Hans Magnus Enzensberger hat Intelligenztests getestet und fragt: Ist Intelligenz wirklich messbar, oder ist der Versuch bloß ein alberner Zeitvertreib für die Spaßgesellschaft?
Beim Spaziergang über eine Wiese zeigte der alte Karl Popper, befragt nach der Messbarkeit von Intelligenz, auf ein Grasbüschel und raunzte: was man da denn messen wolle.
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Hat jede Menge Intelligenz-Quatsch im Internet gefunden: Hans Magnus Enzensberger. (© Foto: dpa)
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"Vielfältig wie das Gras", lesen wir jetzt bei Hans Magnus Enzensberger, sei auch die "Zwillingsschwester der Intelligenz", die Dummheit, der er einige ironisch-hymnische Verse widmet, angehängt an sein neues Bändchen "Im Irrgarten der Intelligenz".
Auf nicht mehr als 59 Seiten, mit links gewissermaßen, durchforstet er die anderthalb Jahrhunderte währenden Anstrengungen der Psychologen, dem, was man Intelligenz nennt auf den Grund zu kommen und durch Tests zu messen.
Über das, was man aus der Flut populärer und fachlicher Literatur bereits weiß, kommt freilich dieser nachfassende Überblick nicht hinaus; er akzentuiert indessen teils belustigt teils bitter die Widersinnigkeiten, die offenbar der Preis für das Experimentieren mit der Intelligenz sind.
Autor hinkt Debatte hinterher
Und diesmal hinkt der alerte Autor erheblich hinter den Geschehnissen her, denn der Höhepunkt der Debatten um die Intelligenz, am hitzigsten in den USA, liegt nun bald vierzig Jahre zurück, und das öffentliche Interesse daran ist, dessen ist sich Enzensberger auch bewusst, merklich abgeflaut und durch andere wissenschaftliche Moden verdrängt.
Überdies hat die schonungslose Selbstkritik der ernstzunehmenden Forscher zu einer Art Patt geführt. Desungeachtet stößt Enzensberger unter dem Stichwort "IQ" im Internet auf sage und schreibe 109.000.000 Tests, Albernheiten zu 99,9 Prozent, Zeitvertreib für die Spaßgesellschaft. Man hat sogar post mortem die IQs von Mozart, Da Vinci oder Shakespeare gemessen, über 140 IQ-Punkte erreichten sie; womit ihr Ruf als Genies "wissenschaftlich" bestätigt war.
Es gibt viel mehr Vokabular für Dummheit
Zunächst geht Enzensberger dem Bedeutungswandel des Wortes Intelligenz nach, vom altgriechischen "nus", Vernunft, über die lateinische "intelligentia" hin zur russischen "intelligenzija" bis zur Central Intelligence Agency CIA. In der deutschen Umgangssprache notiert er akribisch eine Fülle von Umschreibungen, wobei das Vokabular für Dummheit dasjenige für Intelligenz bemerkenswert übertrifft. Derart nuancenreich stufen wir ständig unsere Mitmenschen als intelligent oder dumm ein, ohne uns auf einen eindeutigen Nenner einigen zu können.
Enzensberger tut gut daran, uns zu erinnern, dass mit dem 20. Jahrhundert an die Stelle alter Tugenden wie Bescheidenheit, Treue, Tapferkeit die Intelligenz als Kardinaltugend getreten ist; so dass heutzutage, insbesondere unter Intellektuellen, gilt: lieber schlecht, aber intelligent als gut, aber dumm.
Zügig blättert Enzensberger darauf die Story der Intelligenzforschung durch, beginnend mit dessen Gründer Francis Galton (1860), gefolgt vom "milden" Alfred Binet, dem frühen Testkonstrukteur für retardierte Kinder, mit immer kritischeren Blicken auf die Neueren, die die Standards für die Intelligenzforschung vorgaben, wie Raven oder Spearman, und die Neuesten, etwa Guilford, Richard Herrnstein oder James R. Flynn, dessen "Effekt" darauf hinausläuft, unsere Vorfahren vor einem Jahrhundert seien erheblich dümmer gewesen als die heutige Generation (eine Kluft, die Flynn in seinem neuesten Buch "überbrücken" will).
