Von Jennifer Fraczek

Nach mehr als fünf Stunden hat er es geschafft: Kandidat Martin trug bei "Schlag den Raab" den Sieg davon und eine halbe Million Euro mit nach Hause.

Zum sechsten Mal hat sich "TV Total"-Moderator Stefan Raab einem Zuschauer im direkten Duell gestellt. Drei zu zwei für Raab stand es nach den bisherigen Ausgaben der Pro-Sieben-Show und insofern trat der Moderator gewohnt selbstbewusst und locker auf.

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Musste seine dritte Niederlage bei "Schlag den Raab" einstecken: "TV Total"-Moderator Stefan Raab. (© Foto: dpa)

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"Die perfekte Kampfmaschine" fühlte sich nach seiner Niederlage vom Juni zwar noch "etwas angefressen", dennoch ging der selbsternannte Alleskönner (Turmspringer, Boxer, Pokerprofi und Wokpilot) auch in diesen Zweikampf hochmotiviert wie immer.

Sein Gegner: Der Polizeibeamte Martin, der nach der 45-minütigen Kandidatenauswahl vom TV-Publikum unter den fünf potentiellen Raab-Kontrahenten auserkoren worden war, den Raab zu schlagen - und es dann auch vollbrachte.

Zugute kam ihm dabei seine körperliche Fitness, denn in den meisten Sportdisziplinen hatte der Mannschafts-Vizeweltmeister im Polizeifünfkampf, was denn auch zu einem der Lieblingsworte Stefan Raabs in der Sendung avancierte: die Nase vorn.

Die Nase spielte auch eine wichtige Rolle bei einer der vernichtendsten Niederlagen, die Raab in diesem Duell erleiden musste: In einem Riechspiel versagte er komplett, erriet nur zwei der 15 möglichen Substanzen und forderte wiederholt die Zuschauer auf, die "unfassbar schwierige" Aufgabe selbst auszuprobieren.

Woraufhin Kandidat Martin antrat, die ersten drei Substanzen auf Anhieb richtig erriet, und freudig jene Punkte einsackte, die in jeder Spielrunde an den Sieger vergeben werden. Das Spiel zeigte: Nicht jeder der fünf Sinne ist bei Stefan Raab gleich gut ausgeprägt.

Zeitweilig auch nicht alle Sinne beisammen hatten offenbar die Entwickler der einzelnen Disziplinen. Nicht nur Stefan Raab fragte sich bisweilen: "Wer hat sich das nur ausgedacht?".

Ein Tiefpunkt war gegen Mitte des Spielemarathons erreicht, als Moderator Matthias Opdenhövel sich bei der Disziplin "Menschenkenntnis" in mehrminütigen Erklärungsarien ergehen musste, weil sich das Konzept als etwas zu komplex vor allem für Stefan Raab entpuppte. "Was ist das denn für ein Scheißspiel?", war seine Reaktion auf die etwas krude Idee, fünf Menschen aus dem Publikum herauszusuchen und abzuschätzen, wer den niedrigsten Puls hat und wer die höchste Temperatur.

Zu den amüsanten Momenten der Sendung gehörten: Das Erraten von Fernsehmelodien (ein Heimspiel für TV-Profi Raab) und das technisch anspruchsvolle Hammerwerfen. Auch die Auftritte von James Blunt, der Sportfreunde Stiller und von Monrose sorgten für angenehme Abwechslung.

Dennoch überwogen die Längen und je später der Abend, desto bemühter sahen alle Beteiligten aus. Der arrivierte Radiomoderator Hansi Küpper, der die sportlichen Disziplinen kommentierte, wirkte beim "Memory"-Spiel, das alleine fast 30 Minuten dauerte, als hätte man ihn eben aus dem Tiefschlaf holen müssen. Auch Ex-"TV Total"-Showpraktikant Elton erweckte den Eindruck, als wolle er seinen Auftritt für die Spielrunde "Blamieren oder Kassieren" so kurz wie möglich halten.

Zur Eile trieb schließlich auch Matthias Opdenhövel, als Stefan Raab einmal mehr beim Anlegen der Sportkleidung trödelte. Um so überraschender, dass gegen Ende - als auch nicht mehr nach jeder zweiten Disziplin eine Werbepause eingeschoben wurde - doch noch so etwas wie Spannung aufkam.

Aufgrund des ausgefeilten Punktesystems (für das erste Spiel bekommt der jeweilige Rundensieger einen Punkt, für das zweite zwei, für das dritte drei und so fort) stand es nach der 15. Runde 60 zu 60 - ein Novum in der noch nicht allzu langen Geschichte der Show und natürlich ein Grund, eine weitere Disziplin aus dem Hut zu zaubern: Das Dosenwerfen brachte Kandidat Martin den Sieg und den Zuschauer das Ende eines langen Fernsehabends.

Am 3. November kommt bereits die nächste Ausgabe von "Schlag den Raab". Sie wird wieder mitreißende und langatmige Momente haben, gelungene und weniger gelungene Spiele. Jedoch könnte es nicht schaden, wenn sich die Entwickler nächstes Mal zu Herzen nehmen, dass weniger manchmal mehr ist.

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(sueddeutsche.de)