Film "The Canyons" mit Lindsay Lohan Oh my God!

The Canyons

Den Ruch der eigenen Kaputtheit auf ihre Figur ausstrahlen lassen - das macht Lindsay Lohan als Tara ziemlich gut.

(Foto: Via Bloomberg)

American Porno: Es sollte der Film sein, mit dem Paul Schrader und Bret Easton Ellis ihr Comeback feiern und Lindsay Lohan sich rehabilitiert - aber "The Canyons" ist ein echter Kassenflop.

Von Peter Richter

Als die Schauspielerin Lindsay Lohan das erste mal nackt zu sehen ist, verrät ein spitzes "Oh my God!" mittig hinten im ICF Center von Manhattan, dass man zumindest nicht ganz allein im Kino sitzt.

Das ICF Center, mitten in Greenwich Village, versteht sich als Filmtheater für intellektuelle Hardcore-Cineasten. An der Kasse kann man T-Shirts mit dem Schriftzug der Band Metallica kaufen - und wenn man genau hinschaut, steht da gar nicht "Metallica", sondern "Fassbinder".

Als Arthouse-Film getarnter Softporno

Ausgerechnet das also ist nun der Ort, wo am vergangenen Wochenende "The Canyons" von Paul Schrader nach einem Drehbuch von Bret Easton Ellis anlief, als einziges Kino weit und breit. Es passiert nicht oft, dass hier ein aufgekratztes "Oh my God" durch den Raum fliegt, und dann noch eins und noch eins. Vier oder fünf junge Frauen "oh-my-god"-en sich da mit entzückt vor den Mund geschlagenen Händen ein bisschen was zusammen. Aber das liegt nicht unbedingt daran, dass Lindsay Lohan gerade nackt zu sehen ist. Das liegt vielmehr daran, dass sich in dem Moment auch der Pornostar James Deen, bürgerlich Bryan Matthew Sevilla, die Hosen runterzieht. Und dass er dann etwas tut, was nachvollziehbar macht, warum er zu Beginn seiner Karriere auch mit dem Namen "Clint Cullingus" geliebäugelt haben soll.

Ist "The Canyons" also tatsächlich der als sympathischer kleiner Arthouse-Film getarnte Softporno, zu dem er im Vorfeld so oft erklärt wurde?