Film Was schenkt man einer Saudi beim ersten Date?

Barakah wird wirklich keine gute Wahl treffen!

(Foto: Verleih)

Barakah wird keine gute Wahl treffen. Der Film "Barakah Meets Barakah" ist eine brisante Liebeskomödie aus einem Land voller Verbote.

Filmrezension von Kathleen Hildebrand

Der Plot von "Barakah Meets Barakah" klingt erst einmal altbekannt. Er funktioniert nach dem klassischen "Boy meets Girl"-Prinzip der romantischen Komödie. Ein braver Gemeindebeamter trifft eine glamouröse Instagram-Schönheit. Sie verlieben sich, es gibt Hindernisse. Alles klar, denkt man. Althergebrachtes, gewürzt mit Social-Media-Zeitgeist.

Um zu verstehen, was für eine Brisanz diese Geschichte hat, muss man wissen, in welchem Land der Boy Barakah (Hisham Fageeh) das Girl Bibi (Fatima Al Banawi) trifft: es ist Saudi-Arabien. Ein Staat, in dem unverheiratete Paare praktisch keine Möglichkeit haben sich zu treffen. In dem Frauen keinen Führerschein machen dürfen und für fast alles, was sie tun wollen, die Unterschrift eines männlichen Vormunds brauchen. Und in dem Kinovorstellungen seit drei Jahrzehnten verboten sind.

Schon die erste Begegnung von Bibi und Barakah dürfte eigentlich nicht passieren. Sie lernen sich bei einer Vernissage in einer Galerie kennen und ihre erste Unterhaltung wird von der aufgeregten Warnung eines jungen Mannes unterbrochen: "Nehmt den Hintereingang, Religionspolizei!". Andererseits: Die Regeln scheinen so absolut nicht zu sein. Bibi wurde von ihrem Management extra in die Galerie geschickt, um mit einem kurzen Video Werbung für die Ausstellung zu machen. Sie filmt sich mit einem Selfie-Stick, unverschleiert. Über dem Mund aber muss der Bildausschnitt enden. Bei all den fließenden Grenzen, die es im Saudi-Arabien dieses Films gibt: Ein ganzes Frauengesicht ist dann doch zu viel.

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Bibi ist trotz des Reichtums ihrer Familie nicht frei

Seine leichte, charmante Komik entwickelt "Barakah Meets Barakah" aber weniger aus der Spannung zwischen Verboten und Freiheitsdrang als aus dem gewaltigen Klassenunterschied, der zwischen den beiden Protagonisten besteht. Während Bibi mit großem Selbstbewusstsein Videoclips über fair gehandelten Kaffee dreht und für das Modelabel ihrer Mutter als Model arbeitet, verteilt Barakah in der brütenden Hitze Strafzettel an Gemüsehändler und Bauherren, hebt illegale Brauereien aus. All das interessiert ihn wenig. Aber Barakah ist arm, ein Träumer und ein bisschen mutlos. Er lebt in einem kleinbürgerlichen Viertel, mit seiner Hipster-Frisur und seinem Interesse an Shakespeare - in einem Amateurtheaterstück spielt er die Ophelia - ist er dort ziemlich allein.

Es ist deshalb von Anfang an und entgegen traditioneller Geschlechterrollen Bibi, die ernsthaft versucht, die Liebesgeschichte mit Barakah voranzutreiben. Sie liefert die Ideen für geheime Treffen und sie hat die Kontakte, um sie zu ermöglichen. Bibi sehnt sich nach großen romantischen Gesten, nach Szenen wie aus amerikanischen Filmen. "Lass uns verreisen", sagt sie zu Barakah am Telefon, der gar nicht weiß, wie ihm geschieht mit dieser etwas görenhaften, aber interessanten, schönen Frau. Die Reise führt dann bloß in einen Freizeitpark am Stadtrand. Barakah darf ihn als unbegleiteter Mann nicht mal betreten.

Aber auch Bibi ist trotz des Reichtums ihrer Familie, trotz ihrer Tausenden jugendlichen Instagram-Fans nicht frei. Ihr Agent zwingt sie zu Auftritten. Die Mutter nutzt ihren Ruhm als Werbung für ihr Modelabel. Als Bibi, frustriert von den vielen Unmöglichkeiten in ihrem Alltag, ein Video mit Stinkefinger postet, muss sie es löschen. Es gefährdet ihre Marke.

Der Film des saudischen Journalisten und Regisseurs Mahmoud Sabbagh oszilliert die meiste Zeit über zwischen sanfter Kritik und sympathischem Humor. Die offene Konfrontation mit dem Regime sucht er nicht. Aber es gibt ein paar Sequenzen, in denen Sabbagh deutlicher wird: Barakah erzählt zu eingeblendeten Schwarzweißfotos aus den Sechzigerjahren von Partys und Filmabenden, auf denen unverschleierte, westlich gekleidete Frauen und Männer zu Gast waren. Er erzählt von dem ganz anderen Saudi-Arabien, in dem seine Eltern noch aufgewachsen sind. Es sind die ernsthaftesten, aber auch die traurigsten Szenen des ganzen Films - von dem unwahrscheinlich ist, dass er in dem Land, in dem er spielt, je öffentlich gezeigt werden wird.

Barakah yoqabil Barakah, Saudi-Arabien 2016, Regie und Drehbuch: Mahmoud Sabbagh. Mit: Hisham Fageeh und Fatima Al Banawi, 98 Minuten.

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