Was er sich am Sonntagabend erhofft? Einen Oscar natürlich. Und vielleicht ein wenig Inspiration. ,,Manchmal hört man ja, dass Leute sagen: ,Ich habe den und den getroffen, und das war super enttäuschend.' Ginge man davon aus, dass diese Leute Wesen einer höheren Art sind, wäre man enttäuscht. Mir geht es aber wirklich nicht so. Ich habe Ehrfurcht vor großen Schauspielern, aber wenn ich Ulrich Mühe gegenübertrete, habe ich genauso viel Ehrfurcht wie vor Tom Hanks. Es geht nicht darum, ob jemand auf etwas größeren Plakaten abgebildet wird, sondern darum, ob er etwas in mir bewegen kann. Das kann Tom Hanks schon.''

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Leicht ist er aber nicht zu beeindrucken, die Umgebung fühlt sich nicht neu und ungewohnt an für ihn. Er hatte vorher schon Kontakt zu den großen Studios - wegen des Shocking Shorts Awards, den er für ,,Dobermann'' gewonnen hatte als Filmhochschüler, für den hatte ihn das Studio Universal nach Los Angeles eingeladen. ,,Ich habe jetzt einige Leute wiedergetroffen, die ich damals kennengelernt habe. So viele Leute sind das ja gar nicht, die da arbeiten. Es kam mir nicht vor wie eine andere Welt.''

Kreative Klausuren

Ein Filmemacher, der nichts dem Zufall überlässt - fast schon beängstigend, wie gründlich und detailversessen er sich in die Materie einarbeitet, wie er Konzepte entwickelt, ästhetische Reflexionen durchspielt, mit seinen Mitarbeitern das Dekor festlegt oder die Kameraeinstellungen: Als er zur Vorbereitung Fotobände aus der DDR studierte, bemerkte er die Abwesenheit von Rot-Tönen, und auch wenn man das Fehlen dieser Farben in ,,Das Leben der Anderen'' nicht bewusst wahrnimmt - man spürt, welche Auswirkungen es hat auf die Stimmung, die Lebensqualität in diesem Land.

Die professionellen Standards können gar nicht hoch genug sein, die Donnersmarck sich setzt - es ist, als wollte er im Alleingang den klassischen Hollywood-Studiobetrieb wieder aufleben lassen, Jahrzehnte nach dessen Zusammenbruch, und in einem Land, das solche Produktionsbedingungen überhaupt nie gekannt hat.

Er ist eine doppelgesichtige Konstruktion, der Einzelkämpfer, der nicht ganz frei ist von elitären Anflügen, und der sich doch immer wieder in die Gemeinschaft der Mitarbeiter einfügt und sich wirklich wohlfühlt dort. Der nie verbirgt, dass er sich als die dominierende Figur sieht, und doch sehr gut zuhören kann. Problemlos kann er hin- und herschalten zwischen Konzentration und Kommunikation, zwischen Besessenheit und Spontaneität, kann sich wochenlang in seine Arbeit versenken.

Wobei er dann die Welt um sich herum vergisst - sodass schon mal der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand, weil er fällige Rechnungen ungeöffnet in die Schublade steckte, sich nicht die Zeit nahm, sein Leben zu regeln. Aber schnell kann er auch aus dieser selbst auferlegten kreativen Klausur wieder auftauchen und mit eben dieser Welt seine Arbeit diskutieren, verteidigen, sich neu begeistern und inspirieren lassen. Oswald und Rablen, die beiden Ökonomen mit der Nobelpreisträger-Studie, sind übrigens zu dem Schluss gekommen, dass die untersuchten Sieger nicht deswegen länger lebten, weil der Sieg ihnen Ruhm und Geld brachte - sondern weil sie besessene Denker waren.

Besessen ist Florian Henckel von Donnersmarck auf jeden Fall. Und wie die Chancen auch stehen, bis zum Sonntagabend setzt er auf Sieg. ,, Ich bin nicht so einer, der sagt: Dabeisein ist alles. Das ist nicht meine Philosophie. Wenn ich dahin gehe, will ich auch gewinnen.''

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(SZ vom 23.2.2007)