Festival Klassisch, aber anders

Auf dem Internationalen Musikfest in Kreuth hört man junge Musiker wie Olga Scheps und die Gurfinkel-Zwillinge - und ganz viel Schubert

Von Astrid Benölken

Sie sollen bitte bekannt sein, auftrittserfahren, ihre Namen so vertraut klingen, dass der Konzertsaal gut gefüllt ist. Wer als junger Musiker auf eine große Bühne möchte, der hat es nicht immer leicht. Zum Glück gibt es immer wieder kleine klassische Musikfestivals, die auch aufstrebenden, bei Kennern bereits bekannten Talenten eine Bühne bieten. "Wenn immer überall die gleichen Sachen gespielt werden, sollte ein Festival unserer Größe versuchen, ein Alternativprogramm zu bieten", befand etwa Helge Augstein, Programmorganisator des Internationalen Musikfests in Kreuth, und lud neben erfahrenen Künstlern in diesem Jahr wieder einige vielsprechende junge Musiker ein.

Die aufsteigende Pianistin Olga Scheps etwa. Erste internationale Aufmerksamkeit bekam sie durch ihre sensible, fast zärtliche Interpretation von Chopin. Dessen zweites Klavierkonzert gibt sie in Kreuth zusammen mit dem bewährten Stuttgarter Kammerorchester. Gut eingespielt ist das Ensemble inzwischen: Vor einem Jahr bereits brachte man Chopin in einer vielbeachteten Aufnahme zusammen auf CD.

Oder auch das Notos-Quartett, das zwar sehr reife Musik macht, sich bei seinen Klavierquartetten von Brahms, Strauss und Beethoven, die auf dem Festival zu hören sein werden, aber seine jugendliche Frische bewahrt hat und unglaublich kraftvoll und lebendig spielt.

Jung ist auch das Klarinetten-Duo Alexander und Daniel Gurfinkel, die in diesem Jahr Artists in Residence sind und gleich bei vier Auftritten mitwirken. Die beiden Israelis Anfang 20 sind nicht nur Brüder, sondern sogar Zwillinge - und auch in ihrer Musik enger miteinander verbunden, als es ein Duo oft vermag. In ihrer Klangfarbe wirken sie wie aus demselben Guss, sehr harmonisch und stellenweise mit einer virtuosen Synchronizität. Man vermag kaum zu unterscheiden, wo der Klang des einen aufhört und der des anderen anfängt. Wie gut die Hälfte der Künstler sind die Klarinettenzwillinge bereits in der Vergangenheit beim Festival in der Tegernseegemeinde aufgetreten. Gerade noch nicht so bekannte Musiker hätten so die Möglichkeit, sich nach und nach beim Publikum zu etablieren, so Organisator Augstein.

Neben dem Fokus auf junge Künstlern habe sich ein zweiter Schwerpunkt des Festivals eher zufällig ergeben. Man habe die Musiker gefragt, was sie spielen wollten, berichtet Augstein. Dabei habe sich gezeigt, dass gerade Schubert bei den Künstlern derzeit hoch im Kurs zu stehen scheine. So gibt es bei den insgesamt zehn Konzerten einiges von dem österreichischem Komponisten zu hören: Zum Eröffnungskonzert Schuberts heiteres "Forellenquintett" mit einer Lesung aus Peter Härtlings Schubert-Roman von Olaf Bär, dazu Schubert-Lieder, gesungen von der Sopranistin Anja Züger. David Fray gibt einige Tage später seine sensible Interpretation verschiedener Klaviersonaten des Wiener Komponisten und schließlich spielt auch das Gustav-Mahler-Jugendensemble, das aus Mitgliedern des gleichnamigen renommierten Orchesters zusammengesetzt ist, bei ihrem Konzert neben Beethoven auch ein Oktett Schuberts.

Einen ungewöhnlichen Schlusspunkt setzt das Ensemble La piccola banda dem inzwischen 26. Festival in Kreuth: Neben vier Streichern spielen bei dem Septett auch eine Harfe, ein Akkordeon und ein Saxofon mit - eine recht unkonventionelle Besetzung. Unbekanntes Terrain für die Ohren, erfrischend junge Klänge - anders eben.

26. Internationales Musikfest Kreuth, ab Dienstag, 11. August bis 22. August, Festsaal Wildbad Kreuth, Wildbad Kreuth 2, 21 83 73 00