Filmtipp des Tages An den Rändern der Realität

(Foto: Filmgalerie 451)

Obacht, hier wird es komplex: In seiner Reihe "Streetscapes" denkt Heinz Emigholz über Architektur nach. Für den dritten Teil, "Dialogue" (Samstag, 18.30 Uhr, Filmmuseum), ist er nach Uruguay gereist und hat Bauwerke von Eladio Dieste und Julio Vilamajó gefilmt. Jonathan Perel wiederum, der als Regisseur einen mathematikverliebten Film über Siedlungen der uruguayischen Diktatur gedreht hat, spielt hier einen Psychoanalytiker, der einen Regisseur durch dessen Schaffenskrise begleitet. Wer da findet, dass sich das Dokumentarische und die Fiktion ganz schön verknoten, der landet direkt bei Underdox, dem Filmfestival das sich explizit zwischen Dokument und Experiment bewegt. In diesem Spannungsbereich wird die Erkenntnis gesucht. "La fiesta de otros (Other People's Celebration)" von Ana Serret Ituarte (Samstag, 19 Uhr, Neues Maxim) kreist um spanische Fiestas und beobachtet die, die für die Feiern der anderen arbeiten müssen. Das, was nach den Festen überbleibt, wird zum Sinnbild für ein Land, das durch die Krisen taumelt. Annik Leroy dagegen kombiniert Schwarzweiß-Bilder von Ruinen mit den Stimmen von Ingeborg Bachmann, Pier Paolo Pasolini und anderen: "Tremor - Es ist immer Krieg" (Samstag, 21 Uhr, Filmmuseum) ist ein Filmessay über Krieg und Gewalt. Aus dem Krisengebiet hinaus, strebt Basma Alsharifs "Ouroboros" (Sonntag, 20.30 Uhr, Werkstattkino). Die Reise seines Protagonisten beginnt in den Trümmern des Gaza-Streifens, überwindet aber Grenzen, Zeit und Raum - und selbst die Kalifornische Wüste ist in der Traumlogik dieses Films, der auch die mediale Darstellung des Gaza-Konflikts reflektieren will, erreichbar. Zeittranszendierend ist auch "Minute Bodies - The Intimate World". Tindersticks-Sänger Stuart A. Staples hat die Naturdokus von F. Percy Smith aus den 20er-Jahren wiederentdeckt (Sonntag, 22.30 Uhr, Werkstattkino). Und dessen Makroaufnahmen machen die Vertonung durch die Tindersticks nun zum hypnotischen Erlebnis.

Underdox-Festival, bis 11. Oktober, diverse Kinos, Programminfos: www.underdox-festival.de