Festival Kultur statt Kanonen

Bei den Balkantagen: Das Duo Jelena Popržan (re.) und Rina Kaçinari.

(Foto: oh)

Die zehnten Münchner Balkantage stehen auch im Zeichen der Versöhnung der Feinde von einst

Von Xenia Schmeizl

Das Massaker von Srebrenica hat sich tief in das kollektive Gedächtnis Europas eingebrannt. Zu grausam, zu blutig und zu bestialisch waren die Bilder, die 1995 um die Welt gingen. Sie machten fast vergessen, wie sehr der Balkan mit seiner kulturellen Vielfalt Europa bereichert. Die Balkantage, die von Freitag, 26. Februar, bis Samstag, 12. März, an verschiedenen Orten in München stattfinden, laden die Besucher dazu ein, den Balkan - "Europas unbekanntes Juwel" - mit zahlreichen Events, darunter Film- und Theatervorstellungen, Lesungen, Konzerte und Diskussionsrunden, neu zu entdecken.

Diese zehnten Balkantage sollen vor allem zum Dialog der Kulturen führen - zwischen Deutschen und Südosteuropäern, aber auch zwischen den Einwohnern der Balkanländer selbst, die sich immer noch mehr oder weniger feindlich gegenüberstehen. "Künstler kommen hier zusammen und machen gemeinsam Musik, die aus Gegenden kommen, die traditionell nicht zusammenarbeiten", erzählt Arno Laxy vom Verein "Hilfe von Mensch zu Mensch", der die Balkantage organisiert. Das Symbol des Festivals: eine stilisierte Blume, deren Blütenblätter die Fahnen der neun beteiligten Balkanstaaten schmücken.

Gleich am Eröffnungstag wird es politisch: "Gleiches Recht für alle?! Eine Kontroverse um europäische Sozialstandards", lautet das Thema einer Podiumsdiskussion am Freitag, 20 Uhr, im Literaturhaus. Am Tisch sitzen der Leiter der rumänischen Caritas, Nicolae Anusca, der einstige taz-Journalist Erich Rathfelder und die Sozialpolitikerin Diana Stachowitz. Zentrum der Debatte: die Flüchtlingslage an der Balkanroute und die Zuwanderungspolitik.

Zwei Tage später liest der junge Autor Martin Kordić um 14 Uhr im Gasteig aus seinem Romandebüt "Wie ich mir das Glück vorstelle". Er erzählt von dem Waisenjungen Viktor, der die Schrecken des Bosnienkriegs miterlebt. Martin Kordić ist Sohn bosnisch-kroatischer Einwanderer, deren Verwandte während des blutigen Konflikts auf der Balkanhalbinsel in den Neunzigerjahren nach Deutschland fliehen mussten. Besonderen Platz widmet das Festival den Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilmen, die in Originalsprache mit englischem Untertitel gezeigt werden. In der autobiografischen Dokumentation "Anatomie des Weggehens", die am 27. Februar um 18 Uhr im Monopol-Kino zu sehen ist, beschreibt Regisseur Oliver Tataru, wie er während des Ceaușescu-Regimes schweren Herzens seine Heimat Rumänien verlassen musste und mit seiner Familie nach Deutschland emigrierte. Sehenswert ist außerdem das serbische Drama "No One's Child", das am 29. Februar um 19.30 Uhr im Gasteig auf dem Programm steht.

Am Mittwoch, 9. März, befasst sich das Theaterstück "Warum das Kind in der Polenta kocht" mit einem aktuellen Thema: Die Regisseurin Dana Paraschiv geht der Frage nach, wie es sich anfühlt, als Einwanderer in einem fremden Land zu leben und sich dort anzupassen. Es ist um 18 Uhr im im Import/Export zu sehen.

Wer sich von den rhythmisch wilden Klängen des Balkan verzaubern lassen will, sollte den Auftritt der serbischen Bratschistin und Sängerin Jelena Popržan und der kosovarischen Cellistin Rina Kaçinari, zusammen Catch-Pop String-Strong, am 6. März um 19.30 Uhr im Gasteig nicht verpassen. Die beiden Wahlwienerinnen mischen Balkanklänge mit klassischen Stücken und literarischen Vertonungen.

Neben Literatur, Film und Theater gibt es viele weitere kulturelle Kostbarkeiten: zum Beispiel auf dem Balkanbasar (5. März, 13 Uhr, Kulturhaus Milbertshofen, Curt-Mezger-Platz 1), wo den Besucher allerlei Spezialitäten erwarten. Kulinarischer Höhepunkt der Veranstaltung: eine Weinprobe, bei der serbische Weine aus der Vojvodina-Region zum friedlichen Anstoßen anregen. Živeli!