Das Filmfestival Karlsbad präsentiert sich bei seiner 40. Auflage so vital wie kaum zuvor. Die geladene Sharon Stone passt dabei gut ins Bild: Der Glamour-Faktor der End-Vierzigerin ist nach wie vor hoch.
Es gibt Thesen, die als Glaubenssätze unschlagbar sind, mit der Realität aber nicht immer im Einklang stehen. Insofern war das Motto des diesjährigen 40. Internationalen Filmfestivals im böhmischen Karlsbad gewagt. Denn dass das Leben erst so richtig mit 40 anfängt, wie der Festival-Trailer dem Publikum aus Anlass des Festival-Jubiläums frech einzureden versuchte, blieb in vielen der präsentierten Filmen unbelegt.
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Auf dem orangenen Teppich umlagert: Sharon Stone. (© Foto: Film Servis Festival Karlovy Vary)
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In dem slowenischen Wettbewerbsbeitrag "Tuning" von Regisseur Igor Sterk hadert beispielsweise ein Ehepaar in den Vierzigern mit einer eher gegenläufigen These, nämlich mit der in dieser Altersgruppe gelegentlich gestellten Frage: "War das jetzt schon alles?"
Auch der deutsche Wettbewerbsfilm "Fremde Haut" lässt die Zukunft der etwa dreißigjährigen Iranerin Fariba auch auf längere Sicht keineswegs verheißungsvoll erscheinen. Der Film unter der Regie der Kölnerin Angelina Maccarone suggeriert eher das Gegenteil: Fariba, die in der Schlusssequenz des Films von Deutschland aus in den Iran abgeschoben wird, ist dort mit der Todestrafe bedroht, da sie lesbisch ist.
Kristallglobus an "Moj Nikifor"
Der diesjährige Hauptpreis des Festivals - der mit 20.000 Dollar dotierte Kristallglobus - ging schließlich an den polnischen Wettbewerbsbeitrag "Moj Nikifor" (Mein Nikifor) - und damit an einen Film, der sich ebenfalls nicht mit der vollen Blüte des Lebens auseinandersetzt, sondern vielmehr einen ausgegrenzten Menschen an seinem Lebensabend zeigt.
Regisseur Krzysztof Krauze erzählt in seinem Werk die wahre Geschichte des naiven - und geistig sowie physisch behinderten - Malers Nikifor Krynicki, der 1960 von dem Kollegen Marian Wlosinski entdeckt und fortan von ihm gefördert wird.
Krauze gelingt dabei ein überzeugendes Portrait des Analphabeten Nikifor, auch weil er stilistisch die naive Sichtweise des Protagonisten übernimmt. Entscheidenden Anteil an der Auszeichnung dürfte aber auch die 80-jährige Hauptdarstellerin Krystyna Feldmann gehabt haben: Obwohl sie als Frau die Grundvoraussetzungen nicht unbedingt erfüllt, schafft sie es, den realen Mann Nikifor überzeugend und mit viel Empathie zu mimen. Die diesjährige Jury unter dem britischen Regisseur Michael Radford (Der Kaufmann von Venedig) zeichnete sie daher auch als beste Schauspielerin des Festivals aus.
Osteuropäische Präsenz
Mit ihrer Entscheidung für "Moj Nikifor" vergab die Jury den Kristallglobus erstmals seit drei Jahren wieder in eines der ost- oder mitteleuropäischen Länder, die in Karlsbad traditionell stark vertreten sind. Von den vierzehn Wettbewerbsbeiträgen stammten in diesem Jahr immerhin fünf aus Ost- oder Mitteleuropa.
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