Deutschland und der Eurovision Song - eine Pleite. Nun bemüht sich die ARD um eine Kooperation mit Stefan Raab: Doch wie soll das funktionieren?
Mit den üblichen 45 Minuten haben sich die Intendanten der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, kurz ARD, nicht zufrieden gegeben an diesem Mittwoch. Telefonisch einander verbunden in jener so oft verklärten Schaltkonferenz stritt die Gruppe mehr als zwei Stunden über ein Modell, für das es kein Vorbild gibt.
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Eurovision Song Contest: Stefan Raab und ARD, nur Zukunftsmusik? (© Foto: dpa (Archiv vom 11.05.2000))
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An diesem Montag war bekannt geworden, dass sich ARD-Manager wie Thomas Schreiber, 49, vom NDR eine Kooperation des gebührenfinanzierten Programms mit einem kommerziellen Kanal wie Pro Sieben vorstellen können. Es geht um den ehemaligen Schlager Grand Prix, den Eurovision Song Contest, den Schreiber als der für Show und Fiktion verantwortliche Mann beim NDR betreut. Vor allem geht es um eine Zusammenarbeit zwischen der ARD und dem Entertainer Stefan Raab. Raab, 42, erfindet nicht nur erfolgreiche Sendungen wie Schlag den Raab, er ist auch als Musiker und Produzent anerkannt.
"Unbestrittene Musikkompetenz"
In Köln hatten die Programmdirektoren der Landesrundfunkhäuser das Thema zu Wochenanfang bei ihrer Sitzung auf der Agenda. Einigkeit darüber, ob sich das Erste mit Pro Sieben und Raab verbünden sollte, erzielten sie nicht. Auch die Intendanten kamen zu keiner richtigen Beschlusslage: "Stefan Raab hat in den vergangenen Jahren bereits drei Mal am Eurovision Song Contest als Sänger, Komponist und Produzent teilgenommen - und dies jeweils mit einer Platzierung unter den besten Acht. Seine Musikkompetenz und hohe Professionalität sind unbestritten. Insofern wäre eine Kooperation zwischen der ARD und Stefan Raab sowie Pro Sieben reizvoll."
Vermittelt wurde das Stimmungsbild am Donnerstag auf Anfrage von der ARD-Programmdirektion, die Volker Herres, 51, seit November 2008 leitet. Herres war ebenfalls Teilnehmer der Schaltkonferenz, weshalb es sich ganz offiziell um eine so genannte "Fernsehprogrammkonferenz" handelte. Es seien, vermeldete sein Büro noch, "einige Fragen zu diskutieren, zum Beispiel die Einbindung der Pop- und Jugendprogramme der ARD. Wir sind zuversichtlich, die offenen Fragen zeitnah klären zu können" - bis Ende Mai, ist zu hören.
Das ist einerseits typisch für die ARD und andererseits in der Sache verständlich. Typisch, weil der föderale Fernsehbund nie schnellkräftige Entscheidungen trifft, sofern die Entscheidung in die Zukunft weist. Verständlich, weil es bisher keine Interessenlage gab, in der das Erste und ein privater TV-Veranstalter gemeinsam Programm veranstalten wollten.
Ein moderner Gedanke
NDR-Mitarbeiter Schreiber, in der ARD als Koordinator für die Unterhaltung zuständig, ist bekannt für seine kreative Kraft. Die fließt nicht immer in die richtige Bahn, aber Raab zu gewinnen und dafür ein bisschen Exklusivität abzugeben, ist natürlich ein richtiger, dynamischer und moderner Gedanke.
Das vorläufige Ergebnis der Intendantendebatte lässt auf eines schließen: auf Angst, bestenfalls auf Sorge. Die Zuhilfenahme Raabs könnte als Eingeständnis gewertet werden, dass die ARD eine komplizierte, aber sehr von den jüngeren Zuschauern angenommene Show wie den Eurovision Song Contest nicht alleine hinbekommt. Deshalb der Hinweis auf die Popwellen im Ersten, die einbezogen werden müssten. "Beim Jugendradio", sagt ein Intendant, "liegt unsere Musikkompetenz".
