Filmstarts der WocheWelche Filme sich lohnen - und welche nicht

Denzel Washington spielt in "Roman J. Israel, Esq." einen schrulligen Strafverteidiger und Bürgerrechtler im schlecht sitzenden Anzug. Jake Gyllenhaal kämpft in "Stronger" gegen die eigene Heldenverehrung.

15:17 to Paris

Es kann schon sein, dass "15:17 to Paris", die neueste Regiearbeit von Clint Eastwood, nicht zu den besten Werken seiner Karriere gehört - viele Kritiker in den USA wirkten etwas ratlos, aber es gab auch große Verteidiger. Immerhin geht es um den vereitelten Islamistenanschlag im Fernzug Brüssel - Paris im August 2015, und Eastwoods Idee, die drei amerikanischen Reisenden, die den Attentäter schließlich überwältigten, sich mit großem Minimalismus selbst spielen zu lassen, bis hin zum dramatischen Finale, ist in jedem Fall hochinteressant. Der deutsche Warner-Chef Wilfried Geike aber versteckt den Film konsequent - und gibt auch auf Anfrage keine Auskunft dazu. Jedenfalls gab es, außer für einen Tagesthemen-Beitrag mit Eastwood, offenbar keine Vorführung für Journalisten, und die Präsenz in den Kinos wird minimal sein. In München wird "15:17 to Paris" von diesem Donnerstag an nur in einem Kino laufen, einmal am Tag. Immer öfter versuchen Verleiher auf diese Weise, Herausbringungskosten zu sparen und Filme jeder Diskussion zu entziehen, was in diesem Fall vor allem ein Affront gegen den Filmkünstler Eastwood ist. Dieser ist seinem Studio Warner seit mehr als vierzig Jahren treu verbunden - seit Kubricks Tod ist er der Warner-Regisseur schlechthin. Gäbe es im deutschen Filmgeschäft noch irgendeinen Respekt für Kinolegenden, müsste sich die Branche jetzt wirklich schämen. Von Tobias Kniebe

Bild: Photo by Keith Bernstein 19. April 2018, 14:082018-04-19 14:08:06 © SZ.de/doer