Bitte untertiteln!

Englischsprachige Filme im Berlinaleblog /
Von Paul Katzenberger
/ Veröffentlicht am , im Berlinaleblog

California-Slang vom Feinsten gibt es in "Cherry" mit James Franco zu hören. Versteht zwar keiner, ist aber anscheinend trotzdem gut.

(Foto: Enderby Entertainment)

Filme gewinnen in der Originalsprache, gar keine Frage. Doch es gibt englische Idiome, die einfach kaum zu verstehen sind. Auf der Berlinale scheint das niemanden zu stören. Da kommt es vor, dass hunderte Menschen über eine Stunde lang wortlos in einem dunklen Saal zusammensitzen - und nichts verstehen.

Einer der schönsten Aspekte an der Berlinale ist ihr wahrhaft internationaler Charakter. Wo gibt es das schon, dass Menschen aus China, Kanada, Kamerun, der Schweiz und ganz vielen anderen Ländern an einem Ort zusammenkommen, um sich gegenseitig ihre Länder visuell und in zahlreichen Gesprächen zu erklären?

Und glücklicherweise gibt es ja die englische Sprache als multikulturelles Medium, deren Beherrschung im 21. Jahrhundert eine pure Selbstverständlichkeit ist, wie wir von unserem schwäbischen EU-Kommissar Günther Oettinger gelernt haben.

Die Kommunikation auf der Berlinale sollte also nicht an der Sprache scheitern - schließlich verfügt heute jeder Schulbub über ausreichende Englischkenntnisse, um sich bei "Starbucks" in der Alten Potsdamer Straße einen Café Americano zu bestellen. Doch so gut unser Denglisch inzwischen auch ist, das wunderbare irische Englisch im Berlinale-Beitrag "Shadow Dancer" war dann doch noch mal etwas anderes, weswegen ich mich sehr über die englischen Untertitel bei der Projektion dieses ausgezeichneten Filmes gefreut habe - so konnte ich ihm wenigstens folgen.

An dieser Stelle sei ein grundsätzliches Lob für den englischen Untertitel eingeschoben. Wenn es schon keine deutschen Untertitel gibt, die bei dieser Berlinale eher den Ausnahmefall darstellen, so ist ihr englisches Pendant doch etwas sehr Nützliches. Im vergangenen Jahr gab es zum Beispiel auffallend viele österreichische Filme im Weltkino und deren Verständnis wurde mir dank der englischen Untertitelung doch sehr erleichtert.

Umso mehr erstaunt es mich, dass dieses Berlinale-Publikum klaglos die Vorführung von englischsprachigen Filmen hinnimmt, die zwar in astreinem California-Slang daherkommen, aber weit und breit keinen Untertitel aufweisen. Es mag ja sein, dass die Skandinavier, Finnen und Holländer dem Panorama-Film "Cherry" bei seinem "Screening" im Friedrichstadt-Palast mühelos folgen konnten. Doch bei den Italienern, Franzosen, Koreanern, Kamerunern, Welschschweizern, Chinesen und nicht zuletzt Deutschen, die sicher ebenfalls anwesend waren, bezweifle ich das sehr.

Das schafft eben nur die Berlinale: Dass Hunderte von Menschen über eine Stunde lang wortlos in einem dunklen Saal zusammensitzen und dabei wenig Peilung haben.