Film Tom of Finland

Szene aus dem Film "Tom of Finland".

(Foto: MFA Verleih)

Touko Laaksonen wurde mit seine Schwulencomics berühmt. Dome Karukoski hat das Leben des finnischen Künstlers verfilmt.

Von Kathleen Hildebrand

Sie sind groß, stiernackig, Muskellandschaften auf zwei Beinen. Sie tragen Polizeikappen, enge Lederjacken und darunter entweder nichts oder Hosen, so eng, dass man trotzdem alles sieht, was sich darunter wölbt. Die Zeichnungen des finnischen Künstlers Touko Laaksonen sind überdeutlich in ihrer homosexuellen Erotik, und voller Ironie: Seine Figuren sind so überzogen muskulös, dass offen bleibt, ob man staunen oder lachen soll. Es ist, als müsste das Papier, auf dem sie gezeichnet sind, an manchen Stellen platzen, so prall und gespannt ist da jede der restlos ausdefinierten Beulen. Der Regisseur Dome Karukoski hat das Leben von Touko Laaksonen jetzt verfilmt, allerdings in einer ganz anderen Ästhetik. In "Tom of Finland" wirft eine niedrig stehende finnische Sonne ein beständiges Zwielicht auf Menschen und Straßen der Nachkriegszeit. Laaksonen, ein Werbegrafiker, zeichnet heimlich nach Feierabend in seinem düster-spießigen Schlafzimmer oder trifft nachts im Stadtpark Männer. Seine Homosexualität muss er verstecken, wenn er nicht verprügelt oder verhaftet werden will, deshalb flüchtet er in seine Bilder. Als ein kalifornisches Bodybuilder-Magazin 1957 ein paar seiner Zeichnungen veröffentlicht, ändert sich sein Leben. Sie treffen einen Nerv, bald ist er unter dem Pseudonym Tom of Finland ein Held der dortigen Schwulenszene. Dieser Befreiung im Film zuzusehen, ist eine Freude. Als Laaksonen zum ersten Mal nach Kalifornien reist, ist das Licht plötzlich golden, der Horizont weit. In den Siebzigern beginnen Galerien auf der ganzen Welt, seine Zeichnungen auszustellen. Es erschienen Bildbände, Anfang der Neunziger dann ein Dokumentarfilm über ihn und den Lederfetisch, den seine Kunst in Teilen der homosexuellen Subkultur angestoßen hatte. Nach und nach stieg Touko Laaksonen aus dem Untergrund auf und wurde zu einem angesehenen Künstler.

2014 druckte die finnische Post dann sogar drei Tom-of-Finland-Sonderbriefmarken. Auf der schönsten davon blickt ein schnauzbärtiges Männergesicht zwischen muskulösen Schenkeln hervor, halb verdeckt von einem glänzenden, unwirklich perfekt geformten Po.