Zu viel verbindet die beiden Kämpen, die sich vor mehr als vier Dekaden gefunden hatten. Der eine war das belesene Nesthäkchen einer badischen Druckerdynastie, der sich im Kampf mit zwei weniger intellektuellen Brüdern bewähren musste. Der andere: ein Theaterfreund aus Darmstadt, der Journalismus als Schaubühne entdeckte.

Anzeige

Zusammen fummelten sie 1967 Bild + Funk zur "kritischen Programmzeitschrift" um. "Freiheit" sei sein Wort gewesen, erklärte Markwort und trat der FDP ein. Als er freilich Redaktionsstatut plus Betriebsrat wollte, war Schluss. "Sie wollen mir meinen Laden wegnehmen", tobte Eigentümer Franz Burda. Markwort wurde beurlaubt.

Hubert Burda fand später, der Freund sei dem Vater zu ähnlich. Der Junior machte seinen Weg im Familienunternehmen und übernahm nach dem Tod des Patriarchen 1987 den Verlag. Markwort wiederum reüssierte bei Gong, gründete Objekte wie Ein Herz für Tiere und beteiligte sich an Privatradios. Als er 50 wurde, fragte ihn Burda, was er machen wolle - na klar, ein Nachrichtenmagazin, und zwar montags. Da war er wieder, der große Traum, die Welt aus den Angeln zu heben. Zwei gegen den Rest der Welt.

1993 kam Focus, das konservative Pendant zum Spiegel, an die Kioske und wurde zum Hit bei Anzeigenkunden. Hubert Burda, der ambitionierte Erbe, der mit der Boulevardzeitung Super gescheitert war, fühlte sich im Glück. Er war nicht mehr das "Schwarzwald-Springerle" oder der "Rheumadecken-Verleger" (Zeit-Verleger Gerd Bucerius) und schwärmte von der neuronalen Ästhetik seiner Kreation. "You made me rich", lobte er Markwort. Inzwischen muss Burda aufpassen, dass er eines Tages nicht sagt: "You made me poor".

Die Zeiten, in denen Focus satte Gewinne abwarf, sind längst vorbei - schon das strapaziert eine Freundschaft. Interne Planungen für 2010 sehen offenbar vor, dass bei einem Heftumfang von nur 100 bis 120 Seiten rund 20 bis 25 bezahlte Anzeigenseiten zu finden sind. Das neue Konzept, das Mit-Chefredakteur Uli Baur und zweimal Markwort himself bei Media-Agenturen präsentierten, löste alles andere als ein Erdbeben aus. Die Agenturen seien "sehr angetan" gewesen, so die Focus-Sprecherin. Um die Bilanz im Rahmen zu halten, sind zahlreiche Stellen in der Redaktion weggefallen, weitere werden folgen.

Hier kann womöglich nur ein wirklicher Neustart helfen - den der designierte Chefredakteur Weimer seit Wochen plant. Er will das Magazin Focus, das in Politik und Wirtschaft wegen seines bemühten Verbraucherjournalismus nur müde belächelt wird, zum ernstzunehmenden Debattenheft machen. Das Kunststück soll mit bekannten Fremdautoren gelingen. Nicht auszuschließen, dass Weimer an prominenter Stelle die Leser per Kolumne beglücken will.

Doch Markwort erklärte bereits, er schreibe seine Kolumne, sein "Tagebuch", weiter: "Vielleicht mögen es die Chefredakteure ja, die auch schreiben wollen." Zur Focus-Reform führte er aus: "Herr Weimer darf sich freuen, wenn er ein modernes Heft übernehmen kann." Natürlich könne der Nachfolger "noch zusätzliche Akzente setzen".

Von einem eleganten Übergang bei Focus, wie ihn der journalistische Aristokrat Burda schätzt, kann keine Rede sein. Es knirscht - und mancher zweifelt, ob es klug war, zum 15. Focus-Jubiläum Anfang 2008 den Vertrag des Gründers bis Ende 2010 verlängert zu haben.

Solche Fragen werden sich selbst am großen Verlegergeburtstag nicht vermeiden lassen.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Das Endspiel
  2. Sie lesen jetzt Zwei gegen den Rest der Welt
Leser empfehlen 

(SZ vom 12.01.2010/iko)