Überraschende Entscheidung der Jury: Der als bester Film ausgezeichnete Polizei-Thriller "Elite-Truppe" ist wegen seiner Folterszenen umstritten. José Padilhas Film erzählt vom Kampf gegen Brasiliens Drogenmafia.
Die Berlinale-Jury unter Costa-Gavras kürt überraschend den brasilianischen Polizei-Thriller "Elite-Truppe" und setzt damit ein politisches Signal. Das als Favorit gestartete Öl-Epos "There Will Be Blood" bekommt Trostpreise.
Preisträgerin Sally Hawkins mit ihrem Silbernen Bären. (© Foto: ddp)
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Der Goldene Bär für den besten Film der 58. Berliner Filmfestspiele geht an den brasilianischen Film "Tropa De Elite" ("Elite-Truppe") von José Padilha.
In seinem kontrovers diskutierten Spielfilmdebüt erzählt Regisseur Padilha vom brutalen Kampf einer Spezial-Einheit der Militärpolizei gegen die Drogenmafia in den Elendsvierteln von Rio de Janeiro. Die Deutschen gingen bei der Preisverleihung leer aus.
"In jeder Sprache ist es schwierig auszudrücken, was ich empfinde", sagte Preisträger Padilha. "Wir wollen die Situation in Brasilien verändern. Dabei hilft der Film", sagte Produzent Marcos Prado.
Als beste Schauspielerin zeichnete die Jury unter Vorsitz des französisch-griechischen Regisseurs Constantin Costa-Gavras die Britin Sally Hawkins mit einem Silbernen Bären aus. Sie bezauberte das Festivalpublikum als ewig gut gelaunte, sich dem Erwachsenwerden verweigernde 30-jährige Poppy in Mike Leighs Komödie "Happy-Go-Lucky" (Unbeschwert).
Bester Darsteller wurde der Iraner Reza Naji als arbeitsloser Familienvater in "The Song Of Sparrows" (Der Gesang der Spatzen) von Majid Majidi.
Als Favorit gestartet: "There Will Be Blood"
Der als hoher Favorit gehandelte und für acht Oscars nominierte Film "There Will Be Blood" über Aufstieg und Fall eines Öl-Barons bekam bekam als "Trost" zwei Silberne Bären: Für den besten Regisseur und die beste künstlerische Leistung. Als besten Regisseur zeichnete die Jury Paul Thomas Anderson aus, Jonny Greenwood wurde für die beste künstlerische Leistung geehrt. Er war in der Produktion für die Musik verantwortlich.
Die Berlinale setzte nicht nur mit dem dokumentarisch anmutenden Siegerfilm erneut ein politisches Ausrufezeichen. Den Großen Preis der Jury, ebenfalls ein Silberner Bär, erhielt ein Dokumentarfilm des amerikanischen Oscar-Preisträgers Errol Morris: "Standard Operating Procedure" (etwa: übliche militärische Vorgehensweise). Morris ("The Fog Of War") zeigt in dem Film, wie amerikanische Soldaten im irakischen Gefängnis Abu Ghraib ihre Gefangenen folterten. Zum ersten Mal in der Geschichte der Berlinale war ein Dokumentarfilm im Rennen um die Bären.
Der Preis für das beste Drehbuch ging an den Chinesen Wang Xiaoshuai für das Drama "In Love We Trust". Darin kämpft eine Mutter um ihr krebskrankes Kind. "Das Filmemachen ist in China schwierig für unabhängige Filmemacher. Dieser Preis hilft uns sehr", sagte der Regisseur.
Sieg für das politisch engagierte Kino
Der zuvor für seine Rolle als krebskranker Mann in Doris Dörries "Kirschblüten Hanami" als Mitfavorit gehandelte Elmar Wepper ging leer aus. Auch in den anderen Kategorien konnten die beiden deutschen Beiträge - neben "Kirschblüten" war Luigi Falornis umstrittene Produktion "Feuerherz" über Kindersoldaten im Rennen - keine Bären gewinnen.
Der Alfred-Bauer-Preis für einen innovativen Film ging an "Lake Tahoe" (Mexiko) von Fernando Eimbcke. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis für den besten Erstlingsfilm erhielt Kumasaka Izuru für "Asyl - Park and Love Hotel Asyl" (Japan).
Der Goldene Bär für den umstrittenen brasilianischen Polizei-Thriller "Tropa De Elite" wurde als Sieg für das politisch engagierte Kino gewertet. Die Berlinale-Jury habe unter Vorsitz des griechischen Regisseurs Constantin Costa-Gavras ein deutliches Signal gesetzt.
Fortsetzung auf der nächsten Seite: Der Siegerfilm über Todeskult und Macho-Gehabe einer Polizei-Spezial-Einheit.
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