Daniel Wüllner aus dem Social Media Team empfiehlt die Graphic Novel

"Schönheit" von Hubert und Kerascoët

Worum geht's? Es war einmal ein junges Mädchen, das sich nichts sehnlicher wünschte, als schön zu sein. In der Graphic Novel "Schönheit" wird der hässlichen Morue genau dieser Wunsch erfüllt. Die Geschichte beginnt in feinster MDR-Märchen-Manier: Bauern verzehren sich nach ihr, Ritter halten um ihre Hand an und am Ende heiratet der König sie. Die bezaubernde Schönheit liegt im Auge ihrer Betrachter, Morue selbst erkennt ihre eigentliche Schönheit nicht.

An dieser Stelle könnte das Märchen enden, doch Szenarist Hubert gibt sich nicht mit der klassischen Moral von der Geschicht' zufrieden, er lässt die Situation über die Maßen ins Groteske eskalieren. Immer mehr Menschen zieht die Schönheit in ihren den Bann - bis keiner mehr klar denken kann. Mit "Schönheit" modernisiert Hubert das Genre Märchen, indem er es der heutigen Gesellschaft anpasst, die so sehr auf Äußerlichkeiten fixiert ist und nur noch Superlative akzeptiert. Eine Gesellschaft, die gar nicht mehr in der Lage ist, zu erkennen, was Schönheit eigentlich bedeutet.

Wer freut sich darüber? Kinder werden sich auf eine andere Art über den Comic freuen als Erwachsene. Junge Leser werden sich an der Geschichte und den eingänglichen Bildern des Zeichnerduos Kerascoët erfreuen. Der leichte Zeichenstil ist angelehnt an die Buchkunst des Mittelalters wie auch an die Geschichten aus Tausend und einer Nacht. Wie Scheherazades Erzählungen wird auch "Schönheit" den erwachsenen Leser in seinen Bann ziehen, denn das Märchen hält der Welt schonungslos den Spiegel vor.

Bild: PR 10. Dezember 2013, 12:252013-12-10 12:25:36 © SZ.de