Film Kameramann Michael Ballhaus ist tot

Einer der wenigen großen Deutschen in Hollywood: Kameramann Michael Ballhaus.

(Foto: Jens Kalaene/picture alliance)

Er drehte mit Kinogrößen wie Rainer Werner Fassbinder und Martin Scorsese und galt als einer der besten Kameramänner der Welt. Nun ist Michael Ballhaus im Alter von 81 Jahren gestorben.

Der Kameramann Michael Ballhaus ist tot. Der international bekannte Künstler ("Gangs of New York", "Die Ehe der Maria Braun") starb in der Nacht zu Mittwoch im Alter von 81 Jahren in seiner Berliner Wohnung. Das teilte sein Münchner Verlag unter Berufung auf die Familie Ballhaus mit.

Michael Ballhaus drehte vierzig Jahre lang Filme und galt als einer der besten Kameramänner der Welt. Auch in Hollywood, wo Deutsche es sonst schwer haben. Drei Mal wurde er für einen Oscar nominiert. Hollywood-Regisseur Mike Nichols, mit dem er einst "Die Waffen der Frauen" drehte, sagte einmal: "Mit Michael zu arbeiten ist, als wäre man im Himmel - nur dass man dafür vorher nicht sterben muss."

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Entdeckt hat Ballhaus die Liebe zum bewegten Bild schon als 18-Jähriger. 1935 in Berlin geboren und in der Theaterkommune seiner Schauspieler-Eltern im fränkischen Coburg aufgewachsen, hatte er damals Max Ophüls beim Dreh für "Lola Montez" zuschauen dürfen. Ihn faszinierte besonders die "schwebende und kreisende Kamera, das magische Licht" - also das, was später seine eigene Arbeit so besonders machen sollte.

Mit Martin Scorsese ging Ballhaus eine beispiellose künstlerische Beziehung ein

Seine eigene Karriere begann Ballhaus beim Südwestfunk in Baden-Baden. Dort lernte er auch den jungen Rainer Werner Fassbinder kennen. Mit dem ebenso genialen wie exzentrischen Regisseur avancierte er in den Siebziger-Jahren zum Vorzeige-Duo des Neuen Deutschen Films. 15 Filme machten die beiden zusammen, darunter "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" (1972) und "Die Ehe der Maria Braun" (1979). Nach vielen Reibereien kam es bei der Romanverfilmung "Berlin Alexanderplatz" 1980 zum Bruch - Ballhaus und seine damalige Frau Helga hielten es mit dem "Koks-Monster" Fassbinder nicht mehr aus, wie der Kameramann in seinen Memoiren schrieb.

Ballhaus ging in die USA und drehte dort mit den wichtigsten Regisseuren seiner Zeit - neben Nichols unter anderem mit Francis Ford Coppola, Robert Redford, Wolfgang Petersen und Robert De Niro. Allein sieben Filme entstanden aus der beispiellosen künstlerischen Beziehung mit US-Starregisseur Martin Scorsese. Vom ersten gemeinsamen Low-Budget-Film "After Hours" (1985) bis zum 100 Millionen Dollar teuren Abschiedswerk "Departed" (2006) entwickelte das Duo eine eigene Bildsprache, die innovativ mit Licht, Raum und Bewegung arbeitete. Sein Blick liebe die Schauspieler, sagte Ballhaus einmal. "Ich weiß, dass der Schauspieler viel Aufmerksamkeit und Konzentration von der Kamera braucht."

Scorseses Bandenepos "Gangs of New York" trug ihm 2002 seine dritte Oscar-Nominierung ein - nach James L. Brooks' Komödie "Nachrichtenfieber" (1987) und Steven Kloves' Nachtclubfilm "Die fabelhaften Baker Boys" (1989). Wie dort Michelle Pfeiffer im roten Glitzerkleid lasziv auf einem schwarzen Flügel liegt, während die Kamera sie in einem einzigen großen Bogen umfährt - das wurde als "Ballhaus-Kreisel" zu seinem Markenzeichen.

Dass ausgerechnet Ballhaus, für den zeitlebens die Augen das wichtigste Werkzeug waren, im Alter zunehmend wegen seines Grünen Stars erblindete, machte ihn traurig - aber nicht bitter. "Was mir bleibt, sind die Bilder im Kopf. Sie sind da und kommen immer wieder", sagte Ballhaus in einem Interview. Und fügte mit Blick auf sein Leben hinzu: "Ich bin einfach nur dankbar, dass es so gut gelaufen ist."

Im Februar 2016 stand Michael Ballhaus auf der Bühne der Berlinale. Mit Tränen in den Augen nahm er den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk entgegen. Da stand also einer der berühmtesten und meistgefragten Kamerakünstler der Welt und sagte leise: "Ich bin ja nur ein Kameramann. Und außerdem habe ich furchtbare Angst, vor Leuten zu reden."

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