Von Andreas Blühm

Was die Tate und die Pinakothek tun, muss ja richtig sein: Warum in deutschen Museen so schlechtes Licht herrscht. Ein Museumsdirektor berichtet.

Vor kurzem veröffentlichten die skandinavischen Künstler Michael Elmgreen und Ingar Dragset ihre Fotoserie "Deutsche Museen". Die Fotos zeigen allesamt leere und lichterfüllte Räume. Ihr Minimalismus und derjenige der Architekturen drücken Erhabenheit aus. Entsprechend lautet die Erläuterung der Aufnahmen: "Der Blick fällt in großzügige, leere Räume. Die in der Zentralperspektive aufgenommenen Fotos und das gleißende Licht verleihen den Räumen eine nahezu sakrale Wirkung. Weiße Glasdecken schweben wie Heiligenscheine über den spiegelnden Fußbodenflächen . . . (Die Fotoserie) visualisiert, wie mittels Licht und Architektur die Aura der Kunstwerke noch gesteigert wird."

Der Terror der Neonröhre - warum in deutschen Museen so schlechtes Licht herrscht

Wo ist die Kunst? Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna. (© Foto: dpa)

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Kunstwerke? Stören!

Einspruch! Die eindrucksvolle Fotoserie dokumentiert alles Mögliche, aber nicht die Aura der Kunstwerke. Die sind gar nicht zu sehen. Wenn Kunst zu sehen wäre, dann würde man merken, dass die Räume und deren Beleuchtung die Aura nicht steigern, sondern vernichten. Die Kunstwerke würden stören.

Der unbeabsichtigte Nebeneffekt der Fotos ist nämlich, dass sie in ihrer Konzentration eine Tendenz der letzten Jahrzehnte entblößen: Das moderne Museumslicht fördert nicht die Betrachtung, sondern behindert sie. Es regt sich sogar der Verdacht, dass es bei den Museumsbauten gar nicht um die Präsentation von Kunst geht.

Kunst und Museen wurden in der Geschichte immer wieder Beleuchtungsexperimenten ausgesetzt, und nicht immer wirkte das Licht bei seiner Herstellung und am Bestimmungsort in gleicher Weise. Gehen wir aber ruhig davon aus, dass Maler seit Jahrhunderten das natürliche Tageslicht für ihre Arbeit bevorzugen. Das sich wenig wandelnde Licht aus dem Norden wird dabei als das ideale angesehen. Kunstlicht bestand bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts aus der Kerze, Öllampen, Talglicht, alles sparsame Flämmchen, die höchstens in großer Zahl stark auf die Kunstwerke einwirkten.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Lichttechnologie mit schnell aufeinander folgenden Schritten: Gaslicht, Petroleum, elektrisches Bogenlicht, Gaslicht mit Glühstrumpf, elektrisches Glühlicht. Linsen und Reflektoren differenzierten und bündelten den Lichteinfall weiter. Alle fünf bis zehn Jahre erlebte die Lichttechnik eine Revolution. Die Maler waren kaum in der Lage, der rasanten Entwicklung zu folgen. Waren sie an eine neue Quelle gewöhnt, konnten sie ihre Werke bald wieder in veränderten Lichtverhältnissen sehen. Jeder technologische Schritt warf ein anderes Farbspektrum auf die Bilder, mal mehr, mal weniger nah an der Situation im Atelier.

Klassisch ist der Fall der Salon-Ausstellung in Paris von 1879, als das grelle Bogenlicht auf die Bilder losgelassen wurde. Die Künstler protestierten dagegen vergeblich. Vincent van Gogh probierte, modern zu sein, als er eine Gaslampe im Gelben Haus in Arles installierte, um auch nachts arbeiten zu können. Beleuchtet man die Bilder mit dem Spektrum einer Gasflamme, sieht man ganz andere Farben.

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