Enthüllungen über Femen Putsch der Gedemütigten

Sind die Oben-ohne-Feministinnen von Femen vollkommen diskreditiert? Die Kampforganisation der Frauenbewegung wurde immerhin lange von einem herrisch auftretenden Mann dominiert, wie eine neue Doku belegt. Doch auch gegen diesen "Patriarchen" haben sich die Aktivistinnen schließlich aufgelehnt - mit Erfolg.

Von Tobias Kniebe und Tim Neshitov

Ist das nun eine Sensation? Die australische Regisseurin Kitty Green, 28, hat einen Dokumentarfilm über die feministische Protestgruppe Femen gedreht, und einer der wichtigsten Helden dieses Filmes - keine Heldin! - ist ein gewisser Viktor Swjazkij.

Ein Mann.

Einer, der sich "Patriarch" nennt, der die Feministinnen anbrüllt und ihre Aktionen aufs Penibelste kontrolliert. Kitty Green verbrachte 14 Monate an der Seite der Frauen, sie filmte, wie sie sich bemalen, wie sie ihre Parolen einüben, wie sie kreischend in Polizeiwagen gezerrt werden, wie sie hinterher die Farbe auf der Haut wieder abduschen.

Sie dokumentierte, wie die Frauen vor der Kamera verstummen, wenn Viktor sie anruft, wie sie das Interview abbrechen oder genervt die Augen rollen. Diese Woche lief der Film "Ukraina Ne Bordel" ("Die Ukraine ist kein Bordell") auf dem Filmfest in Venedig.

In einer Szene hört man Viktors Stimme, als er Inna, eines der bekanntesten Gesichter der Gruppe, anweist, ihre Kollegin Alexandra "hart ranzunehmen" - da geht es um eine barbusige Aktion bei der Fußball-Europameisterschaft. "Sie hat 200 Dollar bekommen, sie muss jetzt performen!"

Militärisch diktiert Viktor jedes Detail, gibt die jeweils zu brüllende Parole vor, fragt: "Hast du das notiert?" Inna notiert alles. Viktor legt auf, und Inna macht ein Zeichen, dass sie kotzen könnte.

Die Frauen reden über Viktors Einfluss und ihre Angst vor ihm, eine verwendet die Worte "Sklavin" und "Stockholm-Syndrom": "Es ist das Schicksal der Frauen, von Männern kontrolliert zu werden."

"Historische Paradoxien"

Schließlich tritt der Mann selbst vor die Kamera, zunächst in einer Hasenmaske aus Pappe. Die ist dann aber plötzlich verschwunden - offenbar war ihm die Aufmachung doch zu lächerlich. Warum wird Femen, die angebliche Kampforganisation des Neuen Feminismus, von einem Mann kontrolliert?

Die Frauen, sagt Viktor, "haben nicht die nötige Charakterstärke. Sie haben nicht einmal den Wunsch, stark zu sein. Stattdessen zeigen sie Unterwürfigkeit, Rückgratlosigkeit, Unpünktlichkeit und viele andere Eigenschaften, die sie davon abhalten, politische Aktivistinnen zu sein. Dies waren die Qualitäten, die ich sie unbedingt lehren musste."

Die Geschichtsbücher seien übrigens voll solcher "historischer Paradoxien", sagt Viktor. Auch Marx und Lenin seien schließlich aus der Bourgeoisie gekommen, die sie bekämpft hätten. Hat er sich Femen nur angeschlossen, um schönen Frauen nah zu sein, sie zu kontrollieren? "Vielleicht", sagt Viktor. "Irgendwo tief in meinem Unbewussten."

Und da sind noch die Motive der Frauen. Stolz führt eine der Aktivistinnen die Internetseiten ihrer Fans vor und sagt, vor den Kameras der Weltpresse verliere sie jede Furcht. "Ich habe Tausende von Fans. So wiegt das Positive das Negative auf."