Endlich Zeit für . . . Gut gehupft

Der Hubert-von-Goisern-Film mit viel Bonusmaterial

Von Michael Zirnstein

Es gibt Schattenseiten in der Laufbahn des Hubert von Goisern. Wie er sich etwa vor seinem allerersten Konzert als der Folksinger Hubert Sullivan im Wiener Kellerclub Tunnel davonschlich und sich "total geschämt hat". Oder, schlimmer noch, sein erster großer Auftritt in der ORF-Show "Nase vorn" als Schlagerschönling mit lasziver Zuzwinkerei und schmalzigem "Gern hab ich die Frauen geküsst", ein "dunkler Moment", sagt er heute. Doch auch dies sind wichtige Bausteine in der Selbstfindung Hubert von Goiserns, seiner "Suche nach dem Endbahnhof, den man nie finden wird am Ende der Gleise". Der Regisseur Marcus Rosenmüller - auch er ein Querfeldeinläufer durch heimatliche Kulturbeete - hat etliche erhellende Episoden aufgestöbert für seinen Dokumentarfilm "Brenna tuat's schon lang", den mit 65 000 Besuchern viele, aber zu wenige gesehen haben.

Da wirft ein Volksmusikgranitschädel dem ehemaligen Blaskapellentrompeter, dem sich in Bad Goisern nie zu Hause fühlenden Sohn vertriebener Sudetendeutscher, vor: "Es geht auf den Moik zu, dass du so hupfen musst bei der Musik." Entgegnet der Aufmüpfige: "I hupf halt gern." So einfach ist das. Manchmal. Oft ist es auch ein Kampf, so wie mit der Ziehharmonika vom Opa, dem "greisligen", verstaubten Instrument, das er im Suff zerreißen wollte und dabei erst merkte: "Boah, klingt das geil." Meistens, wenn er auf der Bühne steht, ist es aber ein reiner Rausch: Das von der NDW geprägte Konzert im Münchner Nachtwerk; sein "Wildschütz-Räp" bei einem frühen Ausflug in einer Bar in Texas, den ein Label-Boss als "alpine Grunge" ankündigt; oder selbst, als er bei seinem Mammutprojekt, der Linz-Europa-Schiffstournee, ausfällt und Xavier Naidoo die Lieder seines Freundes singt - quasi die Erfindung des "Vox-Tauschkonzertes".

Dass "Brenna tuat's schon lang" nun auf DVD vorliegt (Blankomusik), hat den Vorteil, noch eineinhalb Stunden von Anfang an gut gedrehtes Bonusmaterial genießen zu können: Huberts Reisen nach New York (noch mit den Alpinkatzen), in die Wüste von Mali, auf den Dachstein, und sogar die Präsentation seiner Modelinie "Nicht aussaputzt" auf der Salzburger Trachtenmesse '94, die "beim Fachpublikum nicht auf Gegenliebe" stieß, aber in Goiserns Geist kleidet: "Es ist so gemacht, dass es funktioniert. Dass da was owahängt, was stört, des gibt's net."