Watschen für das Ekel der Intelligenzforschung
Innehält Enzensberger bei dem 1997 verstorbenen englischen Psychologen Hans Jürgen Eysenck. Hier verlässt ihn seine sonstige Gelassenheit, den watscht er als Ekel der Intelligenzforschung förmlich ab. Nun war Eysenck zweifellos ein eitler Eiferer (und sturer Freud-Feind), der vor Plattheiten nicht zurückschreckte.
Unglücklicherweise hat sich Enzensberger aber Eysencks populäres Buch "Intelligenztest", deklariert als Selbsttest zu "Spiel und Spaß", zum Ziel seines Spotts erkoren. Er gerät geradezu in eine ästhetisierende Rage über die Strichmännchen, die stilisierten "dämlichen" Gesichter, die Kreise und Sternchen darin, als wäre ihm nicht bekannt, dass die ganz ähnlich in anderen Tests von jeher vorkommen. Über den Aussagewert, die "Geladenheit" der teilweise höchst vertrackten Aufgaben ist damit nichts entschieden.
Als realitätsfremd bemängelt Enzensberger an allen IQ-Tests, dass deren "Rätselfragen" nur eine einzige richtige Antwort gestatten, als wäre konsequenzlogisches Denken der entscheidende Maßstab für Intelligenz. Um dem abzuhelfen und Phantasie und Einfallsreichtum ins Recht zu setzen, wäre hier zu ergänzen, hatte Joy P. Guilford - nicht weniger dubiose - Kreativitätstests entworfen mit Fragen wie: was kann man mit einer Büroklammer alles anstellen?
Man hätte gerne gesehen, dass Enzensberger auf die sozial und politisch brisante Kontroverse über den angeblich gegenüber der weißen Bevölkerung der USA bis zu 15 IQ-Punkten genetisch bedingt niedrigeren Intelligenzgrad der dortigen schwarzen Bevölkerung näher eingegangen wäre.
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Alexander Kluge, der intellektuelle Schattenspieler des deutschen Kinos und der deutschen Literatur, wird achtzig. Jetzt lesen ...
Entspannter Vierbeiner
Eine Schachspielerin erzählt ihrem Freund und Gegner beim Treff:
"Du! - Wenn Gerhard Schröder die Titanic gewesen wäre, dann hätte das Schiff nie den Hafen verlassen, denn man hätte gar nicht gewusst, wohin die Richtung geht.
Ah. Na! Alter Witz - Und, wenn Helmut Kohl die Titanic gewesen wär?
Nö, keine Ahnung!
Yeah - dann wäre der Eisberg untergegangen!"
Und wenn Angela M.?
Also, du meinst, ein Schiff namens Merkel, das in der Realität den Kohl zu stoppen verhalf...?
Na, da hatte Kohl den Motor abgestellt, in der Schraube hatte sich einiges verfangen. Und die Lotsen, also die Staatsanwälte, drohten an der Hafenausfahrt.
Und jetzt, die MS Merkel dampft doch ungehindert ! Schau mal nach Hannover.
Ja, es ist auch keine Titanic mehr da. Und die ehemaligen Steuerleute Koch, Rüttgers, Oettinger die versehen ihren Dienst als Schiffsjunge.
Und Merz ist über Bord gegangen.
Na, vielleicht baut der an der neuen Titanic?
Ach, was, der fährt immer noch Moped.
"Das könnte er auch wassertauglich machen."
"Ja, im Sorpe-See. - Und dann nach Pommes fahren, bis zur nächsten Mutter Ley."
