Vielleicht lässt sich ihr neues Album "Heart 4 Sale" ja in Amerika gut vermarkten, aber in Europa darf erst einmal der Norweger Alexander Rybak abschöpfen. Er scheint den Schlüssel gefunden zu haben. Sein Lied "Fairytale" ist ein fröhliches Folklore-Feuerwerk, am Bühnenrand sprühten dazu die Funken-Fontänen, flott spielte er die Geige, sang auch noch gut und so riss er mit seinem schmissigen Folkloresong ganz Europa mit.

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16 Länder gaben dem jungen Sänger in dem Kellner-Anzug die höchste Punktzahl. "Das war Weltklasse", sagt Alex Christensen, "er sieht gut aus, spielt gut, singt gut, ein Zauberkünstler".

Über den Sieger dürften viele Menschen in den westeuropäischen Ländern erleichtert sein. Rybak entkräftet den Vorwurf, vor allem die osteuropäischen Staaten bündelten kartellartig ihre Stimmen und schütteten sie ausschließlich über ihre jeweiligen Nachbarn aus. Norwegen kann nachbarschaftliche Beziehungen allenfalls zu Schweden, Finnland und im Nordostzipfel noch zu Russland pflegen.

Liveschaltung ins All

Russland hat als Gastgeber der Eurovision immerhin gezeigt, zu was es fähig ist. Ein aufwändiges, farbiges Bühnenspektakel hat es geboten, eine Liveschaltung zur Raumstation ISS und der Regierungsbeauftragte für den Musikwettbewerb, Alexander Barannikow, sagte, "wir haben allen bewiesen, dass Russland ein modernes und mächtiges Land ist". Europa werde es schwer haben, "uns beim nächsten Mal zu übertreffen".

Einige Homosexuelle konnten sich die Show allerdings wohl nicht mehr live ansehen. Sie wurden vorübergehend festgenommen. Es war Samstagmittag, als sich ein paar Dutzend Schwule trotz eines Verbots an den Sperlingsbergen versammelten, wo sich sonst Brautpaare vor dem Moskauer Panorama fotografieren lassen. Es waren nicht viele, und schnell wurden es noch weniger.

Den Organisatoren der Demo, Nikolaj Alexejew, packten gleich vier Sicherheitsbeamte an Händen und Füßen und brachten ihn in einen wartenden Bus. Auch der britische Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell wurde mitgenommen. Als letzten traf es einen Amerikaner aus Chicago. Die Protestparade war bereits aufgelöst worden, als er noch ein Interview gab. Die Traube der Journalisten um ihn herum war dicht, doch zwei Beamte nahmen ihn entschlossen mit. Im Bus wurde er von anderen Demonstranten mit Applaus begrüßt.

Die Organisatoren der Parade hatten an die Künstler der Eurovision appelliert, den Grand Prix in der Moskauer Olympiahalle zu boykottieren, aber dazu waren diese natürlich nicht bereit. Nur die niederländische Gruppe "The Toppers" hatte erklärt, sie würde im Finale aus Protest nicht auftreten, sollte die Schwulen-Demonstration von der Polizei aufgelöst werden.

Doch es kam gar nicht so weit, "The Toppers" schieden im Halbfinale aus, und so blieb die Bühne vor allem dem Norweger Rybak, den Sängerinnen aus Island, Aserbaidschan, der Türkei und Patricia Kaas überlassen. Sie nutzten sie - und Gastgeber Russland war rundum zufrieden. Auch wenn die russische Vertreterin nur Platz elf erreichte.

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  1. Zu viel Plastik war im Spiel
  2. Sie lesen jetzt "Norwegen war Weltklasse"
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(SZ vom 18.05.2009/dmo)