Im Strafprozess gegen den ehemaligen Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, gerät die Sendeanstalt immer mehr unter Druck. HR-Chef Helmut Reitze soll früh von hohen Zahlungen gewusst haben.
Der frühere Fernsehdirektor des Hessischen Rundfunks (HR), Hans-Werner Conrad, hat am Donnerstag vor dem Landgericht Frankfurt ausgesagt, er habe bisher nicht gewusst, dass der heutige HR-Intendant Helmut Reitze bereits 2003 Kenntnis von der brisanten Beschwerde eines Sportveranstalters hatte.
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Weder er noch der damalige HR-Chefredakteur Manfred Krupp seien in den Vorgang eingebunden gewesen. "Das hat Herr Reitze allein abgewickelt, dazu müssen Sie ihn befragen", sagte Conrad.
Der Organisator des Triathlon-Rennens Ironman Frankfurt, Kurt Denk, hatte in der vergangenen Woche ausgesagt, dass er sich 2003 bei der hessischen Landesregierung über die Höhe der von Jürgen Emig, damals noch Sportchef des HR, geforderten Produktionskostenzuschüsse beschwert habe.
Reitze sagt am 3. September aus
Die Regierung habe das Schreiben an HR-Intendant Helmut Reitze weitergeleitet, der ihm dann geantwortet habe. Reitze habe dabei die hohe Summe nicht in Zweifel gezogen.
Denk hatte einen Kostenzuschuss in Höhe von 95.000 Euro an die zwischengeschaltete Agentur SMP geleistet, bei der Emigs Ehefrau stille Teilhaberin war.
SMP soll laut Anklage jedoch nur 30.000 Euro an den HR weitergeleitet haben. Conrad bejahte die Frage des Vorsitzenden Richters Christopher Erhard, ob dem HR die große Differenz zwischen den Zahlungen nicht hätte auffallen müssen.
Der jetzt bekanntgewordene Vorgang hätte für den Intendanten Reitze ein Anlass sein können, "die Sachen nebeneinanderzulegen und genau zu prüfen", sagte er. HR-Chef Reitze muss am 3. September als Zeuge aussagen. Emig ist wegen Bestechlichkeit und Betrug angeklagt.
Im Haus, sagte Hans-Werner Conrad, habe es immer wieder Gerüchte gegeben, Emig würde die Hand aufhalten und beim HR könne man Sendungen kaufen. "Das wurde von der HR-Innenrevision überprüft, und es gab keine Belege."
Conrad räumte ein, dass der HR bei Großveranstaltungen auf Sponsoren und Finanzhilfen angewiesen war. Dass die Agentur SMP mit Emigs Ehefrau an der Spitze Gelder kassierte, habe er erst bemerkt, als Emig schon entlassen war.
(SZ vom 29.08.2008)
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