Wepper hatte eine kleine Rolle in Dörries Spielfilm "Der Fischer und seine Frau". Er wisse nicht, ob sie sich da gedacht habe: Jetzt probiere ich den Elmar mal aus, ob wir irgendeinen Draht zueinander haben. "Da hat sie jedenfalls zu mir gesagt: ,Elmar, kannst du dir vorstellen, mit mir und einer kleinen Kamera auf eine Reise zu gehen und so einen Dogma-artigen Film zu drehen?' Ich hatte das schon vergessen, und dann kam ein Jahr später das Buch." Das war ihm vorher noch nie passiert, dass er ein Buch las und schon beim ersten Lesen dachte: Diese Figur, das ist es.
Anzeige
Das war so, weil er in Rudi einen Teil von sich selbst erkannt hat. "Natürlich ist Rudi Beamter und hat einen ganz anderen Lebenslauf, aber ganz so weit weg von mir ist er nicht." Das wusste er beim Lesen und hat es beim Spielen benutzt, wie er sich so einen älter werdenden, "zur Muffeligkeit neigenden Mann" vorstellt. Man kann nicht so recht glauben, dass Wepper einen Rudi in seinem Inneren trägt, aber wahrscheinlich ist was dran: "Ich hab ein bisschen einen Hang zu Ritualisierungen, es muss alles seine Ordnung haben. Ich mag meinen Rhythmus, ich mag vertraute Situationen."
Im Zen-Buddhismus, der in den jüngsten Filmen von Doris Dörrie immer eine Rolle gespielt hat, führt der Weg zur Selbsterkenntnis über das Erkennen des Anderen, weil ja eh alles eins ist. Sie hat daraus so eine Art Zen-Regie destilliert, sie hat, sagt Wepper, den Dingen, den Vorgängen, den Figuren vertraut. Und den Situationen: "Wir haben viel improvisiert. Doris sagte: Setz dich mal dahin, vielleicht spricht dich der alte Japaner an. Und dann haben wir das versucht. So was ist alles beim Fernsehen nicht machbar."
Das Können und das Zeigenwollen ist aber nun nicht dasselbe - in Frauenkleidern weiß geschminkt vor dem Fuji einen Totentanz aufführen, dazu gehört ja einiger Mut. Den hat man, sagt Wepper, "wenn man Vertrauen hat. Dann kann man plötzlich etwas wagen und denkt: Hey, das macht ja richtig Spaß." Er hat sich also richtig reinfallen lassen, musste gleich mit den ganz großen Emotionen - den Schlussszenen in Japan - anfangen, das Team musste dort auf die Kirschblüte warten, die nicht kam, stattdessen wurde am Fuji gedreht. "Es war vier Uhr morgens, ich hatte Bronchitis, und es war so kalt - und das alles im Unterrock. Es erschlägt dich - und dann machst du's einfach doch."
In den Siebzigern wurden Kino und Fernsehen von München aus dominiert, der Neue Deutsche Film passierte also sozusagen um die Ecke, während Elmar Wepper ganz in der Nähe war und Fernsehkarriere machte. Doch dieses Paralleluniversum hat er nie berührt. Aber er will nicht darüber nachdenken, was gewesen wäre, wenn ihn damals einer gefragt hätte. "Ich war ja bisher vorwiegend in einem Genre tätig, das man eher als leichte Unterhaltung bezeichnet. So spontan kam dann wohl der eine oder andere auch nicht drauf, zu sagen: Vielleicht hat er was, das eine große Leinwand aushält. Und Doris hat das vielleicht gesehen."
Die Serien haben ihm mehr entsprochen, weil das Team dasselbe bleibt, die Situationen vertraut waren. Da kommt wieder der innere Rudi durch.Der wird auch ein Mitspracherecht haben bei den Angeboten für Kinofilme, die er jetzt bekommen wird, mit Silbernem Bären oder ohne. Der Schauspieler Elmar Wepper wird ganz buddhistisch an die Sache herangehen, und die Dinge befragen, wie sie sich denn entwickeln möchten; und der innere Rudi will vielleicht einfach nur seine Ruhe haben.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
(SZ vom 16.02.2008)
DFB-Torhüter ter Stegen