Filmbewertungen Frauen- vs. Männerfilme

Die Horrorkomödie "Ghostbusters" führt auf der Online-Film-Plattform International Movie Database zu einem Geschlechterkampf.

Von Katharina Brunner

Auf der International Movie Database (IMDb), der wichtigsten Film-Ranking-Plattform im Netz, wurde in den letzten Wochen ein heftiger Geschlechterkampf ausgetragen. Der Grund: die Neuverfilmung der Horrorkomödie "Ghostbusters" mit weiblicher Besetzung. Im Internet diffamierten deshalb überwiegend Männer den Film, besonders auf der IMDb, wo Nutzer Werke auf einer Skala von eins (miserabel) bis zehn (hervorragend) bewerten können. Mittlerweile haben mehr als 73 000 Nutzer ihre Meinung zu den neuen "Ghostbusters" abgegeben. Viele von ihnen haben die Extreme gewählt: 33 Prozent der Männer vergaben die schlechteste Note, 43 Prozent aller Frauen die Bestnote. Zu jedem Eintrag gibt es bei IMDb detaillierte Statistiken darüber, wie viele Punkte Männer oder Frauen bei bestimmten Filmen vergeben. Die SZ hat mehr als 1350 der am häufigsten beurteilten Filme ausgewertet, um herauszufinden: Treten solche krassen Diskrepanzen wie bei "Ghostbusters" zwischen Frauen und Männern im Netz öfter auf? Oder ist der Film eine Ausnahme, von der sich nicht auf das grundsätzliche Nutzerverhalten schließen lässt? Das Ergebnis: Die Horrorkomödie ist eine Ausnahme. Dieses Muster lässt sich sonst bei keinem der Filme beobachten. Unterschiede gibt es dennoch, und sie könnten kaum stereotypischer sein. Zum einen bestätigen sich Untersuchungen, nach denen Männer im Internet wesentlich aktiver sind. 82 Prozent aller Stimmen kommen bei der IMDb von Männern. Nur bei sieben der ausgewerteten Filme haben Frauen häufiger abgestimmt als Männer, zum Beispiel bei "P.S. Ich Liebe Dich" oder "Stolz und Vorurteil". Kaum Interesse zeigen Frauen an "Rambo-" und anderen Action-Filmen. Geschlechter-Klischees werden auch bestätigt, wenn man sich die Filme ansieht, bei denen Männer und Frauen besonders unterschiedlich abstimmen. Männern gefallen romantische Komödien deutlich weniger als Frauen. Dazu gehören sämtliche "Twilight"-Filme, "Fifty Shades of Grey", "Dirty Dancing" oder "Bridget Jones". Trotzdem bewerten Frauen Filme nicht grundsätzlich besser als Männer: mit 7,4 beziehungsweise 7,3 Punkten liegen sie im Schnitt nur um eine Kommastelle auseinander. Besonders einig sind sich die Geschlechter bei Serien: "Game of Thrones", "Breaking Bad" oder "Band of Brothers" finden alle ähnlich gut. Was wohl auch einen Teil des Erfolgsgeheimnisses vieler Serien ausmacht: Sie sind pärchenkompatibel für den Filmabend daheim.