Filmkunstwochen Grande Dame der Lichtspielhäuser

Zu ihr blicken auch die Filmstars auf: Marlies Kirchner, hier vor einem Plakat zum Film "Lo straniero" (1967) mit Marcello Mastroianni.

(Foto: Robert Haas)

Marlies Kirchner vom Theatiner-Kino setzt auf Originalversionen und analoge Projektion

Von Christina Koormann

Eine wahnsinnig nette Idee, Sie zeigen diesen Film auch im Originalton?", fragt eine Besucherin, die sich über das Programm im Theatiner informieren will. Marlies Kirchner, Leiterin und Inhaberin des Kinos, kann nicht nur diese Frage beantworten, sondern ihr aus dem Gedächtnis alle Tage samt Uhrzeiten nennen, an denen der Film gezeigt wird. Während sie an der Kasse sitzt, gibt sie den Besuchern außerdem Empfehlungen, denn sie kennt sich aus: Jeder neue Film muss erst am kritischen Blick der Filmexpertin vorbei, bevor er im Theatiner gezeigt wird. Filme im Originalton - das ist eine der vielen Besonderheiten des Lichtspielhauses.

Nach Frankreich ist es von der Theatinerstraße aus nicht weit: Hier flimmern besondere Filme aus der Grande Nation über die Leinwand, in französischer Sprache natürlich, sodass die Liebhaber des französischen Kinos und frankophile Zuschauer hier ganz in ihrem Element sind. Auch spanische und italienische Filme sind hier zu sehen, immer im Original mit Untertiteln (OmU). Marlies Kirchner, über 80 Jahre alt, sucht jeden einzelnen mit Bedacht aus. "Ich zeige nur Filme, die mir persönlich gefallen und die ich für das Kino passend finde", sagt die Dame, die dem Theatiner seit mehr als fünf Jahrzehnten ein Gesicht gibt.

Der Reiz daran, Filme in der Originalsprache vorzuführen, hat viel mit Authentizität zu tun. "Ein Film wird ein anderer, wenn er synchronisiert ist", meint Kirchner. Einen Lieblingsfilm habe sie aber nicht, bei so vielen Filmen, die sie sieht, "da könnte ich endlos viele aufzählen". Die Kinoinhaberin war jahrzehntelang auf den großen Festivals unterwegs, in Berlin, Cannes und Venedig, "da habe ich am Tag sechs, sieben Filme angeschaut". Auf der diesjährigen Berlinale wurde sie für ihre Arbeit mit der Berlinale-Kamera geehrt.

In der Theatiner-Filmkunst trifft sich ein Publikum, das sich nicht nur berieseln lassen möchte, sondern sich gerne auch im Anschluss an einen Film im schönen Foyer mit der geschwungenen Wendeltreppe austauscht und diskutiert. "Es kommen Studenten, die Fremdsprachen lernen, Familien, Franzosen, Spanier, Italiener und viele Stammkunden, die sich seit Jahren jeden Film ansehen, den wir spielen", sagt Kirchner. Im Allgemeinen habe sich das Kinopublikum mit der Zeit verändert, "vor allem wollen die Leute heute im Kino entspannen und keine Probleme wälzen". Da hätten es Filme schwer, die nicht unbedingt massenkompatibel, dafür aber sehr wertvoll seien. "Gerade auch die kleinen Filme, die nicht immer ganz so leicht zugänglich sind, wollen wir unterstützen."

Während der 64. Filmkunstwochen zeigt das Theatiner-Kino zwei von drei ausgewählten Filmen mit dem 35-Millimeter-Projektor, der neben den Projektoren im Filmmuseum und im Werkstattkino einer der wenigen noch funktionierenden in München ist - noch eine Besonderheit, die das Kino in sich birgt. 2012 musste der Projektor einem digitalen Nachfolger weichen, "das haben wir sehr bedauert", sagt Kirchner. "Meine Mitarbeiter und ich sind allesamt große 35-Millimeter-Fans." Einsatzfähig ist der Projektor jedoch nach wie vor. Peter Goedel, Regisseur von "Tanger - Die Legende einer Stadt", und Nicolas Humbert, Regisseur von "Step Across The Border", sind deshalb auf sie zugekommen, um ihre 35-Millimeter-Kopien während der Filmkunstwochen hier zu zeigen. "Andere Kinos können das nicht", sagt Kirchner. Somit ist der Projektor ein Aushängeschild für echte Filmliebhaber. Der dritte Film im Programm der Filmkunstwochen - "Retour chez ma mère" ("Willkommen im Hotel Mama") - läuft am Sonntag, 7. August, in der Preview - in digitaler Version.

Wenn die Theatiner-Filmkunst im kommenden Jahr 60 Jahre alt wird, soll zu diesem Anlass eine ganze Serie mit Filmen auf 35 Millimeter gezeigt werden. "Wir hoffen, dass wir die alten Klassiker des Hauses noch einmal zeigen können, Filme, die für das Kino sehr wichtig waren." Insgesamt sei die Situation für die kleinen Kinos, auch für das Theatiner, sehr viel schwieriger geworden. "Man kämpft", sagt Marlies Kirchner, die nach wie vor jeden Tag an der Kasse sitzt und gar nicht daran denkt, aufzuhören.

Die Zeit der langen Schlangen am Eingang sei vorbei - es gebe zu viel Angebot, zu viele Events, besonders im Sommer, die dem Kino natürlich auch zu schaffen machten. Aber Marlies Kirchner sieht nach vorn: "Man muss immer positiv denken. So lange, wie ich es noch kann, werde ich weitermachen." Wenn dieser Punkt erreicht ist, wünscht sich die Kinobesitzerin sehr, dass das Kino weiter bestehen bleibt. "Das ist mein Zuhause", sagt sie. Und auch das ist eine Besonderheit am Theatiner-Kino.