Filmfestival Von Amsterdam bis Fukushima

Produktionen aus Bayern auf der Berlinale - ein Überblick

Von Josef Grübl, München/Berlin

Ein beliebtes Gesprächsthema bei der Berlinale ist, sich über den Mangel an deutschen Wettbewerbsfilmen zu beklagen - unabhängig davon, wie viele Regisseure mit ihren Filmen tatsächlich eingeladen wurden. Konkurrierten 2014 noch vier deutsche Produktionen um den Goldenen Bären, ist dieses Jahr mit Anne Zohra Berracheds Schwangerschaftsdrama "24 Wochen" gerade einmal eine deutsche Produktion vertreten.

Doch die Berlinale, die an diesem Donnerstag beginnt, hat mehr als nur den Wettbewerb zu bieten. Auch aus bayerischer Sicht gibt es viel zu entdecken: Doris Dörries neuer Film "Grüße aus Fukushima" hat in der Sektion "Panorama Special" Weltpremiere, gemeinsam mit ihrer Hauptdarstellerin Rosalie Thomass wird die Filmemacherin das poetische Schwarz-Weiß-Drama in Berlin vorstellen. Dörrie drehte komplett in Japan, ihr Regiekollege Hans Steinbichler reiste für "Das Tagebuch der Anne Frank" von Bayern nach Amsterdam, Köln und Berlin. Der Film orientiert sich eng an den Original-Aufzeichnungen Anne Franks und ist mit der 16-jährigen Lea van Acken in der Titelrolle stark besetzt. Wer in München regelmäßig ins Theater geht, wird Stefan Merki, André Jung und Arthur Klemt in Nebenrollen erkennen. Steinbichlers Film läuft als Sondervorführung in der Jugendfilmsektion "Generation 14plus". An ein noch jüngeres Publikum wendet sich "Ente gut! Mädchen allein zu Haus" von Norbert Lechner. Der Münchner Regisseur ist Experte für Jungs-Abenteuergeschichten, dieses Mal steht ein Schwesternpärchen im Mittelpunkt. Um Paare geht es auch in "Europe She Loves", Jan Gassmanns Abschlussfilm an der HFF München. Er eröffnet damit die Sektion "Panorama Dokumente", in halbdokumentarischen Szenen geht es um die Befindlichkeiten von jungen Paaren aus Städten wie Sevilla, Dublin oder Thessaloniki.

Auch große Namen des deutschen Films sind bei den 66. Internationalen Filmfestspielen Berlin vertreten: In der Retrospektive "Deutschland 1966 - Filmische Perspektiven in Ost und West" werden Filme von Edgar Reitz, Alexander Kluge oder dem erst vor wenigen Tagen verstorbenen Haro Senft wiederaufgeführt. Um deutsche Filmgeschichte geht es auch im Dokumentarfilm "Verfluchte Liebe deutscher Film", der im "Forum" Premiere hat: Dominik Graf unternimmt darin eine Reise durch die Subkultur des deutschen Films und lässt Regierebellen wie Roland Klick oder Klaus Lemke zu Wort kommen. Wer wird da noch einmal behaupten, dass nationales Kino auf der Berlinale eine viel zu kleine Rolle spielt?