Der Sommer könnte dunkel und schattig werden, zumindest für Cineasten: Hollywood überschwemmt den Markt mit alten Konzepten: Die Fortsezung von der Fortsetzung von der Fortsetzung .... "Spiderman" 3 ist nur der Anfang.
Es soll ein Vier-Milliarden-Dollar- Sommer werden - auf soviel Umsatz hoffen die Hollywood-Studios in diesen Tagen. Der Einstieg war schon mal nicht schlecht, "Spider-Man 3" hat den schon vorab als Rekordsaison deklarierten Kinosommer eröffnet mit noch nie dagewesenen 148 Millionen Dollar am ersten Wochenende in den USA, und mit, seit dem internationalen Start am 1. Mai ebenfalls fürs Guinness-Buch tauglichen, 375 Millionen Dollar Umsatz weltweit. Es ist aber auch noch nie vorher ein Film auf so vielen Leinwänden gleichzeitig angelaufen, 4252 waren es in den USA, noch ein Rekord.
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Es werde, hat Amy Pascal, Chefin des Spidey-Studios Sony, gesagt, so viele Fortsetzungen geben wie Peter Parker Geschichten zu erzählen hat. Es droht also auch ein Fortsetzungsrekord.
Das war ja sowieso erst der Anfang. Es erwarten uns noch jede Menge Fortsetzungen erprobten Materials in diesem Sommer, "Shrek the Third". "Pirates of the Carribean" - der, nachdem die ersten beiden Teile in Deutschland noch "Fluch der Karibik" hießen, nun in die A-Kategorie der weltweiten Originaltitelhalter aufgestiegen zu sein scheint. "The Bourne Ultimatum" (Nummer drei der Reihe), "Ocean's Thirteen" (ebenfalls der dritte), "Rush Hour 3". "Evan Almighty" ist die erste Fortsetzung zu "Bruce Almighty", dafür ist "Live Free and Die Hard" mit Bruce Willis schon die Nummer vier der "Stirb-langsam"-Reihe, und der Harry Potter, der uns im Juli blüht, "Der Orden des Phönix", ist der fünfte.
Mit Star Wars fing alles an
Man werde, kündigen die Studio-Manager in amerikanischen Zeitungen an, in diesem Sommer alles zu sehen bekommen, was man will. Dazu wird es sicherlich nicht kommen - denn bei einem solchen Gedränge im Actiongenre wird es für kleinere, ruhigere Produktionen aus dem Studiobetrieb kaum noch freie Leinwände geben.
Der Blockbuster ist, seit seiner Erfindung vor ziemlich genau dreißig Jahren - 1977, "Star Wars" - traditionell kein Film der leisen Töne, dafür aber ein Gesamtpaket mit Puppen, Kappen und PC-Spiel, oder, wie im Fall der "Piraten", einem eigenen Karussell im Disney-Themenpark. Wann immer teure Fortsetzungen beim Publikum nicht so richtig gut ankamen - wie bei "Batman" oder "Speed" -, wurden die Rufe laut nach neuen Konzepten.
Aber auch nach dreißig Jahren ist die Sehnsucht nach der Rezeptur zum Geldverdienen größer als die Angst vor der Fortsetzung, die nicht mit dem Original mithalten kann. Dass es nun Unkenrufe gibt, "Spidey 3" sei seiner Vorgänger unwürdig, ist bei solchen Einspielergebnissen den Studios egal. Keine Rede mehr davon, das alte Konzept zu überdenken, wie 2005, als ein Besucherrückgang von 11,5 Prozent dem US-Kino zu schaffen machte. Nun soll es also aufwärts gehen - in den ersten Monaten des Jahres war davon allerdings noch nicht viel zu spüren, obwohl nicht nur Amy Pascal zur Zeit euphorisch in die Zukunft blickt.
Das Kino boomt, aber so rekordverdächtig, wie die amerikanischen Zahlenspiele es vorgaukeln, ist der Aufschwung nicht. Tatsächlich sind die Besucherzahlen in Deutschland insgesamt gestiegen, wie in den USA auch - das Umsatzplus der Jahre davor war allein auf gestiegene Ticketpreise zurückzuführen. Ob die gestiegenen Besucherzahlen am Ende aber zu höheren Einnahmen führen, das hängt auch von den Produktionskosten ab.
Zwanzig große US-Filme werden in diesem Sommer konkurrieren, das sind doppelt so viele wie gewöhnlich; sie haben also auch doppelt so viel gekostet, manche mehr als 200 Millionen Dollar, Marketing- und Distributionskosten nicht eingerechnet. Bei einem solchen Gedränge kann es leicht zum Kannibalisierungseffekt kommen, sodass sich selbst gut gemachte Filme gegenseitig das Publikum abjagen. Und welche Sequels die Zugkraft von "Spider-Man 3" entwickeln, das ist sowieso noch nicht raus.
Ob der Rekordsommer am Ende wirklich rentabel war, werden uns die US-Studios nicht freiwillig verraten. Das merken wir erst, wenn die Studiobosse wieder auf die Sprüche der letzten Jahre zurückgreifen: "Es müssen weniger Filme für weniger Geld produziert werden." Und: "Wir brauchen ein neues Konzept."
