Von wegen Befreiung: Warum Highheels noch lange kein Zeichen für Emanzipation sind und das Kopftuch nicht unbedingt die Unterdrückung der Frau bedeutet.
Die einen sind fast nackt, die anderen fast gänzlich bedeckt. Aber nur der verhüllte Körper erhitzt die Gemüter und die Debatten, der unbekleidete ist uns keine öffentliche Erregung wert.
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Schleier statt Minirock: In der Wüste von Abu Dhabi beugen sich selbst die angeblich so emanzipierten Damen aus Sex and the City den Landessitten. Auf ihrem ureigenen Terrain New York gehören sie eher zu einer Spezies, die sich mit Vorliebe halbnackt zeigt. (© Verleih)
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Als die muslimische Frau in der Öffentlichkeit sichtbar wurde, verwandelte sie sich in ein Problem. Sichtbar ist sie erst, seit sie begonnen hat, ihren Körper zu verstecken und damit selbstbewusst aufzutreten. Das tut sie nun seit einigen Jahren. Vorher verursachte sie keine Aufregung, keine Schlagzeilen und kein Engagement.
Dabei erschwert ihr diese Aufmachung Leben und Alltag beträchtlich. In den Arbeitsämtern gelten Kopftuchträgerinnen als schwer vermittelbar. In der U-Bahn und im Park sind sie Anfeindungen ausgesetzt, im Kino und im Supermarkt erklären ihnen wildfremde Personen, diese Kleidung sei unpraktisch, gar unhygienisch. Gleichzeitig hält man sie für dumm. Man redet in ihrer Gegenwart über sie, als ob sie nicht da wären und als ob sie nicht verstünden, was man über sie sagt. Wollen sie also eine Arbeit finden oder auch nur in Ruhe gelassen werden, tun sie gut daran, ihre Körperinszenierung den ortsüblichen Gepflogenheiten anzupassen. Dann gelten sie als gut integriert. Genau genommen unterliegen Musliminnen hierzulande dem Zwang, das Kopftuch nicht zu tragen.
Die paternalistische Befreiung
Alle möglichen gesellschaftlichen Gruppen sind angetreten, in paternalistischer Manier muslimische Frauen aus ihrer Unterdrückung und ihrer Verhüllung freizukämpfen: Rechtspopulistische Politiker, Boulevardblätter, Feministinnen, Sozialdemokratinnen, erzkonservative Katholiken, Ex-Muslime. Es eint sie der Glaube, Musliminnen seien unterjocht von ihrer Religion und von ihren Männern. Sie sind sich auch darin einig, die Kopfbedeckung nicht deswegen abzulehnen, weil sie ein religiöses Symbol sei. Die weibliche Verhüllung wird vorgeblich verdammt, weil sie ein Instrument der Unterdrückung der Frau sei.
Fast wäre man versucht, den Umkehrschluss zu ziehen und weibliche Nacktheit als Symbol weiblicher Freiheit zu deuten. Aber welchen Zwängen unterwerfen sich nicht konform-westlich denkende Frauen für den Auftritt in der Öffentlichkeit? Hohe Absätze, hautenge Jeans, frieren in der Kälte, ein Leben lang hungern, alles um den Körper vorzeigbar zu machen, dazu ständige Kontrolle, ob die Haarsträhnen richtig liegen, ob der Busen richtig steht, ob die Träger sitzen.
Aber der Muslimin, die Körper- und Haarpracht unter wallenden Gewändern verborgen hält, wird unterstellt, sie sei unfrei. Dass es immer mehr Musliminnen gibt, die öffentlich dazu stehen, dass sie ihr Kopftuch gern und freiwillig tragen und dies gar nicht so selten gegen den Willen von Vätern, Brüdern, Ehemännern, Söhnen, wird überhört.
Es lebe die Aufklärung
Wir sind so stolz auf die Aufklärung, und dem Islam wird vorgeworfen, dass er keinen Voltaire hervorgebracht habe. Doch wer die verhüllten Körper aus den öffentlichen Räumen verbannt sehen will, kann sich nicht auf die Aufklärung berufen. Säkularisierung bedeutet nun einmal die Autonomie des Individuums, das Recht der freien Entscheidung. Was die einen dem männlichen Blick vorenthalten, drängen die anderen ihm auf.
