"Fluch der Karibik" im Kino Johnny Depps Dukaten-Desaster

Die "Pirates of the Caribbean" stechen zum fünften Mal in See. Auch privat kann Hauptdarsteller Depp es kaum ablehnen, wieder den Captain Sparrow zu geben.

Von Susan Vahabzadeh

Captain Sparrows wundersame Piratenwelt hat etwas ungemein Tröstliches - wenigstens ist hier nichts endgültig, nicht einmal der Tod. Die Filmreihe um die "Pirates of the Caribbean" , eigentlicher ein verfilmtes Karussell aus einem Disney-Park, gibt es nun schon seit vierzehn Jahren. Mit "Pirates of the Caribbean: Salazars Rache" stechen sie jetzt jedenfalls zum fünften Mal in See, und man kann sich in dem Labyrinth der Plots der vier ersten Filme schon einmal verlieren. Zumal eben eine ganze Reihe zentraler Figuren irgendwann mal tot waren, Gefangene auf Sklavenschiffen der Unterwelt, Geister. Die Piraten gehen in verschiedenen Aggregat- und Existenz-Zuständen ein und aus, wie ein Rudel von Schrödinger-Katzen.

Man hätte insofern erwarten können, dass es gar keine folgenden Generationen braucht, denn warum sollten solche Gestalten altern? Und mit den Mitteln heutiger Technik könnte man Keira Knightley mühelos in einen Teenager zurückverwandeln, und wenn sie gerade wichtigere Dinge zu drehen hätte, müsste sie dafür nicht mal ans Set kommen. Es geht dann trotzdem um ihren Sohn und um ein Mädchen, das keine Eltern mehr hat. Henry hat schon als Kind herausgefunden, in welcher Vorhölle sein Vater Will (Orlando Bloom) gelandet ist, und nun, als Erwachsener, will er unbedingt einen geheimnisvollen Dreizack auftreiben, der der von Poseidon sein soll und magische Kräfte besitzt. Mit dem könnte er den Fluch aufheben, der Will zum Zombie macht.

Henry (Brenton Thwaites) ist dann nicht der Einzige, der nach dem sagenhaften Ding sucht - da ist auch noch die Astronomin Carina (Kaya Scodelario), die ihres unmädchenhaften Wissenschatzes wegen als Hexe verfolgt wird. Henry hat auf einem Schiff angeheuert, das in einen Hinterhalt gelockt wird, dort wartet der Piratenjäger Salazar (Javier Bardem). Er ist mit seiner Mannschaft untergegangen, in einer Felsspalte, wo sie nun als Zombies auf dem Boot bleiben müssen, noch ein bisschen verwester und verstümmelter als die Besatzung der "Flying Dutchman", die schon durch die anderen Piratenfilme spukte. Nur Henry lässt er am Leben, denn er will den Dreizack. Und den will auch der einbeinige Captain Barbossa (Geoffrey Rush), derzeit eher lebendig, aber nicht mehr lang, sollte er nicht Salazar besänftigen. Und keiner von ihnen kann es wirklich schaffen, ohne den magischen Kompass und den ewig benebelten Captain Sparrow (Johnny Depp), der durchs Leben taumelt und dabei doch immer auf den Füßen landet.

Es gibt ein paar sehr schöne Szenen, beispielsweise jene, in der Sparrow nicht etwa eine Bank ausraubt, sondern eine Bank raubt - das ganze Ding. Auch das ist so eine Gelegenheit, bei der er betrunken mit einer Dame herummacht und dann wider jede Wahrscheinlichkeit heil aus einem Desaster herauskommt - bloß Geld springt dabei nicht für ihn heraus. Das ist alles herrlich anzusehen, und der Plot ist sogar ein wenig sinnvoller als der der mittleren Filme der Reihe. Aber er ist auch ein bisschen egal. Es ging in dieser Reihe immer mehr ums Achterbahnfahren als um Geschichten und sinnvolle Dramaturgie - man genießt, was man sieht. Zum Grübeln sind die Piraten nicht gemacht. Man muss sie nur mögen können.