Für das neue Album des einst als authentisch gemeingefährlichen Gangster lancierten und extrem erfolgreichen Rappers 50 Cent gilt Ähnliches: Es finden sich nur zweitklassige Produktionen darauf. "Before I Self Destruct" verkaufte sich zwar bisher noch gut 1,5 Millionen Mal, das waren allerdings gut eine Millionen weniger Einheiten als noch vom Vorgänger "Curtis" (2007) und satte achteinhalb Millionen weniger als vom Vorvorgänger "The Massacre" (2005).
Snoop Dog ist kein atemraubender Wortkünstler, sondern ein begnadeter Geschäftsmann, der zufällig die lässigste, verhangenste Stimme des Pop hat. (© Foto: getty)
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50 Cent taugt deshalb gut als Kronzeuge des kommerziellen Niedergangs des Hip-Hop. Zusammen mit "Shock Value II", der enttäuschenden neuen Platte Timbalands, ergibt das gewichtige Anhaltspunkte für eine Krise des Genres. Der Beat-Bastler Timbaland gilt neben seiner Jugendfreundin Missy Elliott und Pharrell Williams und Chad Hugo, die gemeinsam als das Produzentenduo The Neptunes bekannt wurden, als einflussreichster Innovator in den vergangenen zehn Jahren.
Ohne ihn ist die maßgebliche Rolle des Hip-Hop beim Sounddesign des zeitgenössischen Highscore-Pop, der Tonspur des Gegenwart, nicht denkbar. Der Rede vom harmonisch und melodisch auskomponierten Pop setzte er radikale Beat- und Sound-Basteleien entgegen. Also: tiefste, knochentrocken und präzise kontrapunktisch eingesetzte Bässe: D'mm! Sowie brutal schiebende Bläser und Synthieflächen wie zuletzt etwa in Madonnas Hit "4 Minutes" (2008).
Abseits der Abgesänge ist die Enttäuschung über die Entwicklung des Genres also aus einem ganz anderen Grund interessant. Mit Frere-Jones' originellem Ansatz, einen rhythmischen Trendwechsel des Genres verantwortlich zu machen - weg von den im Blues wurzelnden swingenden und synkopierten hin zu schnelleren und stumpferen "europäischen" Beats - hat das allerdings nichts zu tun. Die Enttäuschung zeigt vielmehr, für wie selbstverständlich die Versöhnung von Avantgarde und Erfolg im Pop noch immer gehalten, gefordert, angestrebt und sogar erreicht wird.
"Drop It Like It's Hot" war 2004 in den USA ein Nummer-eins-Hit. Pharrells Kooperation mit Gwen Stefani, "Can I Have It Like That" ging um die Welt, obwohl es im Grunde aus nicht viel mehr besteht, als einem federnden Kontrabass-Miniriff und einem mit einem Schlagzeugbesen erzeugten, scharfen Snarepatschen, wozu Pharrell Williams rappt: "Should I mention the fact: the transition is the track?" Der Übergang ist schon der Song. Ebenso erfolgreich war das weitgehend geklatschte "Pass That Dutch" (2003) von Missy Elliott. Und auch Kanye Wests jüngste Interpretationen des humanoid klirrenden Gesangssounds, den man mit einem übersteuerten Tonhöhenkorrekturprogramm wie Auto-Tune erzeugen kann, schaffte es nach ganz oben ("808s & Heartbreak", 2008).
Andere Künste, sei es die Klassik, die Literatur, das Kino oder sogar die bildende Kunst halten es - besonders dort, wo sie die Massen gewinnen wollen - doch ungleich konservativer. In der Malerei zum Beispiel müssen gerade ja die Impressionisten aus dem späten 19. Jahrhundert als die wahren Modernen wiederentdeckt werden. Auch und gerade an der vordersten Front der Massenkultur jedoch, der Chart-Musik, ist das Neue, Überraschende, das bis eben noch für unzumutbar und unfertig Erachtete, aber noch das Ziel; Retro-Wahnsinn hin oder her.
