Nach dem College schrieb sie für ein alternatives Ostküstenblatt Filmkritiken, wollte sich eigentlich für ein Jurastudium einschreiben, danach in die Politik gehen. Bis dahin hatten sie und ihr Vater kaum Kontakt. Hugh Hefner war zu Hause ausgezogen, als sie gerade zwei war. Ihre Mutter heiratete erneut, mit ihrem Bruder wuchs Christie in einem Nobelvorort Chicagos auf, Klavier-, Gesangs-, Oboenunterricht inklusive. Nach ihrem Studium dann fragte ihr Vater, ob sie sich seinen Laden nicht mal von innen anschauen wollte. Ein, zwei Jahre, einfach so. Sie blieb.
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Heft wie Hef sind längst zu Ikonen geronnen, selbst Kunstverlage wie Taschen oder Schirmer&Mosel bringen mittlerweile Reprint-Ausgaben heraus. Diese Ikonen sind jedoch noch immer stark genug, dass das Lifestyle- und Multimedia-Imperium, das Christie Hefner aus Playboy Enterprises gemacht hat, davon zehren kann. Nachdem sie die Führung übernommen hatte, räumte sie erst einmal auf. Und betrieb strategische Markenstärkung, wie es in Managersprache heißt. Sie schloss zunächst einmal die unrentablen Clubs, an denen ihr Vater so hing, der einzige Moment, so wird kolportiert, wo es geschäftlich zwischen den beiden richtig gekracht hat. "Damals gab es sogar Playboy-Luftbefeuchter", sagt sie.
Heute gibt es Playboy-Entertainmentwelten mit Comedy, Wellness, Spielhallen und Hotel, wie der Club in Las Vegas, der nächste, noch größere, soll Ende 2009 in Chinas Sonderverwaltungszone Macao eröffnet werden. Im September 2007 eröffnete in Londons Oxford Street ein Flagship-Store, auf über 1000 Quadratmetern findet sich alles, von Abendkleidern über Golf-Tees bis hin zu Eiswürfelbehältern mit Hasen-Motiv - Hefte liegen hier nicht aus. Und dann sind da noch die Unternehmensanteile an Jenna Jameson, Spice und Adult.com, die Playboy nach und nach eingekauft hat. Dahinter steckt sogenanntes Adult Entertainment, also Pornographie. Es sind Inhalte der etwas härteren Sorte, mehr als "fun, sexy entertainment".
"Fun, sexy entertainment", das ist Christie Hefners Marken-Mantra. Das Wort Pornographie will sie in ihrem Umfeld nicht hören. Erotik - okay, Romantik - unbedingt. Playboy sei vor allem Lifestyle. Playboy sei eine starke Marke, sagt sie, "a brand". Andere Männermagazine seien keine Marke, sie seien schlicht Magazine, findet sie. "Unsere Leser sammeln die Hefte, statt sie zum Altpapier zu werfen", sagt Hefner. Männermagazinleser sind Leser. Playboy-Kunden sind Fans.
Junggesellenabend
"Den Unterschied merkt man schon, wenn man sich fragt: Auf welche Party würde ich gehen, wenn ich die Wahl habe zwischen einer Playboy-Party, einer Maxim-Party, oder einer Hustler-Party?", erklärt sie. "Die meisten wollen zu uns, weil sie wissen, dass das die coolste Fete ist." Ursprünglich sollte das Heft Stag-Party heißen, Junggesellenabend.
Heute tragen Teenager-Mädchen T-Shirts, auf denen sich das Häschen-Logo über ihren Brüsten spannt, sie tragen den Hasenkopf mit Fliege an Ohrringen oder Halsketten. Den Vorwurf, Playboy würde Frauen als Objekte behandeln, reduziert auf Brüste und Body, kann Christie Hefner nicht mehr hören. "Wer das sagt, weiß nicht, wovon er spricht!", zum ersten Mal durchbricht Aggression den professionellen PR-Tonfall. Und sie hebt ihren Blick.
Die heutige Generation profitiere schließlich von den Erfolgen der sexuellen Revolution und der Frauenbewegung. "Als ich aufwuchs, durfte man als Frau weder kurze Röcke noch Schminke tragen, wenn man ernst genommen werden wollte", sagt sie. Heute sei es für junge Frauen selbstverständlich, auf gleichen beruflichen Chancen zu beharren, und sich dennoch sexy anziehen zu wollen. "Ich kenne kein Medium, das Frauen so positiv darstellt, wie wir. Wir feiern die Sexiness von Frauen und ihre Attraktivität für den heterosexuellen Mann."