*
"Ach, lass, hast du nicht ein neues Lyrik-Produkt?
Ja_Schiffsfahrt:
Dann man tau!
Glitzernd schwarz überquert Hubschrauber Deichgelände
in wolkenleeren Himmel heben kahle Pappeln ihre Hände
Und von wem ist das?
Von einem Kahnfahrer.
Aber, der hat doch einen Namen?
Na, als Poet ist er ein Schiffswrack. Und auf dem Schiffsfriedhof steht auf seiner Tafel: Helmut Heißenbüttel.
Kenn ich nicht, den lyrischen Schipper.
Siehste ! Zieh mal wieder! und vom nächsten Schiffsbruch erzählst du. Wow!
Jau, ja und yeah, von HME: ich sage nur: Lyrik! - Samt Interpretations-Operatoren fürs Zentralabitur in NRW.
Ich meinte natürlich bei "MinD" (Mensa in Deutschland) und nicht bei "Pisa".
Tja, anscheinend bin ich doch nicht so gut, wie mir von "MinD" bescheinigt wurde.
Ich glaube ich muss mich da mal bei "MinD" beschweren über das zu hohe Ergebnis ihres Tests, das mich in der Folgezeit in falscher Sicherheit gewogen hat. ;-)
Also ich habe kürzlich auf der Homepage von Mensa einen Online-Intelligenztest gemacht.
In dem kurzen Test waren mindestens 3 Aufgaben bzw. Lösungen inkorrekt. (So wurde z.B. einmal in der Aufgabestellung links und rechts verwechselt, einmal waren mehrere Lösungen logisch möglich und mehrmals differierte die Reihenfolge der Symbole, sprich die Aufgabenstellungen waren inkohärent.) Bei einem Verein mit so vielen angeblich klugen Menschen hätte ich ehrlich gesagt einen besseren Test erwartet.
Auch erinnerten mich die Tests von ihrer primitiven Art her irgendwie an meinen Einschulungstest.
Des Weiteren wurde dort nicht Lesekompetenz, Wissen (=Grundlage/Nährboden der Intelligenz) oder gar Kreativität getestet.
Ich halte daher fast alle Prüfungen, die ich in meinem Leben absolviert habe, für wesentlich bessere Intelligenztests (z.B. Zeugnisse, Abitur, Studienprüfungen, Examina, Segelschein ).
Aber vielleicht geben diese Intelligenztests ja manchen Menschen, die sonst nichts erreicht haben, Trost. Dann hätten sie ja auch ein Gutes.
Was meinen Test bei Pisa-Online angeht, so war ich ob meines hervorragenden Ergebnisses dann doch sehr geschmeichelt, wenngleich ich etwas gemogelt habe, da ich bei den 3 besagten inkorrekten Aufgaben bzw. Lösungen mich vorsätzlich dum.m gestellt habe, m.a.W. diese allein taktisch und nicht logisch gelöst habe.
Für die "Lächerlichkeiten, Absurditäten oder Irrläufe" mancher Schriftsteller würde ein Buch gar nicht reichen ...
unter dem Stichwort IQ im Internet auf sage und schreibe 109.000.000 Tests,
109 Millionen Tests?
Waren es womöglich doch nur Google-"Fundstellen" für den internationalen Begriff "IQ"?
Oder hat Enzensberger tatsächlich alle einhundertneun Millionen daraufhin geprüft, ob es wirklich "Tests" waren? Wenn ich richtig gerechnet habe, braucht er dazu 21 Jahre, wenn er pro Check eine Minute benötigt; das aber Tag und Nacht macht, 24 Stunden ununterbrochen, einundzwanzig Jahre lang.
Irgendwas stimmt da wohl nicht. Ich vermute, der SZ-Schreiber...? ...oder der sonst so kluge (auch was sein Hobby betrifft, immerhin: Mathe) Enzensberger weiß zwar sehr viel, hat aber Null Ahnung vom Internet (?)