Von Andreas Bernard

Wenn das ZDF-"Sportstudio" ein Großstadtrestaurant ist, dann ist "Blickpunkt Sport" des Bayerischen Rundfunks die Wirtschaft eines Dorfvereins. Schade, dass sie nun einen langen Betriebsurlaub macht.

Am späten Montagabend sind auch leidenschaftliche Fußballfans gesättigt von den Bildern des Wochenendes. Die wichtigsten Tore der Bundesligaspiele wurden schon zum siebten oder achten Mal gezeigt; jeder Pass ist bekannt, jeder Laufweg der Spieler vor der entscheidenden Szene.

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Sogar am Montag um 20.15 Uhr gibt es seit einigen Jahren die Gelegenheit, noch ein Spiel der Zweiten Liga zu sehen. Und dennoch steht - zumindest für die bayerischen Zuschauer - einer der größten Pflichttermine der Berichterstattung noch aus. Immer montags um viertel vor zehn am Abend beginnt "Blickpunkt Sport", jene Sendung im Bayerischen Fernsehen (BR), die das Sportwochenende seit dreißig Jahren abschließt, mit der Sorgfalt und Verlässlichkeit einer notariellen Beglaubigung.

Im deutschen Fernsehen etwas Außergewöhnliches

In den vergangenen Tagen wurde gemeldet, dass sich "Blickpunkt Sport" infolge der Finanzprobleme beim BR bis Mitte August in der Sommerpause befindet.

Kurzzeitig gab es sogar Spekulationen darüber, ob die Sendung überhaupt weiterhin im gewohnten Format ausgestrahlt wird. Diese Sorgen haben sich als unbegründet erwiesen: eine gute Nachricht für jeden Sportfan, denn die einstündige Sendung, inzwischen von Isabella Müller-Reinhardt, Waldemar Hartmann und Markus Othmer moderiert, ist im deutschen Fernsehen etwas Außergewöhnliches.

Doch woher rührt die besondere Anziehungskraft von "Blickpunkt Sport"? Der Autor Jochen Wagner schrieb über das "Aktuelle Sportstudio" im ZDF einmal den schönen Satz: "Solange ich jeden Samstagabend die jazzige Erkennungsmelodie höre, gibt es für mich keine Orientierungskrise."

Gefühl der Geborgenheit

Mit mindestens ebenso großer Gültigkeit traf diese Einsicht jahrelang auf das Intro von "Blickpunkt Sport" zu, auf das schnelle Synthesizer-Thema und die Bilder von den ineinander übergehenden Fuß-, Tennis- und Basketbällen. Vor dem Fernseher stellte sich montags um 21.45 Uhr augenblicklich ein Gefühl der Heimat ein, der Geborgenheit.

Vielleicht besteht der Reiz dieser Sendung vor allem darin, dass sie im hochprofessionalisierten, immer abstrakteren Sportbetrieb den Eindruck erweckt, als wäre alles noch überschaubar, wie unter Freunden zu regeln.

Blickpunkt Sport überführt das Millionengeschäft beim FC Bayern, TSV 1860 oder 1. FC Nürnberg Montag für Montag in ein trautes, heimeliges Gespräch, und sogar ein zwielichtiger Weltkonzern wie die Formel 1 bekommt jedes Mal, wenn die bayerische Fahrerlegende Joachim "Striezel" Stuck zu Gast ist, etwas Familiäres.

Bei einem Punsch

Die Sphäre des Leistungssports, ansonsten zwischen Top-Management und Showbusiness angesiedelt, schrumpft zu Stammtischgröße - und das ist sogar wörtlich zu nehmen, wenn man an die traditionelle Jahresabschluss-Sendung von Blickpunkt Sport denkt, bei der die Moderatoren mit Größen des Wintersports bei einem Punsch zusammensitzen.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum von den Aussagen der Sportler und Funktionäre in "Blickpunkt Sport" eine größere Glaubwürdigkeit ausgeht als bei anderen Sportsendungen.

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