Deutschland stirbt aus. Kein Wunder, bei den Familienbildern, mit denen Bücher, das Fernsehen und der Alltag einen täglich belästigen.
Drei Arten gibt es in Deutschland, das Thema Familie zu verhandeln, den Schocker, den Kitsch und das Verschweigen. Der Demographieschocker ist bislang vor allem ein literarisches Genre, wobei man sich nach Frank Schirrmachers Erfolgen gut vorstellen kann, dass Hollywood das Thema bald entdeckt, mit hungrigen Altenhorden, die Jagd machen auf die letzten fünf deutschen Kinder. Es ist auch nur noch eine Frage der Zeit, bis erste Fachbuchhandlungen auftauchen, die sich "Methusalem", "Feierabend" oder "Bücherfriedhof" nennen, so wie es in den Achtzigern Fachbuchhandlungen für das Waldsterben und den allgemeinen Weltuntergang gab.
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Wer nicht genug Kinder kriegt, wird ärmer sterben als ein russisches Mütterchen und so einsam wie die Häftlinge in Guantanamo. (© )
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Die einschlägigen Bücher zur Demographie stehen heute im Buchladen da, wo früher die Frauenliteratur zu finden war und verdrängen in ihrem reaktionären Duktus auch inhaltlich das meiste, was Emanzipation und sonstige Aufklärung eigentlich längst für unhinterfragbar hielten. Frauen tauchen darin als "sozialer Kitt" und Empathiemaschinen auf, Kinder nur in Form mathematischer Zombies, als "200000 ungeborene Kinder pro Jahr" nämlich. Diese menetekelhaft wiederholte Formel erinnert in ihrem grimmigen Appellfuror an die Pfarrer, die pubertierenden Jungen das Onanieren austreiben wollen, indem sie ihnen vorrechnen, dass dabei jedes Mal 100 Millionen Spermien in einem Taschentusch verenden.
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Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
auf den Taschentusch...