Da werden Leiber für die Öffentlichkeit entblößt, laufen nur mit ein paar Stoffstreifen herum, die die wesentlichen Körperteile weniger verhüllen als zur Schau stellen. Wichtig ist, dass die knappen Winzigkeiten klangvolle Erzeugernamen tragen und zu überhöhten Preisen erworben werden. Damit demonstrieren junge Frauen, wie frei und selbstbestimmt sie agieren. Keine Männer zwingen ihnen Kleidungsstücke auf. Das mag sein. Sie dürfen gerne halbnackt herumlaufen.
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Er will kein Anführer sein, gilt aber als solcher: David Graeber über Schulden, die USA und die Gründe für den Erfolg der Occupy-Bewegung. Feuilleton. Jetzt lesen ...
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München nach dem Champions-League-Finale
Sie bekommen es wirklich nicht hin, aus einer Krähe einen Schwan zu machen. Lesen Sie deren Kommentare zu jedwedem Thema, dann werden sie Ihre nachdenklichen Antworte in die Bedenklichen einordnen.
Da kann man noch so lange diskutieren, diese Vorschriften Burka oder Kopftücher etc. sind pure Unterdrückung eines Geschlechts, des Weiblichen. Da hat sich vor grauen Zeiten jemand etwas ausgedacht um unantastbar zu sein. Das so etwas noch 2010 diskutiert wird ist genauso schlimm wie die Tatsache als solches. Es ist einfach nicht fassbar. Es gibt nicht einen stichhaltigen, nachweisbaren Grund dafür, dass man Frauen so etwas antut. Man stelle sich vor es wäre umgekehrt.
Der Unterschied zwischen "westlicher Nacktheit" und "muslimischem Kopftuch" ist, dass im Westen die Frau nicht gezwungen wird, möglichst viel Haut zu zeigen.
Wenn sie will, zeigt sie halt weniger Haut.
Von "gesellschaftlichem Druck zur Nacktheit" innerhalb der westlichen Gesellschaft zu sprechen, wie dies einige tun, halten ich für nicht realitätsnah.
In islamischen Gesellschaften ist die Frau gezwungen, zu mindestens den Kopf zu verhüllen.
Islamische Gesellschaften, die der Frau bezüglich Kopftuch die Freiheit gewähren wie westliche Gesellschaften dies bei der "Nacktheit" tun, sind akzeptabel.
Zwang ist kein legitimes Mittel.
thurner schreckt nicht davor zurück, die Idee der Aufklärung zu verunstalten.
"Doch wer die verhüllten Körper (doch wohl eher: die shariatische Geschlechterapartheid, Anm.) aus den öffentlichen Räumen verbannt sehen will, kann sich nicht auf die Aufklärung berufen. Säkularisierung bedeutet nun einmal die Autonomie des Individuums, das Recht der freien Entscheidung...
Auflärung ist der Ausgang des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist die Unfähigkeit, sich des eigenen Verstandes ohne Hilfe eines Anderen zu bedienen.
Ich meine, Religion (-Kult der Offenbarung, glauben was man vorgesetzt bekommt) ist dem Denken ohne Anleitung diametral entgegengesetzt.
Wie Sie die Aufklärung zur Verteidigung des Kopftuchs, der explizit religiös motivierten Kleidungsvorschrift (eines von Männern aberwitzig schlecht erfundenen Gottes) zur Bedeckung der Haare*, anführen wollen, bleibt ihr Geheimnis.
Sehr geehrte Frau Thurner,
auf all´ die gewohnten Kommentare möchte ich erst gar nicht eingehen... denn ich betrachte all´ diese Menschen als Opfer
1- der Mainstreammedien
2- der Bequemlichkeit nicht selber denken zu müssen
3- ihrer fehlenden Selbstreflektion "wenn ich andere schlecht mache, muss ich nicht über mich nachdenken"
Ich als Muslimin, die auf die Bekleidungsvorschrift ihrer Religion (es gibt übrigens Bekleidungs- und Verhaltensvorschriften für BEIDE Geschlechter!) achtet, massentauglich ausgedrückt ein Kopftuch trägt, kann sie nur für Ihren Mut und ihre offene und vorurteilsbefreite Herandgehensweise loben! Sie sprechen mir aus der Seele....
Wir - ja wir Muslime lesen auch wie alle anderen in D lebenden Menschen Zeitungen und Nachrichten - haben bedauerlicherweise stets den Eindruck, wenn wir Medien konsumieren, als wären wir nicht ein Teil dieser Gesellschaft und keiner mache sich die Mühe mal um die Ecke zu denken.... Sie haben - auch wenn nur als Seltenheit - mit diesem Artikel das Gegenteil bewirkt. Ich danke!
Mit herzlichen Grüßen aus der wunderschönen Hauptstadt - meinem geliebten BERLIN
Fatma
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