Flops im Blockbuster-Kino Das Blockbuster-Imperium schlägt zurück

Eine andere Theorie: Viele der Filme in diesem Jahr seien einfach schlecht und nicht innovativ genug. Riesige Aliens, eine verlassene Erde, das Weiße Haus in Trümmern - hat man alles schon gesehen. Und sie seien zu teuer. Warum kostet ein Film wie "Lone Ranger" 250 Millionen Dollar? Der Komiker John Oliver vermutet: "Die Hälfte davon ist für das Make-up von Johnny Depp draufgegangen." Regisseur Steven Soderbergh, dessen Film "Behind the Candelabra" nicht im Kino, sondern auf dem Pay-TV-Kanal HBO lief, sagt: "Das Kino, wie ich es kenne, wird von den Studios angegriffen." Er vergleicht die Situation der Studios mit der von "Detroit vor dem Rettungspaket." Mittlerweile ist Detroit pleite.

Für derart fatalistische Aussagen ist es noch zu früh. Zum einen gibt es die Möglichkeit, dass mancher Film die Produktionskosten in Europa oder Asien einspielt. Zum anderen gab es immer noch viele erfolgreiche Filme. Die lassen sich grob in zwei Kategorien unterteilen: die Fortsetzung erfolgreicher Projekte wie etwa die Zeichentrickfilme "Monsters University" (256 Millionen Umsatz in den USA) und "Despicable Me 2" (276 Millionen) oder Superhelden-Streifen wie "Iron Man 3" (407 Millionen) und "Man of Steel" (285 Millionen). Dazu gibt es Low-Budget-Horror-Überraschungen wie "The Conjuring" (41 Millionen am Starwochenende bei 13 Millionen Produktionskosten) und "The Purge" (64 Millionen bei Kosten von drei Millionen).

Warum denn gleich sterben

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"Die Bruchlandungen werden für einen Wechsel der Paradigmen sorgen", prognostiziert Spielberg. Kollege Soderbergh allerdings befürchtet, dass dieser Wechsel nicht dafür sorgen werde, dass innovative Filme für Nischenpublikum oder unabhängige Produktionen gefördert würden. Im Gegenteil: Die Hegemonie der Blockbuster sei "eine Flugbahn, die sich nur schwer umkehren lässt." Die Konzentration werde nur noch stärker werden, die Risikobereitschaft der Studios weiter sinken.

Diese Befürchtung wird durch die Ankündigung der Blockbuster für 2014 genährt, es gibt vor allem Superhelden-Filme und Fortsetzungen: "Amazing Spider-Man 2", "The Expendables 3", "Transformers 4", "The Fast and The Furious 7". Für 2015 sind bereits zwei Mega-Blockbuster angekündigt: der siebte Teil der Star-Wars-Saga und das Aufeinandertreffen von Batman und Superman. Zusammengefasst: Heiliges Kryptonit, das Blockbuster-Imperium schlägt zurück.

Noch ist der Sommer nicht vorbei. In der kommenden Woche kommt "Elysium" in die Kinos, ein Science-Fiction-Kracher mit einem Budget von mehr als 110 Millionen Dollar. Wer derzeit durch Los Angeles spaziert, der kann durchaus paranoid werden und glauben, von Hauptdarsteller Matt Damon verfolgt zu werden: Er ist auf der Titelseite zahlreicher Zeitschriften, er tritt in Fernsehsendungen auf, die Stadt ist zugepflastert mit martialischen Plakaten. Es sieht indes nicht aus wie die hoffnungsfrohe Werbung für einen garantiert erfolgreichen Actionfilm. Es wirkt wie der verzweifelte Versuch, einen scheinbar verlorenen Sommer doch noch zu retten. Für die Anstell-Profis dagegen könnte der kommende Donnerstag wieder ein lukrativer Arbeitstag werden.

Halbschatten des Daseins

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