Von Franz Baden

Mit abenteuerlichen Brillen und Talkshows auf RTL wurde sie bekannt, aber auch unglücklich. Nun ist Ilona Christen mit 58 gestorben.

Ihr schlimmster Moment war, als zwei Freundinnen im Studio auspackten. Die eine bekannte, den Ehemann der anderen verführt zu haben - dann trat der untreue Gatte auf und erzählte, er sei in Wahrheit schwul. Da heulte sein anwesender Sohn auf und rannte aus der Fernsehkulisse.

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Ilona Christen: 1999 verabschiedete sich die Journalistin zermürbt vom dauernden Quotendruck und der Trash-Realität von der TV-Öffentlichkeit. (© Foto: dpa)

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So ging es zu in den besten Tagen des Privatfernsehens, als RTL den Nachmittag zur Talkshowbühne machte. 1991 brachte der Kölner Sender "Hans Meiser" - und ein Jahr später war Ilona Christen dran, die berühmteste Brillenschlange Deutschlands. Ihre extravaganten Gestelle erreichten Kultstatus, und ihre Sendungen machten Quote.

Natürlich zog die Enthüllung, der Ehemann sei untreu und in Wahrheit homosexuell so gut, dass sich RTL bedankte. Ilona Christen aber hat diese Art von Popularität weniger behagt. Kritisch beäugt von Medienwächtern moderierte sie ihre Gesprächsrunden zu allen denkbaren Streitthemen - von Seitensprüngen über Psychopillen bis Amalgamfüllungen.

Sie verdiente dabei gut, da sie "Ilona Christen" - wie auch zwischenzeitlich "Sabrina" mit Sabrina Staubitz - selbst produzierte.

Tödliche Blutvergiftung

Doch schon 1999 verabschiedete sich die Journalistin zermürbt vom dauernden Quotendruck und der Trash-Realität von der TV-Öffentlichkeit und zog sich mit ihrem Mann ganz in die Schweiz zurück. Dort starb sie vergangene Woche im Alter von nur 58 Jahren. Ein simpler Sturz wurde ihr in ihrem Wohnort Ennetbürgen am Vierwaldstättersee zum Verhängnis, wie Ehemann Ambros Christen dem Schweizer SonntagsBlick berichtete.

Aus einem Hämatom entwickelte sich eine Blutvergiftung, gegen die sich ihr Körper nicht mehr zu wehren wusste. "Als sie ging, schien es, als ob sie schon abgeschlossen hätte", sagte der Witwer: "Die nötige Kraft und Robustheit haben ihr nun gefehlt, um den tödlichen Verlauf der Krankheit abzuwehren."

Ihre Karriere begann die 1951 in Saarbrücken geborene Journalistin zwischen 1966 und 1969 als Fotografin. Dann arbeitete sie als Film-Cutterin und Bildmischerin beim Saarländischen Rundfunk - um 1973 dort als nach eigenen Worten erste bebrillte Fernsehansagerin in Deutschland Schlagzeilen zu machen. Einem breiten TV-Publikum bekannt wurde sie 1986 mit der Moderation des ZDF-"Fernsehgartens". Es war der Durchbruch in ihrer TV-Karriere.

Menschliche Abgründe

1993 dann machte der Privatsender RTL sie zum weiblichen Pendant des Urvaters der nachmittäglichen Talkshow, Hans Meiser. "Sie packt es an", hieß es im RTL-Werbefilm zur neuen Sendung "Ilona Christen": "Spontan, temperamentvoll, mitfühlend". Und Christen selbst umschrieb ihr Konzept ähnlich schlicht: "Typen und Themen, das Leben als Abenteuer, und das Beste daraus machen."

Sechs Jahre lang unterhielt sie sich fernsehöffentlich über harmlose Alltagsthemen ebenso wie über menschliche Abgründe. Dabei pendelte sie immer zwischen ihrem Wohnort in der Schweiz und dem Studio in Köln. Zwei Shows mussten täglich gefertigt werden - und Ilona Christen lieferte immer wieder aufs Neue Belege über die Untiefen des Alltags. Sie wurde mit der "Goldenen Kamera" und dem "Bambi" ausgezeichnet, doch Glück brachten solche Trophäen nicht.

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