeigezogen. Dass womöglich Focus-Büros in Leipzig und Stuttgart schließen und das Hamburger Büro mit dem Berliner verwächst, ist noch ein Gerücht. Eine Bestätigung gibt es nicht.
Er werde "bis zum Ende" bleiben, soll Markwort intern erklärt haben. Er sage dazu, was er immer geantwortet habe, erklärt die Sprecherin: "Er wird seinen Vertrag bis Dezember 2010 erfüllen."
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(SZ vom 19.08.2009/jeder)
Unnütze Hygienemaßnahmen
war der Focus eine dröge Illustrierte die auf Ihren Titelseiten mit den "Best of" 10 günstigsten Krankenversicherungen, den 10 besten Hochschulen oder den 10 besten Herz
chirurgen warb. Dazwischen viel Werbung und ein wengi schlecht recherchiertes Geschwätz. Das Ebenbild unserer privaten Fernsehsender als Printmedium. Immer mehr
Leute schalten deshalb die Glotze garnicht mehr an und nutzen sie nur noch als Abspiel-
medium für Videos und den "Focus" haben sie abbestellt. Guten Ruhestand Herr Mark-
wort.
Im Markt der Nachrichtenmagazine wiederum hat inzwischen der Spiegel mit harten Geschichten wieder Erfolg.
Harte Geschichten, nun ja. Es kommt wohl darauf an, was man darunter versteht.
Seitdem Burda drin steckt, obwohl Focus draufsteht, schlagen die hausinternen Medienwächter erbarmungslos zu. Bei Focus werden Kommentare unter Hinweis auf die "Netiquette" abgelehnt, die so harmlos sind, wie "Peterchens Mondfahrt" im Kinderprogramm. Nur, sie entsprechen eben mal nicht der hausinternen Meinung des Focus. Bei keiner Postille wird so knallhart und häufig Zensur geübt, wie bei Focus. Und der Inhalt dieses Blattes ist schon lange nicht mehr das, was er am Anfang war. Wenn es Focus nicht mehr geben sollte, wird dies kaum auffallen. Ich jedenfalls werde ihn nicht vermissen.
die werden doch nicht etwa inhalte bringen statt tortengrafiken?
ich will meine sinnlosen tortengrafiken zwischen der werbung nicht vermissen!
..... Herr Markwort ist der Müllkutscher
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