(SZ vom 8.5.2007)
Wettmanipulation im Fußball
Wer schrieb denn da verallgemeinernd von den bösen Amis? Sind da die Millionen Babys gemeint oder was?
Hollywood ist auch nicht gleich Hollywood: gemeint waren natürlich nicht d i e Amerikaner, sondern die Dumm-und-Dusselig-Verdiener aus der Fabrik Hollywood. Wenn sich die mit Amerika gleichstellen sollten, dann gute Nacht.
r.kendel
Mir scheint, der Mensch hat gerne Vertrautes, wie anders lassen sich die zahllosen Comic oder SF-Serien erklären (Stichwort: Perry Rhodan). Also sieht er auch im Kino liebgewordene Charaktere gerne öfters.
Nichts dagegen zu sagen, insbesondere wenn solche 3. Teile dabei herauskommen, wie bei Indiana Jones. Wichtig scheint nur, dass man sich für das Sequel ausreichend Zeit für eine gute Story nimmt, - und nicht mittendrin die Hauptdarsteller (mehrfach) wechselt.
Bei Star Wars waren die Folgefilme (zumindest bei der ersten Sequenz, die in die Kinos kam) sogar wichtig, da in jedem Teil die Technik der Trickaufnahmen ausgefeilter war, als im Vorgänger, und das den Film insgesamt in seinen Möglichkeiten weitergebracht hat.
ähnliches kann man wohl auch über die Herr-der-Ringe Trilogie sagen.
Inzwischen sind Filme möglich, welche uns in fantastische Welten führen, teilweise sogar jenseits der eigenen Vorstellungsgrenzen. Und Mehrteiler haben dabei sicher geholfen, dass technische Neuerungen sich bezahlt gemacht haben.
Wie schon von Cugelmas richtig bemerkt, keiner zwingt einen, irgendwelche Filme anzusehen. Seit langem gibt es umfangreiche Vorberichte zu fast jedem neuen Film, so dass man sich eine Meinung bilden kann; im Laufe der Jahre bekommt man auch ein ziemlich gutes Gespür, welche Filme ihre guten Szenen bereits im "Making of" verbraucht haben, und in welchen weiteres Potential steckt.
Glücklicherweise gibt es keine Kinopflicht. Für den Zuschauer ist jede Fortsetzung freiwillig. Und im TV gehören Serien zur Alltagskost. Warum also keine Serien im Kino? Nur, weil das Licht ausgeht? Die größte Fortsetzungsserie im Kino ist James Bond und hier ist der Seriencharakter das einzige, was diesen Geheimangent noch im Rollator hällt.
Manche Forsetzungen fügen dem ganzen tatsächlich etwas positives hinzu. Das kann jeder bestätigen, der eine Indiana-Jones-Filmnacht mitgemacht hat, oder eine Star-Trek-Filmnacht oder eine Monty-Phyton-Filmnacht. Bei seriösen Bildungsbürgertums-Regisseuren heißen Fortsetzungen dann "Zyklen" oder "Gesamtwerk", oder wie war das mit den Drei Farben Blau, Weiß, Rot oder was weiß ich ... dann lieber Motra gegen Gozilla in der sechsundzwanzigsten Auflage. Oder das Matschgesicht von Silvester Stallone in der letzten, wirklich allerallerletzen Runde (zack, weg ist das Gebiß...). Merke: nicht jede Fortsetzung ist zwangläufig einfallslos und langweilig, keiner zwingt mich und außerdem: was soll's ... Die meisten Filme, die in diesem Jahr anlaufen werden, sind nach wie vor keine Fortsetzungen.
@Ca-Ke-Koe: Ach ja, die bösen Amis ... klar, mhm.
Hollywood überschwemmt den Markt . . . .
das klingt wie eine Naturkatastrophe. Hier aber sind es keine Elemente, die Ungleichgewichte beseitigen, sondern Entwicklungen, die Ungleichgewichte weiter schaffen.
Hollywood überschwemmt den Markt mittels Gewaltfilmen. Aber wir haben ohnehin schon zu viel Gewalt. Diese Ambition Hollywoods, welches schon lange nicht mehr diese Mengen an künstlerisch wertvollen Produktionen präsentiert, weil unter die Räder von eng und gemein denkenden Profiteuren geraten, kann geradezu als STAATENZERSETZEND eingestuft werden. Man wundere sich nicht, wenn die europäische Jugend außer Rand und Band gerät. Denn es sind nicht nur die Kinofilme, sondern auch die TV-Inhalte, die PC-Spiele, das Internet, die Videos (DVD`s), welche regelrechte Monstertypen aus Jugendlichen zu machen fähig sind und teilweise schon auch gemacht haben. Man wundere sich möglichst kraftvoll öffentlich, dass der Staat da nicht eingreift, sondern ständig jammert (sich betroffen zeigt), wenn wieder einmal eine Schule in die Luft geflogen ist. Der Staat ist ein Schildbürger! Der US-Staat ganz besonders.
r.kendel
Man kann im Grunde beide Filme als die ersten Blockbuster bezeichnen. Zwar war Der weiße Hai der erste Film, bei dem sich lange Schlangen bildeten, jedoch war es der erste Krieg der Sterne Film, der das für moderne Blockbuster begleitende Merchandising revolutionierte.
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