Von FRITZ GÖTTLER

Jeff Bridges und Kevin Spacey leisten echte Traumarbeit in dem Film "K- Pax"

Ein sonderbarer Vogel, ein merkwürdiger Heiliger streift durch diesen Film. Eines Tages hockt er wirklich in einem der dürren Bäume im Garten des Manhattan Institute of Psychiatric Health, was seinem behandelnden Arzt, dem Dr. Mark Powell, einen Ausdruck aufs Gesicht zaubert gemischt aus Besorgnis und Verwunderung und stillem Vergnügen.

(© SZ v. 16.10.2002)

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Jeff Bridges ist Dr. Powell und Kevin Spacey ist Prot, der seltsame Nestling. Er kommt von einem anderen Stern, aus einer fremden Galaxie - er ist, dem eigenen Bekunden nach, vom Planeten K-Pax auf die Erde gekommen mit einer Reisegeschwindigkeit schneller als das Licht. In der Grand Central Station ist er plötzlich aufgetaucht, der gewaltigen Kathedrale von New York, in die das Licht durch die großen Fenster Bahnen schlägt, die aussehen wie Rutschen in unsere Realität. Ein Ort, an dem man nicht ankommt, im klassischen Sinn, nach einer Bewegung von Ort zu Ort, sondern sich gleichsam aus dem Nichts materialisiert.

Zu viel Licht, sagt Prot von unserem Planeten, und mit seiner Sonnenbrille schützt der ein wenig unförmige Man in Black sich vor der Intensität, der Zudringlichkeit der Welt. Die auf ihn reagiert mit der gewohnten Routine, indem sie ihn wegsperrt, zum Fall erklärt, eine Identität sucht für den Mann aus dem Nichts und eine Erklärung dafür, wieso er sich so kindisch verhält. Worauf Prot wiederum mit den Tricks reagiert, die man aus den Irrenhaus-Filmen kennt, eine Banane zum Beispiel mitsamt der Schale verzehrt.

Prot gibt sich als Prophet, und er lehrt die Leute um ihn her, sich einzulassen auf die Welt, die Mitinsassen und die Kinder, und auch die Pfleger und die Ärzte. Eine alte Geschichte, dieser Wechsel der Rollen - der Patient ist es am Ende, der die heilenden Kräfte mobilisiert. Man muss vor allem warten können, klärt er uns auf, auf die Amsel zum Beispiel, von der das Lied sagt, dass sie singt in der Tiefe der Nacht. Und für jene, denen solche Unschuld nicht mehr möglich ist, die Männer der Wissenschaft, die ihm ausreden wollen, dass er wirklich gereist ist durch Raum und Zeit, hat er ein paar Gags parat, die verblüfft er durch ein erstaunliches Wissen - in der Tiefe eines Planetariums zaubert er mit kühnem Strich ihnen eine Skizze seines Planetensystems an den Himmel.

Der Film hat das Potential für einen echten Dreamworks-Film, ein Gegenstück zum Klassiker "E.T.", deshalb hat ihn Iain Softley bewusst spröder inszeniert, als man es von Spielberg kennt. Jeff Bridges hat selbst einst einen Außerirdischen gespielt, in "Starman" von John Carpenter, und Kevin Spacey ist, wenn er nicht gerade mit Expräsident Clinton munter- missionarisch durch die Welt tourt, nun auf Typen mit aberwitziger Botschaft spezialisiert, siehe den - sehr unterschätzten - "Pay It Forward".

Die Message wird in diesem Film freilich in einen luftleeren Raum gestellt, ins Vakuum der Stadt New York, die gefilmt ist, als sollte es nie wieder einen Frühling für sie geben. Eine Leere, die man zu füllen versucht mit Erinnerungen an amerikanische Träume der anderen Art, von Thoreaus "Walden" bis zu den Geschichten von Sherwood Anderson oder Richard Ford. Als Prot könnte man sich auch einen anderen Mann in Schwarz vorstellen - Will Smith war lange vorgesehen für die Rolle. Der Autor der Romanvorlage, Gene Brewer, hat schon einen zweiten Teil geschrieben - die Geschichte ist keineswegs zu Ende. Und die Rollen könnten austauschbar sein: "Als ich das Script erstmals las", hat Kevin Spacey erzählt, "das war vor etwa dreieinhalb Jahren, dachte ich sofort, das sei eine großartige Rolle, dieser Prot. Aber nein, sagte meine Agentin, sie wollen dich nicht dafür, sie wollen dich für den Doktor ..."

Es ist das Gesicht von Jeff Bridges, auf das man sich konzentrieren muss in diesem Film, denn es ist seine Geschichte, um die es geht. Seine Ehe - mit der wunderbaren Mary McCormack - und seine Familie, sein Versagen und seine Bemühungen, sein Leiden und seine Müdigkeit. Die Geschichte eines Mannes, der den entscheidenden Moment seines Lebens verschläft. Der Film nimmt den Ereignissen ihre Ereignishaftigkeit, ihre Dimension und Bedeutung, ihr Pathos. Der fremde, blutend-dunstige Planet, den Bridges am Ende aufsucht, ist eine Vergangenheit, die es irgendwann zu vergessen gilt. Wir haben zwei Sonnen auf K-Pax, hatte Prot ihm einst erklärt, aber nur alle zwei-, dreihundert Jahre gehen sie zusammen auf.K-PAX, USA 2002 - Regie: Iain Softley. Buch: Charles Leavitt, nach dem Roman von Gene Brewer. Kamera: John Mathieson. Schnitt: Craig McKay. Musik: Edward Shearmur. Mit: Kevin Spacey, Jeff Bridges, Alfre Woodard, Mary McCormack, Peter Gerety, Saul Williams. Neue Constantin, 118 Minuten.

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