Filmtipp des Tages Weder Rast noch Ruh

Zwei Seelen wohnen, ach!, in ihrer Brust. Denn Julia K. fühlt sich weder als Frau noch als Mann. Ein "krummes Geschöpf Gottes" sei sie. Als Junge verließ Julia ihr Zuhause in Litauen, um als Mädchen auf dem Straßenstrich in Berlin Geld zu verdienen. Stickige Hinterzimmer, verklebte Laken und wechselnde Freier wurden zu ihrem Alltag. Dabei schloss sie ihr Abitur und Kunststudium mit Bestnoten ab. Den ungeschönten Alltag zwischen Pornokinos, Straßenstrich und Heimatbesuchen dokumentierte die Fotografin und Filmemacherin J. Jackie Baier. Sie lernte Julia zufällig in einem Berliner Club kennen und begleitete die Transsexuelle fortan über mehr als zehn Jahre. Der daraus entstandene Film "Julia" ist ein bewegendes, schonungsloses Porträt und eine Geschichte voller Aufruhr, Leidenschaft und Wut auf eine Welt mitsamt ihren festgelegten Normen. Denn Julia K. ist eine Nonkonformistin. Eine Außenseiterin, die aneckt. Ein Geschöpf, das sich selbst entdecken will, aber keinen Weg dazu findet. Die authentischen Einblicke in Julias Leben wechseln sich ab mit melancholischen Stimmungsbildern, Schwarz-Weiß-Fotografien und poetischen Textzeilen. Der Film läuft ausschließlich im Werkstattkino und ist Teil einer Reihe über Sexarbeiterinnen.

Julia, Deutschland/Litauen 2013, Regisseurin: J. Jackie Baier, Montag, 11. Januar, bis Mittwoch, 13. Januar, jeweils um 20.30 Uhr, Werkstattkino, Fraunhoferstraße 9, 2607250