Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

"Alles Geld der Welt", der skandalumwitterte Film, aus dem Kevin Spacey herausgeschnitten wurde, kommt endlich ins Kino - mit einem grandiosen Christopher Plummer. Bei "Shape of Water" besiegt Diversität weißen Faschismus.

Von den SZ-Kinokritikern

Wer ist Daddy?

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(Foto: dpa)

Zwei bereits erwachsene Zwillinge machen sich auf die Suche nach ihrem unbekannten Vater, der einer der vielen Liebhaber ihrer Mutter aus den freizügigen Seventies sein muss. Sie reisen von einem Kandidaten zum nächsten, dabei zeigt Lawrence Sher mal kitschig, mal halbwegs komödiantisch das Erwartbare: Jeder der möglichen Väter hat eine andere Macke - aber die entfremdeten Brüder lernen sich bei dieser Mission kennen und schätzen.

Wann wird es endlich wieder Sommer?

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(Foto: hechtfilm - Filmproduktion UG)

Die Dresdner "Banda Internationale" will durch die Integration geflüchteter Musiker zeigen, wie Empörung aktivistischer Kreativität weichen kann - und dass Sachsen mehr ist als ein rassistisches Horrorbundesland. Barbara Lubich und Michael Sommermeyer begleiten die Band bei ihren Proben mit bunter Blas- und Weltmusik und auf Reisen, sie setzen auf Emotionalisierung durch Nähe. Die persönlichen Geschichten der Musiker, ihre existenziellen Nöte und der ebenso anstrengende wie erhebende Alltag des großen Musikkollektivs wirken nach.

The Shape of Water

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(Foto: AP)

Im Baltimore der Sechzigerjahre retten eine stumme Putzfrau (Sally Hawkins), eine Schwarze, ein Schwuler und ein russischer Wissenschaftler einen Fischmenschen vor einem monströsen weißen Mann. Die aquatische Fantasiewelt von Regisseur Guillermo del Toro ist eine politische Parabel und der Film der Stunde: Diversität besiegt weißen Faschismus. Dafür gab's einen Goldenen Löwen in Venedig und 13 Oscar-Nominierungen. Gut so!

Luna

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(Foto: Universum)

Alle Spuren führen nach Russland. Das ist in der amerikanischen Politik so, und auch in diesem deutschen Thriller, dem Regiedebüt des aus Afghanistan stammenden Filmproduzenten Khaled Kaissar. Seine 17-jährige Titelheldin (Lisa Vicari) verliert ihre Familie bei einem Mordanschlag, weil Papa ein Geheimleben als russischer Doppelagent führte. Die Agentennummer basiert auf wahren Begebenheiten, der Rest der Geschichte bedient altbekannte Action- und Verfolgungsjagdmomente.

Königin von Niendorf

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(Foto: UCM One)

Irgendwie sind ihre Freundinnen komisch geworden. Lea bleibt deshalb alleine in diesem Sommer. Um sie herum eine Landschaft, in der nichts passiert. Eine Gang, in die nur Jungs dürfen, verheißt Abwechslung. Doch Lea ist mutig und wird aufgenommen. Dass Joya Thomes Budget klein war, sieht man, aber die Schauspieler sind toll. Lisa Moell spielt Lea, als hätte die mit ihren zehn Jahren bereits Rainald Grebes Brandenburg-Lied verinnerlicht. Ein Film, der Kindern einiges zutraut und in dem sich auch Erwachsene wiederfinden.

Die Grundschullehrerin

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(Foto: Photographer:JEAN-CLAUDE LOTHER; Studio Canal)

Diesen Job möchte man lieber nicht machen: Florence (Sara Forestier) ist Grundschullehrerin, tagtäglich muss sie eine Horde ungezähmter, vor Energie funkelnder Kinder bändigen, wilde Kerle zur Räson bringen und ihre Aufmerksamkeit bündeln. Ganz nebenbei bringt sie ihnen Lesen und Schreiben bei. Der Film von Hélène Angel bietet einen guten Einblick in den anstrengenden Schulalltag - und funkelt auch selbst vor Lebendigkeit.

Black Panther

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(Foto: dpa)

Ein Superheld, beweglich wie Batman oder Superman, aber mit starker Erdhaftung. Chadwick Boseman ist T'Challa, der Black Panther, der einen kugelsicheren Superheldenanzug trägt, mit seiner Ledermaske tierisch gut ausschaut und der König eines alten Volkes in Wakanda ist. Wakanda, das kleine Land in Afrika, wo es Vibranium gibt, das Element, das die Zukunft der Welt sichern könnte. Die Euphorie um den Film ist gewaltig, der erste schwarze Blockbuster, dazu eine Garde starker afroamerikanischer Amazonen. Ryan Cooglers hochgedrehte Ambition wird bravourös abgefedert von seiner ungenierten Lust an den Versatzstücken des modernen Actionkinos, von James Bond bis "Herr der Ringe".

Alles Geld der Welt

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(Foto: Giles Keyte/AP)

Endlich ist er im Kino, der Film, aus dem der skandalumwitterte Kevin Spacey in letzter Minute herausgeschnitten und durch Christopher Plummer ersetzt wurde. Auch wenn das boshaft klingt - rein künstlerisch war das kein Schaden. Plummer spielt den reichen alten Industriellen, der keinen Cent geben will, als sein Enkel Entführern in die Hände fällt, wunderbar salamanderhaft - als wäre er aus einer der Ritzen des düsteren Anwesens gekrochen, in das er sich zurückgezogen hat. Es geht nicht ums Geld in diesem Film von Ridley Scott. Denn den Menschen, denen es so sehr ums Geld geht wie diesem alten Geizhals, geht es eigentlich um etwas ganz anderes.

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(Foto: Filmperlen)

Wird eine Geschichte interessanter, wenn man ihre Chronologie auflöst? Chris Brügge scheint das zu glauben und lässt seinen vom Schicksal gebeutelten Protagonisten Marc ungeordnet von Erinnerung zu Erinnerung springen, während er sein Leben vor allem mit Kitesurfen verbringt. Zu Handkamera- Rückblenden und verträumten Landschaftsaufnahmen stellt Marc gewollt tiefsinnige Fragen. Wäre es besser, die Zeit zurückdrehen zu können, um all den Schmerz ungeschehen zu machen? Darauf hat der Film leider nur eine banale Antwort.

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