Flamenco-Star Gitarrist Paco de Lucía ist tot

Paco de Lucía im Oktober 2013 bei einem Auftritt in Havanna

Er galt als experimentierfreudig und stilprägend - für viele stand er für den Flamenco schlechthin: der Gitarrist Paco de Lucía. Nun ist der Spanier im Alter von 66 Jahren verstorben.

Der spanische Gitarrist Paco de Lucía ist tot. Der Flamenco-Großmeister, der mit bürgerlichem Namen Francisco Sánchez Gómez hieß, sei im Alter von 66 Jahren in Mexiko gestorben, teilte ein Sprecher der Stadtverwaltung von Algeciras im Süden Spaniens mit. Algeciras ist die Geburtsstadt des Musikers.

Der Tod sei von einem Neffen des Künstlers bestätigt worden, so der Sprecher weiter. Die Familie wolle im Tagesverlauf weitere Informationen bekanntgeben. Die spanische Nachrichtenagentur efe berichtete unterdessen unter Berufung auf eigene Quellen, Paco de Lucía sei im mexikanischen Cancún einem Herzinfarkt erlegen, als er mit seinen Kindern am Strand spielte.

Flamenco, Jazz und Klassik

De Lucía wurde am 21. Dezember 1947 in Algeciras in der Region Cádiz geboren. Er wuchs in einer Musikerfamilie auf und hatte mit elf Jahren seinen ersten öffentlichen Auftritt. Das Gitarrespielen habe er aufgeschnappt, noch bevor er das Sprechen lernte, sagte er 1994 in einem Interview mit dem Magazin Guitar Player: "Ich kannte das Gefühl und die Bedeutung der Musik".

Den internationalen Durchbruch schaffte er 1973 mit dem Hit "Entre dos Aguas" (eine Live-Interpretation des Stücks im spanischen Fernsehen von 1976 ist hier zu sehen). De Lucía erwies sich während seiner folgenden Karriere als stilprägend. Viele seiner Platten aus den 1970er und 80er Jahren sind heute Klassiker. Der Musiker bereicherte den Flamenco besonders mit Elementen der Klassik und des Jazz.

De Lucía galt als äußerst produktiv, er veröffentlichte Solo-Alben und arbeitete mit zahllosen anderen Musikern wie Camaron de la Isla, Chick Corea, Al Di Meola, Ricardo Modrego, seinem Bruder Ramón oder dem Jazzer John McLaughlin. Mit seinen Kollegen Jorge Pardo, Carles Benavent, Rubem Dantas, Ramón de Algeciras und Pepe de Lucía gründete er in den frühen 1980er Jahren das "Paco de Lucía Sextet".

"Ein unwiederbringlicher Verlust"

Immer wieder ging der Gitarrist auf Tourneen in Europa und Übersee. Seine Auftritte, oft mit Tänzern und Sängern, begeisterten Menschen weltweit für den Flamenco.

Seit den 1980er Jahren komponierte de Lucía auch Filmmusik, so für "Carmen" (1983), in dem er auch selbst eine Hauptrolle spielte. Für den Johnny-Depp-Film "Don Juan DeMarco" begleitete er Bryan Adams bei dem Song "Have You Ever Really Loved A Woman" auf der Gitarre.

2004 wurde de Lucía die renommierte spanische Auszeichnung "Prinz-von-Asturien-Preis" für sein Lebenswerk zuteil. Laut Jury war er zu "einem der besten Botschafter der spanischen Kultur in der Welt" geworden. 2007 bekam er zudem die Ehrendoktorwürde der Universität Cádiz verliehen.

De Lucías Tod sei "ein unwiederbringlicher Verlust für die Kulturwelt, für Andalusien" erklärte der Bürgermeister von Algeciras, José Ignacio Landaluce, laut Medienberichten. Die Stadt rief eine offizielle Trauerzeit aus. Spanische Medien wie El País würdigen den Verstorbenen in ihren Nachrufen als Genie. Spaniens König Juan Carlos, Königin Sofía, Kronprinz Felipe und Prinzessin Letizia übermittelten der Familie ihr Beileid. Kulturminister José Ignacio Wert würdigte Paco de Lucía als einen einzigartigen Virtuosen, der die Flamenco-Musik weltweit bekanntgemacht habe.