ARD-Hörfunk und Raab: Wie soll das funktionieren? Raab hat mit seinen Schlagerwettbewerbsparodien 2004 und 2007 nicht nur gut unterhalten, sondern auch Qualität geliefert (u.a. Max Mutzke). Ein Zusammengehen mit ihm, sagte der ARD-Vorsitzende und Chef des Südwestrundfunks, Peter Boudgoust, zur SZ, "könnte reizvoll sein, muss allerdings auch zu unseren programmlichen Vorstellungen passen. Da ist Klärung erforderlich."
Was heißt Klärung? Eurovision-Experte Schreiber hat sicher nicht nur einen Vorschlag gemacht, sondern sein Konzept vorgestellt. Vermutlich wird man das bei Pro Sieben kennen, ursprünglich war eine gemeinsame Pressekonferenz für Dienstagmittag dieser Woche vorgesehen. Konkret wird es darum gehen, wie der Vorlauf auf das deutsche Song-Contest-Finale aufgeteilt würde, welche stilistischen Sendeformen eingesetzt werden (Casting-, Mottoshow etc).
Ein Sender hat die Intendantenschalte am Mittwoch ausgelassen: der WDR. Monica Piel habe aus Termingründen gefehlt. Früher war der WDR eine in der Unterhaltung bedeutende kreative ARD-Einheit.
(SZ vom 22.05.2009/lala)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Möglichkeiten, wie erreicht werden kann, dass ein deutscher Beitrag mal wieder Erfolg hat:
Die Wertungen kommen nicht mehr aus einzelnen Ländern Europas, sondern aus Ländern wie China, Japan oder Korea. In diesen Ländern gibt es meines Wissens nach keine größeren Bevölkerungsanteile aus irgendwelchen europäischen Ländern dürften auch sonst relativ unbeeinflusst sein von nationalistischen Tendenzen zu bestimmten europäischen Ländern. Dies erscheint mir jedoch ziemlich aussichtslos.
Erfolgversprechender ist folgende Möglichkeit:
Die deutschen Beiträge kommen meines Wissens nach immer deswegen gesetzt ins Finale, weil die deutsche Sehbeteiligung so unheimlich wichtig für den Gesamtwettbewerb ist.
Die ARD könnte also noch weiter gehen und auf die anderen Eurovisions-Länder Druck ausüben, damit anerkannt wird, dass deutsche Beiträge aus jedem Land immer mindestens 5 Punkte bekommen müssen. Das ergäbe dann in Summe rund 200 Punkte, was in manchen Jahren schon zum Sieg gereicht hat, aber zumindest immer eine gute Platzierung verspricht.
Wenn die anderen Länder nicht einverstanden sind, zieht sich die ARD künftig soweit aus dem Wettbewerb zurück, dass deutsche Beiträge auch durch die Vorauswahl müssen. Da fliegen sie dann raus. In Deutschland bleibt das Finale dann nur noch in türkischen und sonstigen Migrantenhaushalten an und die Quote sinkt damit soweit, dass sich die Eurovisions-Partner damit auch nicht abfinden können.
So könnte es doch gehen.
...obwohl ich nicht glaube das er an seine bisherigen Erfolge wird anknüpfen können. Der ESC ist durch den Wahlmodus verkommen. Ist doch total nachvollziehbar, wer welche Punkte bekommt. Tendenziell wählen die Einwanderer hierzulande (und auch anderswo) die eigenen Länder, oder zumindest benachbarte. Da haben es die alten Länder tendenziell viel schwerer. Ich finde diesen Abstimmungsmodus unfair und blöd, weiß aber ausser einer Jury auch keine Lösung. Zumal die Veranstalter nie-niemalswieder auf diese Televotes verzichten werden. Da sprudelt das Geld doch nur noch so...
Wenn er cool ist, gibts eigentlich nur zwei Möglichkeiten, entweder er gewinnt, oder versaut es mit Ansage.
Wenn man aber bedenkt, mit was für Titel er relativ weit vorne landete, wird zweiteres echt schwer.