Für welche Kunstform lässt sich das noch so unbedingt sagen? Und die Unruhe, die die Sphäre so eilig erfasst, wenn die Innovationen ausbleiben, wird auch in Zukunft Bedingung und Quelle für erstaunliche Popmusik sein. Simon Reynolds hat recht, wenn er schreibt, dass es nichts Neues geben könne, wenn das Alte nicht sterben würde. Im Pop ist es nicht nötig, so etwas wie den Impressionismus nochmal zu einer großen Sache zu erklären (auch wenn Vergleichbares mitunter natürlich passiert, wenn wieder einmal Sixties-Soul in die Charts gespült wird). Es reicht völlig, wenn man wartet, bis das nächste neue große Ding passiert.
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(SZ vom 11.1.2010/iko)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Also erstmal - Der Artikel ist so ein Unsinn...
Hip Hop wird, ob es einigen gefällt oder nicht, weiterhin in den Charts vertreten sein.
Der Mainstreamige Hip Hop ist vielleicht zur Zeit echt ausgelutscht, aber dafür tut sich im Underground zur Zeit einiges und das wird dann in nicht allzulanger Zeit eben der neue Mainstream werden.
Jetzt noch zu BB71 :D
Sie (! ;)) haben bei weitem nicht so viel Ahnung von Musik wie es vorgeben. Von wegen alles geklaut... Hip Hop (übrigens ist das nicht nur Rap) hat sehr viel kreatives für unter anderem Musik geleistet und zum Beispiel auch elektronische Musik stark beeinflusst.
Ich glaube gelesen zu haben, das sie auch House, Elektro oder ähnliches hören? Da wird auch gesamplet wollte ich sie wissen lassen. Nur so nebenbei ;)
Übrigens wird im Hip Hop mittlerweile viel mehr selbst eingespielt als gesamplet, also nichts mit "alles nur geklaut"
Noch ein paar kleine Beispiele wie "unkreativ" Hip Hop doch ist:
http://www.youtube.com/watch?v=ofPk7-i2_io
http://www.youtube.com/watch?v=Jhg-GRMeWQw&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=vVr296bJj2E
Wer Hip Hop vorwirkt es sei nicht kreativ hat einfach absolut keine Ahnung, und hat sein Wissen über diese Kultur von Taff und anderen fragwürdigen Medien.
Ich bin etwas enttäuscht über das Niveau dieser Dikussion. Ist es denn nicht möglich das Thema ohne diese ewigen Pauschalisierungen und Stereotypen anzugehen? Scheinbar nicht. Leider kann ich Herrn Rabe da nicht ausnehmen. HipHop war und ist in einem kleinen Kreis eine Bewegung die sehr viel mehr Umfasst als Goldketten und Hoody tragende Leute von denen hier so gern und viel geredet wird. Viel mehr hat sie damit eigentlich nichts zu tun auch wenn das vielleicht das Image ist dass die Musikindustrie unter diesem Namen im Moment vermarktet. Trotzdem ist es nicht möglich das alles in eine Kiste zu packen. Fern ab von diesen designten Produkten gibt es durchaus noch einen wenn auch mitlerweile relativ kleinen Teil der sich aufbauend auf den alten Wurzeln stetig weiterentwickelt.
Die künstlichen Modetrents haben einfach nichts mit der wirklichen Kultur zu tun und sind ohne diese nicht überlebensfähig. Da sich die wirkliche Szene meiner Meinung nach davon distanziert hat wird auch dieser Sterben. Das war abzusehen. Der kreative Pool aus dem das ganze entstanden ist existiert noch und ich denke dass er auch wieder präsenter werden wird. Aber das wird erst funktionieren wenn dafür neben all den Marionetten wieder Platz ist. Um hier wieder etwas positivere Stimmung reinzubringen. Wir dürfen noch hoffen...
Wo wir schon bei der SZ sind hätte man viell lieber Nina Sonnenberg gefragt. Ich denke die hätte das besser Beurteilen und einen tiefgründigeren Beitrag schreiben können.
lg
...den Lieblingsrapper der Lieblingsrapper, Laas Unltd.:
"Hör' auf zu haten und bleib weg du Nutte! Wenn du glaubst Hip-Hop ist tot - hör' doch Elektromucke!"
("Mörderballade" vom Album "2.0 Action Rap")
Wenn hier begeistert von "virtuos stampfend" geschrieben wird ist doch klar, woher der Wind weht.
dito
nur noch peinlich
Paging