Von R. J. Brembeck

Finanzskandal bei den Oster-Festspielen: Getürkte Rechnungen, ein Schaden von bis zu zwei Millionen Euro und ein versuchter Suizid - die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die 1967 von Herbert von Karajan gegründeten Salzburger Osterfestspiele, die von den Berliner Philharmonikern ausgerichtet werden, sind jünger und weniger berühmt als die Sommerfestspiele, sind sie doch als ein von Mäzenen und Sponsoren abhängiges Kurzfestival einer musikbegeisterten Geldelite vorbehalten. Und um Finanzen, genauer: um schmutzige Geldgeschäfte geht es nun bei den Osterfestspielen eher als um "Götterdämmerung" und "Matthäus-Passion", mit denen das Festival dieses Jahr eröffnet.

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Masken am Eingang des Festspielhauses in Salzburg: Bei den Oster-Festspielen weitet sich ein Finanzskandal aus. (© Foto: dpa)

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Im vergangenen Dezember erhielt Salzburgs Landeschefin Gaby Burgstaller einen Hinweis auf regelwidrige Provisionszahlungen an den damaligen Geschäftsführer der Festspiele, Michael Dewitte. Burgstaller initiierte eine Sonderprüfung, deren Ergebnis sie jetzt präsentierte. Danach könnte seit 2002 ein Schaden von bis zu zwei Millionen Euro für das Festival entstanden sein; Details ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft.

Vor allem Sponsorengelder sollen unter der Hand einbehalten worden sein. Besonders kurios ist eine 2,5-Millionen-Euro-Spende, von der eine Provision in Höhe von 300.000 Euro an eine nicht existierende Firma mit Sitz in der Karibik überwiesen wurde - auf ein Konto im türkischen Nordzypern. Die Rede ist aber auch von Gehaltssteigerungen ohne Vertragsgrundlage, von getürkten Spesenabrechnungen, von rätselhaften Zahlungen an Firmen. Immer wieder fällt dabei der Name Dewitte, der damit zum Hauptverdächtigen in dieser Affäre wird - er wurde bereits im vergangenen Dezember fristlos entlassen.

Dazu kommen befremdliche Rechnungen über fast 700.000 Euro, bei denen unklar ist, ob dafür überhaupt Leistungen erbracht wurden. Gestellt wurden diese Rechnungen von Klaus Kretschmer, dem langjährigen Technikdirektor der Sommerfestspiele, und von zwei mit ihm offenbar verbandelten Firmen. Auffällig, dass nur in einem Fall Konkurrenzangebote eingeholt wurden.

Diese seltsame Verflechtung zwischen den beiden Festivals wird offenbar von den Sommerfestspielen sehr ernst genommen. Sie haben Kretschmer bereits vor zwei Wochen fristlos gekündigt und nun ebenfalls eine Prüfungskommission eingesetzt, deren Ergebnisse bis zur Kuratoriumssitzung am 23. Februar vorliegen sollen. Damit weitet sich der Skandal beträchtlich aus.

Kretschmer hat wie Dewitte alle erhobenen Anschuldigungen von sich gewiesen. In der Nacht zum Dienstag wurde er unter einer Brücke bei Salzburg mit schweren Verletzungen gefunden, vermutlich hat er einen Selbstmordversuch unternommen.

Die ganze Affäre ist ziemlich undurchsichtig, und weitere größere Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Das weiß auch Burgstaller: "Im nächsten Schritt wird die Justiz auf strafrechtliche Tatbestände prüfen müssen. Diese Aufgabe wird nach allem, was bisher bekannt ist, nicht einfach werden und mit Sicherheit monatelang dauern." Dabei wird dann auch zu ermitteln sein, warum sämtliche Finanzkontrollmechanismen der Festspiele versagt haben.

Nicht abzuschätzen ist, wie sich dieser Skandal auf die Sponsoren und Mäzene auswirken wird, von deren Wohlwollen die Osterfestspiele einzig und allein abhängen. Deshalb muss der Skandal vollständig aufgeklärt werden. Aber das wird nicht genügen. Auch das Festival wird sich organisatorisch völlig neu und sehr viel transparenter aufstellen müssen.

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(SZ vom 05.02.2010/rus)