Befreiungsschlag für eine ganze Generation
Als das Heft zum ersten Mal erschien, sagt sie, galt diese Einstellung als revolutionär. "In den fünfziger, sechziger Jahren war Playboy ein Rebell", sagt Christie Hefner. "Es war der Befreiungsschlag für eine ganze Generation. Das Heft entstand um eine geradezu subversive Idee: Es ging um Verspieltheit, Vergnügen, persönliche Freiheit, individuelle Rechte - alles Dinge, die sich weder in den Einstellungen der Menschen noch in den Gesetzen der USA spiegelten", sagt Hefner.
Und schiebt grinsend hinterher: "In vielem hat Amerika mittlerweile mit uns gleichgezogen." Sie meint das ernst. Vielleicht hat Christie Hefner diese individuelle Freiheitsliebe so verinnerlicht, dass sie auch ihren Vater einfach seinen bizarren Eskapismus leben lassen kann.
Die Affinität zur Politik, das gesellschaftliche Engagement waren es auch, die Christie Hefner damals, Anfang 20 doch bei Playboy bleiben ließen. Anders als Verlage wie Burda oder Holtzbrinck, Haymarket oder Meredith, besitzt Playboy kein Titel-Portfolio, das sich auch für eine politische Ausrichtung einsetzen ließe. Also setzt Hefner auf die Verbreitung der Marke, weiß um die Macht von Geld. Ihr Mann ist Ex-Senator von Illinois, er ist im Immobiliengeschäft.
Christie Hefner kämpft für Abtreibung, gegen die konservative Rechte, für die Rechte von Homosexuellen, baute bereits Anfang der achtziger Jahre mit dem Core Center eine der ersten Forschungs- und Betreuungseinrichtungen für Menschen mit HIV. Sie gründete mehrere Frauennetzwerke, unter anderem Emily's List, das die Karriere demokratischer Politikerinnen unterstützt. Das geschieht nicht so relativ zurückhaltend wie bei Friede Springer und Angela Merkel. Nein, Hefner macht das offensiv.
Weder Bademantel noch Bunny-Kostüm
Als Hillary Clinton um einen Platz im New Yorker Senat kämpfte, war Christie Hefner eine ihrer glühendsten Fürsprecherinnen. Jetzt unterstützt sie ebenso offensiv Barack Obama. "Ich finde, er kann am ehesten Mehrheiten organisieren", sagt sie. Sie ist fest überzeugt, dass er es schafft. Den Einfluss, den sie mit Playboy im Hintergrund hat, setzt sie eiskalt ein. Wenn man das als subversive Strategie bezeichnet, grinst sie.
Es gibt noch etwas, das genauso wenig zu Christie Hefner passen mag wie die Lebenseinstellung, die der Bademantel verkörpert: ein Leben im Bunny-Kostüm. Fakt ist: Sie wäre selbst fast einmal einer geworden, in einem Bostoner Club, noch während ihrer College-Zeit. Sie musste Autoschulden abbezahlen. Doch der Manager entschied, dass das keine gute Idee wäre - sie war unter 21. In den USA zu jung, um Männern, die den Abend unter knapp bekleideten Frauen verbringen wollen, Alkohol auszuschenken.
Den "Bunny" trug sie dennoch im Namen: Sie wurde Assistant Bunny-Mother. Bunny-Mothers, das sind Frauen in der Personalabteilung, die von Anfang an für die Mädchen im Hasen-Smoking zuständig waren. Es sind die, die hinter den Kulissen die Fäden ziehen. Heute ist Christie Hefner die Mutter aller Bunnys.
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(sueddeutsche.de/ehr)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
In George Orwells Roman "1984" werden von der Regierung auch Einrichtungen mit dem Gegenteil bezeichnet, was sie eigentlich sind. So wird das Propagandaministerium Ministerium für Wahrheit oder die Folterkammer Ministerium für Liebe genannt. Es funktinoniert - der abgestumpfte und gleichgeschaltete Mensch schluckt diese billige Maskerade und ist vom wahren Zweck dieser Ministerien erfolgreich abgelenkt.
Dieser Effekt der gegenteiligen Benennung scheint auch hier kommentarlos hingenommen zu werden: das frauenverachtenste aller Medien, der Playboy, bezeichnet sich als Hort der Menschenrechte. Und jeder glaubt's.