Von göt

Amélie und die Zukunft der Kulturindustrie

In diesem Frühjahr schien die Filmwelt wieder halbwegs in Ordnung. Die in Frankreich zumindest, wo "Amélie Poulain" gegen die amerikanische Konkurrenz ganz gut bestehen kann - was dem box-office gut tut und dem Selbstbewusstsein. Was die Amerikaner künstlich fabrizieren müssen, mit gigantischem Reklameeinsatz, das haben die Franzosen gleichsam en passant geschafft: eine neue Einheit von Film und Publikum, eine Identifikation, die bis nach oben geht, in den Präsidentenpalast. Wird also Kanzler Schröder sich den neuen Roehler vorführen lassen in den nächsten Tagen?

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Das Filmfest will kräftig profitieren vom Zauber der "Amélie Poulain". In Cannes haben sie den Film nicht haben wollen - und womöglich ist der Chef Thierry Frémaux, der sich für Baz Luhrmann und sein "Moulin Rouge"- Monster entschied und Skepsis demonstriert angesichts des deutschen Kinos, doch weniger naiv als angenommen - was auch für den Regisseur Jeunet gilt, dem man gleich glücklich eine Werkschau widmet.

"Amélie" wird heute das Filmfest eröffnen - ein modellhafter Film für Europa? Der Rest des Programms wirkt ein wenig wie im Dornröschenschlaf - den nur ein paar erratische Blöcke stören: Filme, die in keine Verleihlandschaft mehr passen, Regisseure, mit denen allmählich auch die Kritiker Probleme bekommen. Godard, James Toback, Christopher Nolan - mit "Memento", der Slavoj Zizek entzückte.

Es fehlen die erhofften Attraktionen von Cannes - kein Rivette, kein Moretti, kein Lynch. Und es fehlen die vielfach verpönten Amerikaner mit ihren Sommerhits. Die Fronten haben sich irgendwie verschoben, es gibt nicht mehr den Kampf des Massen- gegen das individuelle Kino. Nun sind ganz andere Kulturindustrien auf den Plan getreten - und das Kino muss sich insgesamt gegen sie behaupten. Sonst haben wir, was "Amélie" andeutet, bald ein Kino der Gartenzwerge.

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